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Cartridge – Enfant Terrible (2006)

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„Cartridge ist englisch und heißt soviel wie Farbbandkassette, Kartusche oder im technischen Sinne auch Knautschelement. „Enfant Terrible“ kommt aus dem Französischen und steht für schlimme/schreckliche Kinder. Beides zusammen kommt aus Dänemark und klingt nach einer ordentlichen Retro-Gitarren-Synthie-Schrammel-Orgie.

Cartridge sind vier Jungs, die mit ihrem Tourbus auf der Reeperbahn eine Panne hatten und unter diesen Umständen glücklicherweise auf ein freundliches Label namens Records & Me trafen. Lebe lieber ungewöhnlich. Ihre EP „Nowhere Fast“ sorgte bereits 2005 in der deutschen Liebhaber-Szene, für vorwiegend positive Reaktionen. Da soll noch mal einer sagen, in Dänemark ist nix los. Wären Cartridge aus Leeds, Manchester oder Liverpool, der Aufschrei wäre größer und der NME hätte mit diesem Debüt „Enfant Terrible“ den nächsten großen Hype am Start.

„Coma State“ beginnt euphorisch und alles andere als komatös. Im dazugehörigen Video beweisen Mathias, Alex, Thomas und Niels, dass sie alles andere als Aufputschmittel brauchen. Die Power liegt in ihren gutgelaunten Popstücken. Der irre Blick von Sänger Mathias erinnert an P.I.L. und natürlich sind auch altbewährte Helden musikalisch in der dreizehnteiligen Tanzparade nicht zu überhören.

Kurt Cobain steigt zum Beispiel in „Out Of Joint“ kurz wieder aus seinem Grunge-Sarg. Das dänische Quartett schwimmt manchmal ein wenig zu offensichtlich, charmant-lächelnd auf der lang anhaltenden englischen Retro-Welle mit. Hier tanzt die Kaiser Party durch die Bloc Chiefs-Schickeria. Stücke, wie „Enfant Terrible“ oder „Well, It All Comes Down To“ durchrütteln locker eine gewisse poppige Schotten-Dynamik.

Die lange Referenzliste sollte man den Jungs allerdings nicht übel nehmen. Man taucht gerne in den verliebten Sound von „Enfant Terible“ und durchforstet temporeich das Beste aus den 80ern und 90ern der beliebten Independentgeschichte. HITS! HITS! HITS!“ (http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/c/cartridge/enfant_terrible/index.htm)

Eels – Daisies Of The Galaxy (2000)

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„Süß, putzig, niedlich – treffender könnte man die neue Platte der Eels wohl kaum beschreiben. Kinderzimmermelodien werden mit Gitarre, Flöte, Hammond-Orgel und Chorgesang vorgetragen, dass es eine wahre Freude ist. Und das ist nicht sarkastisch gemeint!

Mr. E. und seinen beiden Mitstreitern ist mit „Daisies Of The Galaxy“ ein wirklich schönes Album gelungen, welches von der Musik her so überhaupt nicht in diese Zeit zu passen scheint. Bei mir rufen die 15 Songs immer Bilder aus den amerikanischen Vorstädten der 50er und 60er hervor – eine kleine, heile Welt mit gepflegten Rasenflächen vor dem Haus und dem neuesten Wagen in der gepflasterten Auffahrt. Wobei „Daisies Of The Galaxy“ keineswegs als naiv zu bezeichnen ist, die Songs sind von vorne bis hinten mit einer schon beängstigenden Perfektion auf diesen Stil getrimmt, ohne jedoch zum Kunstprodukt zu verkommen.

War der Vorgänger – aufgrund schwerer persönlicher Schicksalsschläge des Sängers – noch düster und verzweifelt, so ist das neue Album das komplette Gegenteil – größtenteils fröhlich-freundliche Songs, die sich alle im drei-Minuten-Format bewegen. Und wenn E., nur mit Akkustikgitarre bewaffnet, Zeilen wie „I Like Birds“ singt, dann wirkt das so absurd, dass einem „Daisies Of The Galaxy“ schon alleine dadurch noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Großartig!“ (http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/e/eels/daisies_of_the_galaxy/index.htm)

http://www.eelstheband.com – Ofiizielle Webseite

Eels – Souljacker (2001)

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„Der Mann, der sich E nennt, redet nicht gern. Und wenn, dann hatte er in den letzten Jahren selten Erfreuliches zu berichten. Seinen persönlichen Tiefpunkt hat der lakonische Selbsttherapeut aber mittlerweile wohl überwunden. Das heiß erwartete vierte Album seiner Band klingt wie ein Amalgam der letzten drei, vereint es doch introspektive Klagelyrik, musikalische Befreiungsschläge und zärtliche Melodien. Wieder einmal ist das verschrobene Eels-Universum von märchenhaften Gestalten bevölkert: ein freundlicher Geist, eine jugendliche Hexe und ein hundegesichtiger Junge. Auch Peter Buck (R.E.M.) und John Parish (PJ Harvey) sind dabei, und sie haben den Rock mitgebracht: „Hospital Food“ und „Flyswatter“ waren also nur ein angedachter Vorgeschmack auf das, was hier in „Souljacker Part 1“ oder „What Is This Noise?“ seine Erfüllung findet.

Sprich: Das neue Album ist noch vielseitiger, als ohnehin schon hohe Erwartungen es verlangt hätten. Das Eels Orchestra 2001, wie sich die Band auf der letzten Tour selbst nannte, ist noch glatter und hörbarer als beim letzten Mal. Der Grund, warum die Eels für viele allerdings eher eine Religion denn eine Band sind, liegt indes woanders. Denn vor allem in seinen Texten versteht es E, Trost zu spenden und die Schwachen aufzurichten, indem er das Augenmerk auf fast altmodische Bekenntnisse lenkt: „In this world of shit / Baby, you are it.“ George W. Bush z. B. kann das nicht so sehen, strafte er doch erst kürzlich die Band ab, weil sie einen Song namens „It’s A Motherfucker“ im kindgerechten Cover unter das manipulierbare amerikanische Volk gebracht hatte. Soviel zu inhaltlicher Reflexion, Ironie made in America. Macht E aber nichts. Im Gegenteil: „Souljacker“ ist der Spitzname eines Massenmörders, der sich einst als biblische Heimsuchung gefiel. Diesem Herren ein Stück zu widmen könnte republikanischen Kreisen durchaus noch mehr Missfallen entlocken als die Blümchen und Vögelchen auf dem letzten Plattencover. Und Songs wie „Bus Stop Boxer“ sind ein selbstbewusstes Zeugnis dafür, dass es den Eels ernst ist, auch mit der Hitparade. Denn eines bleibt wohl vor allem festzuhalten: bei aller Liebe zu verspielten Details und rätselhaften Klangsprenkeln vermag es „Souljacker“ erstmals seit „Beautiful Freak“, das Diesseits sogar mehrheitstauglich zu feiern. Und spätestens mit „Fresh Feeling“ (aufgepasst: hier samplen sich die Eels selbst!) schaffen es E, Butch und Freunde mal wieder, Herbstdepressionen und Graue-Wolken-Gefühle auf frühestens morgen zu verschieben.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23028354/eels_souljacker)
http://www.eelstheband.com/ – Offizielle Webseite der Band

Gravenhurst – Fires In Distant Buildings (2005)

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„Das mit der Gitarrenmusik bei Warp Records wird ja langsam schon zur Gewohnheit. Diesmal sind wieder Gravenhurst dran, die einst auf dem Höhepunkt des New Acoustic Movements von dem Label Silent Age Records losgeeist wurden, damit sich Warp auch mal mit etwas Folkmusik schmücken kann. Wenn man von Gravenhurst schreibt, dann meint das im Wesentlichen den Multi-Instrumentalisten und Songschreiber Nick Talbot aus Bristol mit mal mehr und mal weniger Verstärkung. Bei den Aufnahmen zu »Fires In Distant Buildings«, die erstmals nicht zu Hause, sondern im Studio stattfanden, bestand diese Verstärkung aus Dave Collingwood, der sich für die Drums verantwortlich zeichnet. Zusammen erweitern sie ihr vormals vom Folk geprägtes Spektrum um diverse Spielarten der Rockmusik. Die Plattenfirma nennt als zusätzliche Referenzen Slint und The Velvet Underground – und wenn man da noch Stereolab und Mogwai draufpackt, dann passt das als erste Standortbestimmung auch irgendwie. Das Besondere an Gravenhurst ist sowieso das Zusammenspiel der traurigschönen Musik und der reinen Stimme auf der einen Seite mit den abgründigen Lyrics auf der anderen. »Animals« etwa ist ein ungemein elegant und leicht arrangierter Folksong, in dem Talbot mit glockenheller, vollkommen ungerührter Jungenstimme davon singt, wie er jemanden zum Fluss lockt, um ihn dort je nach Laune zu ersäufen. Er selbst scheint dabei seltsam unbeteiligt und ist dadurch in seiner Wirkung nur noch intensiver und beängstigender. Ein großartiger, mächtiger Song. Auch sonst geht es auf dem Album recht gewalttätig zu. In der Hauptsache handelt es von dem Reiz der Gewalt und wie leicht man ihr erlegen ist. Düstere Themen, die von Gravenhurst auf immer neue, spannende Weise umgesetzt werden. Im Mittelpunkt steht die von einem Krautrock-Beat getriebene erste Single »The Velvet Cell«, die am Ende der ersten Albumhälfte nochmals als Reprise auftaucht und ungewohnt leicht und beinahe schon poppig rüberkommt – nur dass es hier um die Veranlagung zum Töten geht, die nach Ansicht Talbots in jedem Menschen steckt und wartet. Ansonsten gibt es neben klassischen, aber ungemein nahe gehenden Folksongs (»Animals«, »Nicole« und »Cities Beneath the Cities«) epische Stücke, die mit majestätischen Gitarrenwänden aufwarten, wie sie sonst nur Mogwai so gut hinbekommen (»Down River« und vor allem »Songs From Under The Arches«), zudem hypnotische, psychedelische Songs wie die fantastische, breit angelegte Coverversion des alten Kinks-Stücks »See My Friends«. Acht atemberaubend intensive Songs also, die sich zu einem brillanten Album fügen, das einen zu gleichen Teilen bezaubert/verstört und garantiert niemanden kalt lassen wird. Ein echtes Wunderwerk.“ (http://www.spex.de/1908/rezensionen.html)

The Fall – Bend Sinister (1986)

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„Die Amerikaner hatten Mitte der 80er mit Sonic Youth und den Pixies wohl die bekanntesten Erneuer der Rockmusik.
Doch, auch in England gab es Bands die sich mit den Amerikanern haben messen können. Eine davon war The FALL.
Mark E. Smith, Chef und Hirn hinter The Fall galt lange als der populärste musizierende Psychopath Englands. Das 1986 erschienene Werk „Bend sinister“ kann sich ohne jeden Zweifel mit den großen Werken „Daydream nation“ (1988) von Sonic Youth und „Doolittle“ (1989) von den Pixies messen.
„Bend sinister“ hat schon vielen Freunden moderner Musik den Glauben an die Avantgarde gerettet. Wirre Textcollagen werden mit holpernden Sprechgesang in Einklang gebracht. Man fühlt sich gerne an die Zeiten der B-52’s erinnert und im gleichen Augenblick tobt der Lärm des ausgehenden 20. Jahrhunderts.
The Falls „Bend sinister“ ist britischer Underground in seiner besten Form und gerade jetzt wo neue Garagen-Bands wie die White Stripes, Yeah Yeah Yeah und Libertines in aller Munde sind, sollte man gerade den jüngeren und interessierten Musikfreunden diese zu unrecht fast vergessene tolle Band ans Herz/Ohr legen.“ (http://www.amazon.de/review/RJJCQB5NJ1JTX/ref=cm_cr_rdp_perm)

Indiepediaeintrag – wahrscheinlich von einem richtigen The Fall Fan zusammengetragene Informationen

Eine Bandbiografie, die nach über 30 lebhaften und abwechslungsreichen Jahren einiges zu bieten hat

Morrissey – Bona Drag (1990)

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„Großartig! Anders kann man es einfach nicht beschreiben!
Morrissey zeigt das er auch ohne die Smiths jenseits der 80´s als Sänger Bestand hat!
Schon der Opener „Picadilly Palare“ ist ein beeindruckendes und wunderschönes Stück, getragen von einem Gesang den man unter Millionen wiedererkennt. Textlich nimmt Moz wie immer kein Blatt vor den Mund, ohne jedoch dabei in stumpfe Plattitüden zu stolpern, was wohl eine der bemerkenswertensten Stärken seinerseits sind.
Absolute Ohrwürmer sind hier besonders „November spawned a Monster“, „Such al little thing makes such a big difference“ und „Hairdresser on fire“.
Und wer wird nicht bei „Yes I´m blind“ einen sehnsuchtsvollen Blick aus dem Fenster auf die Strasse werfen?
Dies ist mehr als ein Kauftipp, es ist eine dringende Empfehlung sich mit einem unvergänglichen und immer wieder ergreifenden Sänger bekannt zu machen – auf Basis eines Opus Magnus wie diesem hier!“ (http://www.amazon.de/Bona-Drag-Morrissey/dp/B000025W0Q)

Morrissey bei Wikipedia

…und Indiepedia