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Talk Talk – Laughing Stock (1991)

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„Konstantin Gropper ist Get Well Soon. Allen Liebhabern seines Debütalbums REST NOW WEARY HEAD, die sich gefragt haben, wo er in die Lehre gegangen ist, stellt er auf musikexpress.de sein Lieblingsalbum vor: LAUGHING STOCK von Talk Talk.

Ich weiß ich trage Eulen nach Athen, aber das Gähnen nehme ich in Kauf: Mein Lieblingsalbum ist LAUGHING STOCK von Talk Talk.

Ein bisschen „ausgraben“ muss man dieses Meisterwerk dieser Tage ja wirklich. Schändlicherweise. Im regulären Vertrieb ist es schon lange nicht mehr. Deshalb ist LAUGHING STOCK vielleicht so etwas wie der meistzitierte „Geheimtipp“ überhaupt.

Da wäre zunächst mal die faszinierende Geschichte vom Werdegang der Band. Mit Hits wie „Such A Shame“ oder „It’s My Life“ waren Talk Talk eine der erfolgreichsten Pop-Formationen der 80er Jahre. Bis sie 1989 mit dem Album SPIRIT OF EDEN einen musikalischen Schnitt in ihre Karriere setzten, der in seiner Konsequenz und Eigenwilligkeit bis heute einzigartig ist. Plötzlich hatten Talk Talk keine Stadion-Refrains mehr, sondern einfach überhaupt keine, waren extrem sperrig, improvisiert, kurz gesagt: Avantgarde, oder wie man sogar bei Wikipedia liest, hatten sie damit den Post-Rock erfunden. LAUGHING STOCK, das Folgealbum, um welches es hier gehen soll, machte dann mit seiner äußerst düsteren und regelrecht entrückten Grundstimmung noch einen bedeutenden Schritt weiter in Richtung Unzugänglichkeit. Dass die Verantwortlichen bei der neuen Plattenfirma (immerhin das Jazzlabel Verve) damals aus der Listening-Session entsetzt vorzeitig flüchteten, ist ja auch oft genug erzählte Musikgeschichte.

Was mich an LAUGHING STOCK am meisten fasziniert, ist, dass man das, was in den gut 43 Minuten passiert, eigentlich nicht in Worte fassen kann. Aber nun habe ich mich in die Situation gebracht und entschuldige mich jetzt schon mal für die Unzulänglichkeit meiner Ausführungen. Aber es soll ja subjektiv sein, oder?

LAUGHING STOCK beginnt mit einer 18-sekündigen Pause. Nur ein leises Gitarrenrauschen ist zu hören. Vielmehr das Geräusch des Raumes, in welchen hinein die folgende Großtat erklingen soll. Oder mit John Cage (der sein Werk Organ2/ASLAP ja bekanntlich mit einer eineinhalbjährigen Pause beginnen lässt): der Klang der „schweigensverweigernden Welt“. Es folgt ein Gitarrenakkord, der diese Stille regelrecht zerschneidet und mir jedes Mal die Brust, weil er vielleicht schon alles an diesem Album vereint, was es ausmacht: Er klingt so frei schwebend und dennoch spannungsvoll, gleichzeitig zu Tränen rührend schön wie aus einer anderen Welt. Ein kammermusikalisch, punktueller Moment der Spannung, wie man ihn zuletzt vor gut 80 Jahren bei Charles Ives oder bisweilen gar Anton Webern gehört hat.

Nach gut einer Musik setzt Mark Hollis’ unverwechselbare Stimme ein: „Place my chair at the backroom door.“ So viel Schmerz klingt in dieser Stimme mit, als trüge sie das Elend der Welt auf den Schultern. Dabei ist es eigentlich egal, was er singt. Es klingt so seltsam entrückt als hätte er im Liegen gesungen, wie damals ein Rezensent bemerkte. Er soll im Studio viel mit Kerzen und Weihrauch gearbeitet haben. Und regelrecht orthodoxe Erfurcht ruft sein entwaffnender Gesang hervor, an den heute allerhöchstens ein Will Oldham heranreichen kann. Diese unbegreifliche Sphärenmusik von „Myrrhman“, dem ersten Stück der Platte, endet in einer überirdischen Streicherseligkeit und damit den vielleicht schönsten gut 1,5 Minuten Musik, die je auf Band verewigt wurden.

Man könnte mit einer unendlichen Liste an musikalischen Skurrilitäten fortfahren, die sich die Herren Hollis und Friese-Greene haben einfallen lassen, die aber bei aller Ausgefallenheit immer eines sind: einfach nur wunderschön. Und das ist es dann auch, was diesen düster-erhabenen Monolithen (eine verhasste, aber ausnahmsweise passende Vokabel) von einem Album auszeichnet. Es ist Avantgarde, d.h. allem heutigen, das es vor fast 20 Jahren vorweg genommen hat, immer noch kilometerweit voraus, sperrig, niemals vorhersehbar und zu jeder Sekunde so unzweifelhaft eigenwillig, als sei es nicht von dieser Welt. Aber gleichzeitig immer emotional zutiefst ergreifend und von einer ästhetisch erhabenen Vision durchdrängt, die mich zumindest einfach nur glücklich macht (und natürlich maßlos einschüchtert). Ich glaube, so würde ich meine musikalische Idealvorstellung definieren und also auch eines meiner Lieblingsalben, an dem ich mir mein Leben lang die Zähne ausbeißen werde.“ (http://www.musikexpress.de/Get_Well_Soon_%C3%BCber_LAUGHING_STOCK_von_Talk_Talk.html)

Indipedia über das Album

SND – Tender Love (2002)

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„17 tracks wide, no track titles, no mistakes, nothing but the good stuff. Inspecting the ‘less is more’ aesthetic and proving that sound analysis and precise rhythm construction do not have to mean heartless analyticism, Mat and Mark have taken the formula one step further and have produced a third album that must surely count as their best work to date. Diving straight into the CD – track 4 – and you’ll discover that the micro-beat has been mutated into what you must deliciously call micro-2 step! The groove is delicious, precise sparkling keys and a sharp allignment of clicks and bass kicks that will ensure that even the most bearded Wire reader will stop analysing and will start to shuffle. Devestating stuff. Following on from there – the reduced aesthetic mutated once again – strictly controlled components – lots of delicate unravelling and heart-moving tones, always placing the rhythmic at the forefront and giving those nice people in Cologne and Montreal something to think about with a template for the future of all things Micro. It’s hard to think of any artists working within the electronic field that have managed to create a sound of their own so thoroughly – concluding that despite relentless efforts from a host of admirers, nothing has ever really managed to sound quite like this, and nothing ever will. Fabulous.“ (http://www.boomkat.com/item.cfm?id=6409)

Autechre – Envane (1997)

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„It begins with a chirping beat and a smooth, deep bass pulse. Then brassy stabs of melody cut in with more staticky rhythm. Shadowy voices sing until the choppy scratching of a rap vocal swirls into the mix. Gradually a roving piano melody ups the complexity. It’s “Goz Quarter,” the first track on the Envane EP by Autechre. This is another gorgeous Ae release that never saw the light of day in the States. Subtle chords, heavy beats, and rattling clicks combine into industrial plant melodies. It’s a shame this one hasn’t been released in the US, because it’s classic Chiastic Slide-era Autechre and one of my favorites.“ (http://www.gridface.com/reviews/envane.html)

Wikipedia über Autechre

The Art of Noise – The Seduction of Claude Debussy (1999)

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Als Claude Debussy am 18. März 1918 in Paris verstarb, regnete es und die Deutschen bombardierten die Stadt… Kein schöner Gedanke, wenn man sich die letzten Minuten im Leben des Romantikers vorstellt. Und mit diesen Worten beginnt das Album über die Verführungen des Claude Debussy.

The Art Of Noise huldigen mit diesem Werk die Arbeiten sowie die Person Debussys. Dabei schaffen sie es, glaubwürdig, frei von Kitsch, mit gebürtiger Achtung und mit einer sehr gelungenen Verbindung von elektronischer Musik und Soundschnipseln aus dem Werk Debussys zu klingen. Die Kunst des Geräuschs, das die Gruppe sonst so gern erkundet, tritt hier zurück für eine homogene und warme Klanglandschaft. Dabei holten sich Art of Noise Unterstützung wie den Rapper (!) Rakim, BBC-Sprecher John Hurt oder die Opernsängerin Sally Bradshaw ins Boot, die auf dem Album entsprechende Akzente setzen. Drum’n’Bass und Breakbeat treffen auf HipHop und Ambient, Operngesang und Pianosolis werden geloopt und werden collagenhaft aufgetragen. Ein großer, atmosphärisch sehr gelungener Wurf der Soundtüftler

Wikipedia über Art Of Noise

T. Raumschmiere – Radio Blackout (2003)

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Monsterbeat im Radio-Edit

T.Raumschmiere war mit seinem letzt jährigen Mute-Album „Radio Blackout“ auf fast allen Kanälen präsent. Und das soll mit einer weiteren Singleauskopplung noch ein wenig erhalten bleiben. Mit knarzig-rockendem Anstand natürlich.

Marco Haas aka T.Raumschmiere ist stets eine sichere Adresse für rockende Verwirrung gewesen. Noise, Knarz und Minimal Techno zwischen Kompakt und Aphex Twin hat er so weit ausbalanciert, dass Mute sich an eine größere Vermarktung wagte. Als dritte Single aus „Radio Blackout“ wurde nun „A Million Brothers (Blahblahblah)“ ausgekoppelt. Ein wiederum untypisches Stück mit Hip Hop-Vocals der nicht ganz unbekannten Glasgower Rapperin MC Soom T, die bereits mit Bus zuarbeitete. Dazu Remixe von Pole sowie Subspecies. Außerdem gibt es einen sweet gekürzten Radio-Edit des Albumtracks „Querstromzerspanner“, welches gleichzeitig als Hörprobe freigeben wurde. Geboten werden noch einmal stampfende Monsterbeats mit gleichermaßen Melodie und Dissonanz sowie etwas Hymnenhaftigkeit. (jw)“ (http://www.tonspion.de/musik/traumschmiere/musik/235918)

Senking – Ping Thaw (1991)

„Auf der erst vierten CD des Labels meldet sich endlich einer der ersten Acts des Labels in anderem Format kurz (50min) zu Wort. Einige Tracks kennt man schon von den 12″es und die Art wie Senking aus einer Konzentration auf die Elektronik und die langsam aus dem Analogen herausgearbeitete Dichte ist immer wieder spannend. Soundtrack der ruhigen Art eines gelegentlich darken aber nie bedrückenden Sounddesigns mit sehr viel Raum und Tiefe, die in gewisser Weise an den Traum des Sieges der Mechanik über den Rest der Welt erinnert, der Techno so lange begleitet hat, und Senking damit in die Nähe anderer Producer einer ambienten Kompromisslosigkeit bringt. Pulsieren, dunkel, still und nachtgläubig dürfte diese CD die Bandbreite von Karaoke Kalk nach den sehr ausgelassenen heiteren Platten betonen.“ (http://www.de-bug.de/reviews/8471.html)

Burnt Friedman & The Nu Dub Players – Can’t Cool (2003)

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„Ein Festival der Slowmotion-Leichtigkeit! Scheißegal, welcher Star Friedman und Freunde empfiehlt, am besten selbst anhören, Meinung direkt von Tonträger zu kognitivem System bilden und in Totalbegeisterung verfallen. There is no other way! Schon ein einziger Track sagt es alles: „Fuck Back“ klingt wie ein hektisch zerstückelter Dub auf totalem Funk mit vielen Samples, z. B. einer Gitarre, die an David Sylvian/Japan erinnert und irren Vocals von Theo Altenberg, der cool wie ein imaginärer Rockers-Tikiman und dann doch abgedrehter wirkt. Wie gesagt: das alles passiert im ersten Track. Und derer gibt es zwölf. War das letzte Album „Just Landed“ nicht schlecht, aber noch deutlicher an den Projektnamen gebunden, schlagen Friedman und eine zwanzigköpfige Bande (darunter die Stimmen von Abi, Patrice und Lovetta Pippin) nun so richtig los. Das hier ist tiefster Dub-Reggae mit postmodernem Aufblinken am grünbraunen Rande. Erst recht dann live und um Preisträger Jaki Liebzeit von Can ergänzt demnächst im virtuellen Coffeeshop Deines Vertrauens. Aber besser am Stuhl anschnallen, denn hier, höre „Dublab Alert“, wird Haken geschlagen und Atem genommen, in einem Fluss versteht sich, einem einzigen langen. Meisterstück von A bis Z. Wenn das Prince hört …“ (http://www.de-bug.de/reviews/18240.html)

„Glatte Eingängigkeit kommt direkt hinten wieder raus.“ Interview mit Bernd Friedmann bei irieites

Bernd Friedmann und Eric Mandel hören gemeinsam Musik. Lustig 🙂 http://www.burntfriedman.com/research/research-content/listening-to-records-with-eric-in-german.html

Wikipedia zu Burnt Friedman

Adolf Noise – Wunden, s. Beine Offen (1996)

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„“DIESE PLATTE ISST VIEL BESSER, ALS DIESE PLATTE ISST“ (Ebby Thust, Box-Promotor)

Lassen wir die Künstler selbst sprechen:

„Sehr geehrte Hörer, ADOLF NOISE ist Projekt und Projektil in zweier Person: Die Exil-Flensburger Koze (Member of FISCHMOB) und Marc Nesium (sehr viel später dann Member of FÜNF STERNE DELUXE, ansonsten Graphiker u.a.f. FISCHMOB und FLUGSCHÄDEL) lebten zusammen in einer Wohnung. Sie war Fluchtpunkt und -grund zugleich. Doch immer Brutstätte kreativen Schaffens. Ihr gemeinsames Projekt war ursprünglich als Tape-Sampler geplant, entwickelte sich dann aber zu etwas anderem. Selbst Ebby Thust hatte diese Platte schon gehört und fand sie richtig.

„Wunden, s. Beine offen“ ist DAS 1. Chill-Out HÖRSPIEL in deutscher Sprache“ und bündelt Musik, Grafik, Hörspiel, Dadaismus, Kawumm-Styler und hartgeile Spackenkacke. Eine grüne Trip-Hop Reise mit knatternden 70er Büsum-Bässen, fertigen Rettungshunden in Trümmer und Fläche, Professor Wing an Bord der „Fredericia“ sowie Textfragmenten von Hermann Hesse, Werner Hansch, Eduard XY Zimmermann und einer 20 Jahre alten Psychopharmaka Werbe-Schallfolie. Wahnwitzig, absurd und ab sofort!

Achtung! Lieber Hörer, bitte nehmen Sie diese Platte ernst und sich 35 Minuten Zeit! Hören Sie sie in aller Ruhe, jedoch mit einer gewissen Wachsamkeit. Schon nach wenigen Minuten wird sich bei Ihnen der sogenannte Ginsoleddo-Effekt im aktiven Zentralnervensystem einstellen. Bei unkonzentriertem oder beiläufigen Hören wird dieser gewünschte Effekt allerdings nicht oder nur teilweise erziehlt. Wir wünschen angenehme Unterhaltung.“(http://www.plattenmeister.de/ger/bands/adolfnoise.htm)

Adolf Noise und das Album bei Indiepedia

Pole – 3 (2000)

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„Stefan Betke alias Pole ist vom Rheinland in Deutschlands einzige Metropole Berlin umgezogen. Der Ortswechsel blieb auf seinem drittem Album nicht ohne musikalische Folgen. War 1 noch ein stilles, atmosphärisch dichtes Meisterwerk, so nahmen die minimalen Dubs auf 2 mehr Schwung. Auch 3 setzt das Gesamtkonzept der Vorgänger fort. Das Cover ist nach den Farben Dunkelblau und Rot wieder schlicht und diesmal ganz in gelb gehalten. Die dominante Präsenz des defekten 4-Pole-Filters von Waldorf ist geblieben. Er produziert weiterhin digitale Knackser, die ähnlich wie die auf defekten Schallplatten klingen, aber immer unregelmäßig und zufällig auftreten. Was auf Vinyl störend wirkt, gehört bei Pole zum Klanggerüst, dessen weitere Säulen dezente Störgeräusche, tiefe Bässe, unausgereifte Melodien und schleppende Dubs sind. Die Veränderung dieses Pole-Albums liegt in seiner Dynamik. Die Rhythmen grooven mehr, selbst die Melodiefetzen haben sich vergrößert. Wo früher eiserne Sparsamkeit herrschte, regiert jetzt natürlich keine Verschwendung und Betkes Musik bleibt abstrakt, subtil feinadrig und minimal. Aber sie ist etwas weniger streng und swingt leicht und das Stückt „Karussell“ nähert sich fast der Tanzfläche. Wie der Zufall es so will, müsste Pole hinter der Dub-Reggae Legende Augustus Pablo und Minuimal-Techno Genius Plastikman einsortiert werden — ein würdiger Platz. (Sven Niechziol)“ (http://www.amazon.de/gp/product/B00004TD3G/sr=1-5/qid=1239996426/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&qid=1239996426&sr=1-5&seller=)

Wie der Minimal-Störgeräusch-Dub von Pole entstand: eine kleine Geschichte vom Zufall, eine neue Musikrichtung zu schaffen auf yahoo-music

Seltsamer Sound namens Pole – Ein Beitrag der Berliner Zeitung

Wikipedia (engl.) zu Pole

Ammer & Haage – 7 Dances Of The Holy Ghost (2005)


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„Aus Leidenschaft für das Phänomen der allgegenwärtigen Verehrung von Schutzheiligen, aus der Lust, das Heilige aus seinen Restbeständen zu rekonstruieren und daraus eine eigene Hörspiel-Oper zu entwickeln, haben sich die beiden Autoren zusammengetan, um von den endlosen Martern und der immerwährenden Verehrung der Heiligen auf eine fast erotische Weise und in vielen Zungen zu erzählen. Jahr 2000, das Heilige Jahr. Angst vor der Apokalypse, dem Jüngsten Gericht? Papst Johannes Paul II reagiert auf seine Weise: mit einer wahren Heiligenflut. 280 Frauen und Männer hat er seit 1978 heilig gesprochen, 805 zu Seligen erklärt. Mehr haben selbst seine Vorgänger seit 1592 nicht dazu erkoren. Woraus besteht das heilige Wesen? Aus Licht? Gas? Klang? Welche Sprache spricht es? Und zu wem? „7 dances of the holy ghost“ – eine Hörspieloper von Andreas Ammer (Text) und Ulrike Haage (Musik) begibt sich auf Spurensuche. Sie finden zahlreiche Geschichten voll Qualen und Wunder. Das Ränkespiel von Politik und Kirche, einen unerbittlichen Geschlechterkampf, vor allem aber den durch nichts zu erschütternden Mut Einzelner, nicht nach dem Leben zu hungern, sondern nach göttlicher Gerechtigkeit. Ammer und Haage suchen den Anfang. Als das Nichts nicht war, kein namenloses Chaos. Sondern der Eine, umgeben vom Geheul seiner „gottlichen Geister“. Heidnische Schutzgötter – zu Heiligen gezähmt, Helfer gegen die Angst, Hoffnungsspender auf das Sein nach der ganzen Plackerei. „Hör uns heiliger Johannes, heiliger Paulus…“ In Zwiesprache versunken, Gläubige auf ihrem Umweg zum Gehörgang Gottes. Sie brauchen Fürbitter für jede Krankheit, jede Verrichtung, jeden Schmerz, Paten für jeden Tag im Jahr. Doch es geht auch anders: „Hört uns: We´re not afraid to die“. „Ich bin der Mann – eine Wüste, ein Grab.“ Die Lebensstationen der Anwärter auf die Heiligkeit sind reich an Versuchung. Die Geschichte des Heiligen Antonius ist bekannt, jenes Einsiedlers aus der Wüste Ägyptens, durch Schweigen von der Welt getrennt. Er widerstand allem, wurde zum Patron für Korbflechter, Schweinehirten, Nothelfer bei Pest, Lepra und Syphilis. Schlimmeres hatte die Heilige Cäcilia zu erleiden, lange vor ihrer Berufung zur Patronin der Kirchenmusik: ein Bad in kochendheißem Wasser, dem sie unverbrüht entstieg. Danach die Enthauptung, drei Mal schlug sie fehl. Erst drei Tage später starb Cäcilia an ihren Wunden. Das nur, weil sie sich taufen ließ. „Mehr war da nicht.“ „Sie sei heilig“. Die Heiligsprechung, der Mythos um Märtyrer und Musterwesen: Höhepunkt der römisch-katholischen Kirche, besiegelt durch einen bürokratischen Akt auf dem Petersplatz. Würdenträger im prunkvollen Ornat, die alte Heiligenlitanei, der Eintrag des neuen „Diener Gottes“ in das Heiligenverzeichnis – „Decernimus – wir beschließen es“. Und Schnitt. Die Live-Übertragung im Radio, weltweit. Vielsprachig über „Radio-Maria“: Spitzlippiges Latein, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, die Hysterie amerikanischer TV-Prediger. Gläubige im Wahn. Und ganz verschämt, die lüsternen Seufzer angesichts aller Tortur. Unheimlich. Ungeheuerlich. So fremd und nicht von dieser Welt. Doch allgegenwärtig der Breakbeat der Moral, die ätherischen Klänge des Glaubens und Staunens. „7 dances of the holy ghost“ – ein Soundtrack vom deus ex machina dirigiert. Klang werden die Kälte der Kirchen, die Einsamkeit der Wüste, das Fallbeil der Bürokratie, das Verbrennen reiner Seelen, sinnlich, nicht gelehrt. Zerhackt, zerkratzt, zerfetzt vom Echo der Moderne. Sprache dazu, Gesang und Flüstern. Von Knabenchören, Katharina Franck und Ben Becker. Über allem, einem Urklang gleich, die Stimme von Phil Minton -verlorenem Gewisper und anderen Wesen auf der Spur.“ (http://www.amazon.de/DANCES-GHOST-Produktion-H%C3%B6rspiel-Medienkunst/dp/3880300348)