„Tablets allein lösen das Bildungsproblem nicht“

(Bildquelle: http://bilder.augsburger-allgemeine.de)

So lautet eine Schlagzeile auf checkpoint e-learning. Berichtet wird von dem „Hype“, Tablets in die Schulen zu bringen, der Begeisterung seitens der Schüler für die neuen Geräte und der Initiativen von Apple, in diesem Segment Fuss zu fassen. Dabei wird zugleich ein zentrales Problem diagnostiziert: es gibt kaum geeignete didaktisch wertvolle Inhalte für den Einsatz von iPad & Co, auch wenn entsprechende Apps bereits angeboten werden. Die Lösung liegt nach Ansicht des Autors darin, in Kooperation mit Schulbuchverlagen die entsprechenden digitalen Inhalte aufzubereiten und Lehrenden zur Verfügung zu stellen. Hierfür wird auf die Webseite www.meinunterricht.de verwiesen, die diesen Ansatz in Kooperation mit renomierten Verlagen verfolgt. Die Verlage stellen Arbeitsmaterialien online bereit, es gibt kostenlose aber auch Premiumaccounts für Lehrende, die auf eine Bibliothek von Arbeitsmaterialien zurückgreifen und Unterrichtsmaterialien suchen können. Ein virtueller Schreibtisch wird angeboten, der den Lehrenden bei der Planung des Unterrichts Unterstützung bieten soll und alles wird in die „Cloud“ verlagert, so dass alles überall verfügbar ist. Ein schöner Ansatz und vielleicht auch für Interessierte von Bedeutung. Vor allem gefällt mir, dass die bei meinunterricht.de hinterlegten Inhalte auch unter rechtlicher Fragestellung (Copyright) genutzt werden dürfen, was bestimmt die Handlungssicherheit bei den Lehrenden erhöht. Nur frag ich mich: „Braucht man das alles?“
Sicher, gute Materialien sind wertvoll für guten Unterricht. Allerdings gibt es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen beiden Aspekten, wie wohl viele aus der eigenen Lern- oder Lehrbiographie wissen. Jedoch könnten solche Portale wie das Vorgestellte helfen, eigene Ideen zu beflügeln, zu sehen „was machbar und möglich ist“ und „was auch sinnvoll ist“ – sozusagen als „Kreativitätsbooster“. Aber es hängt auch vieles von der jeweiligen Lehrkraft ab, die solche Medien in den Unterricht hinein lässt – oder eben nicht. Und wenn man die Pads als weitere Informationsquelle in den Lehr- und Lernprozess einbezieht, stellt sich die Frage, was man damit eigentlich tun möchte. Eigentlich ist das Internet ja voller Informationen, die genutzt werden könnten. Dabei könnten die vielfältig verfügbaren und abgerufenen Informationen die Individualiltät des Lernens sogar beflügeln… Und es gibt auch Beispiele, dass dies passiert, wie ich jüngst in einem Interview mit der Sängering Björk las. Sie lieferte zum Album „Biophilia“ entsprechende Apps für mobile Geräte, die dazu einladen, mit der Musik zu experimentieren und zu spielen. Und wie sich zeigte, wird jetzt Björk in Island „unterrichtet“, ohne dass es als Lernapp geplant war.
Es hängt also nicht nur von den Materialien ab, sondern auch (und vielleicht viel mehr) von der Bereitschaft und Kreativität der Lehrenden, solche Geräte sinnstiftend und spaßbringend in den Unterricht einzuplanen. Womit an dieser Stelle nicht in Abrede gestellt werden soll, dass ein gutes Unterrichtsmaterial seine Bedeutung verliert. Nur: was heißt in dem Zusammenhang „gut“?

 

8 Gedanken zu „„Tablets allein lösen das Bildungsproblem nicht““

  1. generell bin ich ja lieber gegen als für technik im unterricht (meist geht technik ja schon zu hause mehr als uns lieb sein sollte).
    unter beachtung der unzähligen miserablen und zum teil sinnlosen kopierten zettel, die im ranzen unseres kindes umherflattern hat es aber auch einen gewissen charme.
    unser kind nutzt in schule und hort übrigens computer. zum „spielen“ (lernspiele, hach wie beruhigend)
    wie man das textverarbeitungsprogramm benutzt mussten wir ihr zur realisierung eines kurzvortrages letztens aber zu hause erklären… da staune ich nicht schlecht, da uns die computerräume in beiden institutionen angepriesen wurden.
    die frage muss also wohl wirklich immer lauten WAS damit tun, ich vermute aber, das geht in der allgemeinen technik-euphorie gern mal unter.

  2. och, wenn die Technik einem Sinn und Zweck folgt, hat sie sicher auch Ihre Berechtigung im Schulalltag. Schule soll ja auch auf das Leben vorbereiten. Wäre es nicht etwas lebensfremd, sich hier der Techniken zu versagen? Besser, einen kritisch-reflektierten Umgang damit, als dann der Sprung ins Kalte Wasser. Denn von selbst wird man nicht unbedingt Medienkompetent, wie ich im Alltag leider häufig beobachten kann. Und ich stimme auch nicht der These überein, dass die jetzige „Junge Generation“ aufgrund der Tatsache, dass sie in einer digital dominierten Medienwelt aufwachsen, automatisch zu „digital natives“ werden. Vielmehr, so mein Verdacht, wird es für nachfolgende Generationen aufgrund der Dynamik der Entwicklungen immer schwieriger, hier den Durchblick und die Handlungshoheit zu behalten. Und damit gewinnt wohl auch die Frage medienkompetenten Handelns zunehmend an Bedeutung…

  3. … DAS ist mir hinreichend bewußt – ich habe letztens versucht, meiner tochter ihre lieblingsmusik aufs handy zu laden (und das war noch kein smartphone…)
    aber zurück zum thema – das bedeutet dann wohl, dass medien bewußt von leuten eingesetzt werden soll, die WIRKLICH verstehen, was sie da benutzen. aber wie oft kommt das schon zusammen????

  4. Ich Unterrichte Biophilia seit dem Schuljahr 2014-2015, und ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Technik sehe ich als ein Werkzeug an. Der Ansatz von Biophilia ist Vielschichtig, es verbindet die Fächer, baut viele praktische Spiele fern vom Computer, und stellt den Schüler in die Position das Schöpfers aus seiner eigenen Welt von Erfahrung, Gefühlen und das Verständnis der Welt als ein homogenes Geflecht.

    Ein umdenken oder wenigstens eine Inspiration ist Nötig für das Bildungssystem, Biophilia ist so eine Innovation.

    Seit Ihr Eher noch Neugierig? Wenn ja, schaut es euch mal an.

  5. Das Problem mit Technik und Kids ist leider immer öfter so, dass Kids das Tablet etc. als Spielzeug ansehen, und nicht als Werkzeug!

  6. Das sehe ich nicht unbedingt als Problem, zumal es sicher auch für viele Erwachsene ein Spielzeug ist. Da jedoch auch Lernen gerade über das Spiel bei Kindern erfolgt, nutzen es doch die Technik als Lernwerkzeug. Kommt dann vielleicht doch mehr auf die Spiele an 😉

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