4.1 Was ist Medienkompetenz? (Jonas Wandel)

Einführung

Die Medien sind aus dem heutigen Alltag der Menschen nicht mehr wegzudenken. Sie erfüllen viele verschiedene Funktionen, so dienen sie  beispielsweise der  Information oder auch der Unterhaltung. Neben diesen Funktionen sind die Medien zusätzlich als „Miterzieher“ zu verstehen: Sie beeinflussen, neben zahlreichen weiteren Einflussfaktoren, maßgeblich die Verhaltensweisen und Wertvorstellungen der Heranwachsenden.  Folglich besitzt der fachgerechte Umgang mit Medien eine enorme Bedeutung. Die Fähigkeit zu diesem fachgerechten Umgang mit den Medien wird als Medienkompetenz bezeichnet.

In der vorliegenden Arbeit soll dieser viel verwendete Begriff Medienkompetenz erläutert werden. Zu Beginn soll mit einer kurzen Definition nach Baacke Medienkompetenz näher bestimmt werden. Nach einer kurzen Einleitung zur Begriffsgeschichte werden die Dimensionen der Medienkompetenz nach den Ausführungen der Autoren Baacke und Moser vorgestellt. Abschließend  wird ein Fazit gezogen.

1. Medienkompetenz – Was ist das?

Eine einheitliche Definition des Begriffs Medienkompetenz zu finden gestaltet sich als sehr schwierig. Dies liegt in erster Linie an der Komplexität des Begriffs, für den eine Vielzahl von teils sehr umfassenden Definitionen bestehen. Eine jedoch sehr bekannte Definition stammt vom Pädagogen Dieter Baacke. Nach ihm kann Medienkompetenz als „die Fähigkeit, Medien und die dadurch vermittelten Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv nutzen zu können” definiert werden (vgl. Baacke 1988,1989). Doch was besagt diese Definition? Zum einen sollen alle Arten von Medien vom Individuum gekannt und vor allem auch genutzt werden. Zudem sollen Rezipienten aktiv in der Medienwelt tätig werden und sich in dieser Medienwelt orientieren können. Zuletzt soll eine kritische Distanz zu den Medien und den medialen Äußerungen aufrechterhalten werden.

2. Begriffsgeschichte

Die Anfänge zur Entwicklung eines Medienkompetenzbegriffs liegen in der „sozialwissenschaftlichen und sprachwissenschaftlichen Diskussion um Kompetenz in den 1970er Jahren“ (vgl. Sander 2008: 93), die vor allem von Noam Chomsky und Jürgen Habermas herbei geleitet wurde. Während sich die Sprachtheorie Chomskys vorrangig auf syntaktische Aspekte der Sprache bezieht, übernimmt Habermas den Kompetenzbegriff in sprachtheoretische Überlegungen.   Von zentraler Bedeutung ist dabei der Begriff der „kommunikativen Kompetenz“. Hiermit ist „die umfassende Fähigkeit des Menschen zu verstehen, sich zu verständigen, mittels des Austausches von Symbolen sprachlicher und nicht-sprachlicher Art“ (vgl. Hüther/ Schorb 2005: 257). Der mittlerweile verstorbene Bielefelder Pädagoge Dieter Baacke übernahm den Begriff der kommunikativen Kompetenz in die Medienpädagogik, wo er erstmals in seiner Habilitationsschrift über „Kommunikation und Kompetenz – Grundlegung einer Didaktik der Kommunikation und der Medien“ auftaucht (vgl. Vollbrecht 2001: 53-54). Auch wenn der Begriff der Medienkompetenz hier nicht explizit genannt wird, so nennt die „Rezeptionsgeschichte des Kompetenzbegriffs in der Medienpädagogik“ hier ihren Anfang (vgl. ebd.: 54). So kann Medienkompetenz  als „eine Aktualisierung und zugleich aktuelle Reduktion des Begriffs der kommunikativen Kompetenz“ (vgl. Hüther/ Schorb 2005: 257) zu verstehen sein.

3. Dimensionen der Medienkompetenz

Um den weiten Begriff der Medienkompetenz etwas zu verdeutlichen, versuchten  verschiedene Wissenschaftler zur Schärfung des Begriffs beizutragen. Daraus entwickelten sich die sogenannten „Dimensionen der Medienkompetenz“.

3.1 Dimensionen der Medienkompetenz nach Baacke

Die bekannteste Einordnung von Medienkompetenz in verschiedene Dimensionen stammt von Dieter Baacke. In seiner Ausarbeitung entfaltet Baacke Medienkompetenz in vier verschiedene Bereiche, die in sich noch einmal ausdifferenziert sind:

1) „Die erste Dimension beschreibt die Fähigkeit zur Medienkritik, die sich in einer analytischen, einer reflexiven sowie in einer ethischen Weise kennzeichnen lässt. Damit ist nicht nur gemeint die Medien kritisch zu untersuchen, sondern diese auch kritisch zu nutzen.

2) Die zweite Dimension ist die der Medienkunde, welche das Wissen über heutige Medien und Mediensysteme umfasst. Sie kann in eine informative sowie in eine instrumentell- qualifikatorische Seite ausdifferenziert werden.  Während sich die informative Dimension vor allem mit klassischen Wissensbeständen beschäftigt, geht es in der instrumentell- qualifikatorischen Dimension um die Bedienungsfähigkeit der neuen Geräte.

Die beiden bereits genannten Dimensionen umfassen die Dimensionen der Vermittlung, während die Dimension der Zielorientierung im Handeln des Menschen liegt. Diese unterscheidet sich in weitere zwei Bereiche:

3) Die dritte Dimension meint die Mediennutzung, die einerseits als rezeptiv, anwendend  (als Konsument) zu verstehen ist, andererseits aber auch als interaktiv, anbietend (als Anbieter).

4) Die vierte Dimension, die der Mediengestaltung, ist sowohl innovativ (Weiterentwicklung des Mediensystems) als auch kreativ (Betonung ästhetischer Varianten, das Über-die-Grenzen-der-Kommunikations-Routine-Gehen) zu verstehen“ (angelehnt an Baacke 1999: 34).

3.2 Dimensionen der Medienkompetenz nach Moser

Moser geht bezüglich der Ausarbeitung seiner Dimensionen der Medienkompetenz auf die von Baacke entworfenen Dimensionen ein und kritisiert diese: „Die konkrete Ausformulierung der verschiedenen Dimensionen der Medienkompetenz bei Baacke lässt m.E. deutlich werden, dass diese zu einer Zeit formuliert wurde, als von Computern als Medium noch nicht die Rede war. Zwar versucht der Autor in neueren Veröffentlichungen hier nachzubessern; doch das gelingt nicht immer überzeugend. So stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, das Sich- Einarbeiten in die Handhabung einer Computer-Software unter „Medienkunde“ zu rubrifizieren, geht es doch weniger um ein Wissen über Medien als um die Handhabung eines Instrumentes, mit welchem bestimmte Dinge erledigt werden sollen (Texte verfassen, Daten auswerten, Grafiken zeichnen etc.)“ (Moser 2006: 219-220). Folglich entwickelte Moser eigene Dimensionen der Medienkompetenz, die hier im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen:

1) „Technische Ebene von Medienkompetenz: Technisch als Notwendigkeit, Medien richtig handhaben und die mit ihnen verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten zu beherrschen.

2) Kulturelle Ebene von Medienkompetenz: Kulturell als Vertrauen mit den jeweiligen Codes der Medien sowie mit ihren ästhetischen und gesellschaftlichen Ausdrucksformen.

3) Soziale Ebene von Medienkompetenz: Sozial als Fähigkeit, auf die mit den Medien verbundenen Kommunikationsangebote- und zumutungen sinnvoll eingehen zu können.

4) Reflexive Ebene von Medienkompetenz: „Reflexiv als kritische Vergewisserung der Funktionen der Medien in der Gesellschaft und als Medienkritik.“ (vgl. Moser 1999: 216-217)

Fazit

Medienkompetenz erlangt in der heutigen Gesellschaft eine immer größer werdende Bedeutung. Aufgrund der Komplexität zeigen sich jedoch auch Unterschiede zwischen verschiedenen Individuen im Verständnis sowie in der Ausprägung der jeweiligen Kompetenz.  Dies äußert sich alleine schon in der oben erwähnten Tatsache (Medien als  „Miterzieher“). Hier wird deutlich wie wichtig das Innehaben einer gewissen Medienkompetenz ist um sich selbst und womöglich die eignen Kinder zu schützen. Meiner Meinung nach sollte mit Programmen versucht werden die Medienkompetenz jedes Einzelnen zu schulen und  zu entwickeln, da diese eine mehr als zentrale Rolle im Leben jedes einzelnen Individuums spielt.

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