Studie zum Wandel von Lehre und Studium an deutschen Hochschulen

Auf der Webseite der Hochschulrektorenkonferenz wurde die sogenannte Lessi-Studie veröffentlicht, die sich mit Fragen zum Wandel von Lehre und Studium an deutschen Hochschulen beschäftigt. Insgesamt wurden 8.200 Lehrende befragt, die Auskunft über die an Hochschulen angestoßenen und umgesetzten Reformen gaben. Zwar ist es interessant zu erfahren, dass mehr als die Hälfte der Befragten mit den Veränderungen der Lehre und des Studiums aufgrund der stärkeren Verschulung des Studiums, der Einschränkung der Freiheit der eigenen Forschung und Lehre, der Erhöhung von Beratungs- und Betreuungsaufwände, der curricularen Kontrolle durch Andere sowie fehlender Grundfinanzierung unzufrieden sind.

Spannender finde ich jedoch die Erhebung der Beschäftigungssituationen der Lehrenden an den Hochschulen. So finden sich einige Hinweise im Kapitel 3 „Die Arbeitssituation der Lehrenden“. Demnach sind 14% der Professoren an Unis und 5% der Professoren an FHs befristet eingestellt. Bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern zeigt sich ein gravierenderes Bild: 78% der wissenschaftlichen Mitarbeiter an Universitäten und 55% der wissenschaftlichen Mitarbeiter an Fachhochschulen arbeiten in einem befristeten Verhältnis. Detaillierter Aufgeschlüsselt für die Unis: 79% der Habilitanden  97% (!) der Doktoranden und 59% der sonstigen Mitarbeiter an Universitäten haben befristete Stellen. Auch interessant ist der Verweis auf die Karrieremöglichkeiten an den Hochschulen. Entwickelte sich von 1993 bis 2010 die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter von 84.000 auf 157.000 (ohne die nebenberuflich Lehrbeauftragten sowie die Lehrbeauftragten für besondere Aufgaben!), wuchs die Zahl der Professuren im gleichen Zeitraum um 6.000  auf 42.000 (vgl. Kap 1.2). Trotz der Zunahme der Personaldecke an den Hochschulen gibt es viel zu tun. So arbeiten Professoren der Universitäten in der Vorlesungszeit ca. 57 Stunden (FHs: 51 Stunden). Den wissenschaftlichen Mitarbeitern mit 100% Stellen geht es etwas besser, sie arbeiten in der Vorlesungszeit ca. 48 Stunden/Woche (FHs: 41 Stunden). Auch während der vorlesungsfreien Zeit mangelt es nicht an Beschäftigung, wie die Zahlen der Untersuchung angeben. Gravierend(er) wird es bei Teilzeitbeschäftigten. Hier arbeiten die wissenschaftlichen Mitarbeiter in der Vorlesungszeit 37 Stunden/Woche (FH: 30 h/Wo). Ein Zweitjob zur Ausfinanzierung und Absicherung des Unterhalts dürfte dann nur schwer zu realisieren sein…

Da stellt sich die Frage, wie sich diese Arbeitsverhältnisse auf die Forschungs- und Lehrqualität auswirken, insbesondere, wenn Lehre noch immer im Schatten der Forschung vor sich hin vegetiert und auch in der Forschung die eigene Qualifikation in den Vordergrund rückt um nicht aus dem System zu fallen. Nur, wie misst man Qualität…

Link zur vollständigen Studie: http://www.hrk-nexus.de/uploads/media/HRK_nexus_LESSI.pdf

 

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