PeterLicht – Melancholie und Gesellschaft (2008)

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Der Ruf zum Aufbruch wie er schöner nicht sein kann, schrieb ich 2006 über PETER LICHTS Album „Vom Ende des Kapitalismus“. Zwei Jahre sind seitdem vergangen und nun liegt das neue Album „Melancholie und Gesellschaft“ auf meinem Tisch. Ein schwarz-weiß Bild blickt mich an, aufgenommen in einer namenlosen Stadt mit namenlosen Menschen, deren Gesichter durch grell-bunte Punkte verdeckt sind. Sie wirken statisch, wie Streichhölzer, die mit ihren schweren Zündköpfen versuchen das Gleichgewicht zu halten.

Nicht mehr Aufbruch und der weite Blick auf den Horizont gerichtet, immer der Sonne entgegen; Rückzug ist das Thema der Platte. Die Stadt ist gut wenn man sie von außen brennen sieht… Komm laß uns aufs Land gehen, laß uns nach den Sternen sehen… Dort die Wahrheit suchen, dem Wahnsinn der Stadt und der Gesellschaft entfliehen, weil man sich unwohl fühlt, in ein Räderwerk fällt und Gefahr läuft unter die Räder zu kommen… Weiß ich doch nicht wie ich in diesen Plot geraten bin… Den Kopf oben halten ist dann die Devise. Mitschwimmen soll nicht, geht nicht und will nicht. Manchmal muss dann der Platz geräumt werden… Der Raum ist voll doch keiner ist da, wer stört fliegt, raus raus raus, stören und fliegen und Räume räumen, hier muß ich nicht sein, hier möcht ich nicht mal fehlen… Rückzug ohne Tränen aus der gelebten Gleichmacherei, der egomanischen Ich-Bezogenheit und danach die Sintflut, raus aus der Missgunst und der Nackenschläge… Das Marketing hat noch nicht begonnen für diesen Tag, die Vergeltungsschläge kommen ja erst gegen Mittag bis dahin hamm wir noch was Zeit um alte Schulden heimzuzahlen oder Quittungen zu ordnen oder Ordner anzulegen oder Völker zu verwünschen oder Fahnen zu verbrennen…
Der Titel „Melancholie und Gesellschaft“ des neuen und vierten PETER LICHT Albums hält den roten Faden aufrecht, die Gesellschaft, ihren Wahnsinn und ihren fatalen Weg zu durchleuchten und gekonnt zu kritisieren ohne den Zeigefinger zu erheben… Bitte…liebe Medienschaffende/liebe Bilder- und Plakatschaffende…Bitte nie mehr Sexualität zeigen, bitte nie mehr und nirgendwo, in Zusammenhang mit euren Produkten bitte nie mehr Haut und nie mehr Po bitte Licht ausmachen und schweigen… Melancholisch kann man allzu leicht über diesen Zustand werden, doch PETER LICHTS Optimismus verlässt ihn auch auf dieser Platte nicht und schimmert immerhin noch ein wenig in seinen Textzeilen durch…nach vorn! nach vorn! die Zukunft leuchtet schon… Die PETER LICHT typische Weise an Themen heranzugehen ist vertraut, wie bei dem Song „Trennungslied“, der am Ende unweigerlich ein Schmunzeln hervor ruft… Mirijam hat niemanden, den sie verlassen kann, also trennt sie sich von sich, warum auch nicht…
Das Schmunzeln ist ein Lichtblick in PETER LICHTS neuem Album „Melancholie und Gesellschaft“. Die Lieder sind leiser und die Stimmung ist Moll. Dort wo einst mit einem Lächeln in der Stimme der Aufbruch besungen wurde, hängt eine Träne auf den Stimmbändern und eine Falte auf der Stirn. Die Sonne hat ausgeleuchtet… Der Sommer ist aus und du fährst nach Haus… Die verspielten elektronischen Klangelemente, die sich auf „Lieder vom Ende des Kapitalismus befanden“ sind verschwunden, Gitarre, Klavier und Geige bestimmen das Programm, minimalistisch und direkt geht es „Zurück an den Anfang“ und das auch textlich in dem emotional stärksten und persönlichsten Lied „Dein Tag/Reise zurück an den Anfang“ …die Sonden, die Maschinen, die Infusionen, die stellen wir ab …Und dann dreht sich das Segel, und ein neuer Wind kommt auf…
Zwischenmenschliche Abschiede und Anfänge, sich der gesellschaftlichen Masse entfremdet fühlen und von Außen den Menschenstrom mit all seinem Wahnsinn beobachten, den desillusionierten Städter zieht es aufs Land, dort wo die Sterne leuchten. Der Rückzug ist ein Auszug, eine Suche nach mehr Menschen, die Menschlichkeit leben, nach geliebten Menschen, die wir verloren glaubten und wiederfinden. Und da ist er wieder der Aufbruch, diesmal jedoch in Person des PETER LICHT selbst.
Komm laß uns aufs Meer fahren, laß uns nach den Inseln sehn, laß uns gehn und sehn wer dann noch kommt, das Meer ist weit und weit und weiter, weit und breit kein Mensch mehr da, von allem ist genug, und wir müssen frei sein, wir müssen mit unsrer Liebe sein… (Mandy Fox)“ (http://www.canape-sendung.de/content/view/122/52/)
http://www.peterlicht.de/ –  Homepage von PeterLicht

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