Johnny Cash – American IV: The Man Comes Around (2002)

Ein ziemlicher  Brocken, den Cash hier in seinen letzten Schaffensjahren der Welt geschenkt hat. Dunkel, schwer, alt aber auch erhaben, würdig, klar. Es war eins der ersten von bislang wenigen Alben, die mich von Johnny Cash beeindruckte. Irgendwie ist es ein Fazit eines Mannes, der viel erlebt hat und seinen Ego keinem beweisen muss. Warum auch? Er hatte genauso viele Chart Hits wie Beach Boys oder die Stones und 38 Jahre in Folge mind. zwei Singles in den Country Charts vertreten (Quelle). 

Und zugleich eine Hommage an Songs und/oder Bands, die ihn wohl beeindruckten. Seine Interpretationen von Depeche Mode, Simon & Garfunkel, Sting,  Nine Inch Nails u.a. sind es an sich schon wert, sich die CD etwas genauer anzuhören. Vielleicht ist es auch eine Hommage vieler Künstler an Chash, die sich auf dem Album die Klinke in die Hand geben, um mit ihm einen Song aufzunehmen (z.B. John Frusciante, Nick Cave, Fiona Apple uvm.). 

Beschäftigte sich Solitary Man noch mit dem Ende, dem Tod, geht Johnny Cash hier weiter und beschreibt die Erlösung, das Leben. 

Ein starkes Stück!

Drome – The Final Corporate Colonization Of The Unconscious (1993)

Wow. 23 Jahre alte Scheibe. Und gefühlt nicht veraltet! Mit Drome dekliniert Burnt Friedmann die Spielarten des Downtempo auf  durch und geht dabei natürlich seine eigenen Wege. Damit verbunden: 2 Effekte. 1. Es klingt wieder sehr eigen, sehr durchdacht und handwerklich ausgezeichnet. 2. Es ist, wie die meisten Sachen von Friedmann, deutlich unterschätzt und auch unbekannt geblieben. Elektronische Kombinationen von Dub, Reggae, Hip-Hop, House und Jazz, Musique Concrète und Technoversatzstücken. Schöne Titel wie „Hinterland, Kassler Kessel“ „Hoax! What did you got?“ oder „Nuzzling“ machen schon neugierig, was da wohl zusammenkombiniert wurde und die Stimmensamples, die ich schon bei Some More Crime verehre, werden auch hier atmosphärisch, fast beiläufig eingesetzt und bieten eine gute Schanze, eigene Geschichten aus den losen Sätzen zu ersinnen. 

Ich sollte mal schauen, was Burnt Friedmann aktuell so treibt (leider ist Jaki Liebezeit, mit dem er manch gutes Album erspielte, ja jüngst verstorben 🙁 )

 

 

Kapelle Petra – The Underforgotten Table (2016)

Ich mein, es ist schon was Besonderes, neben dem üblichen Klangkörper auch eine Bühnenskulptur offiziell als Bandmitglied zu führen. Oder besser andersrum: Ein Bandmitglied als Bühnenskulptur. Aber „Gazelle“ ist ein wichtiger Teil von Kapelle Petra, den „Ja-Sagern“ aus Hamm. Mit diesem Album machen sie sich auf, die Welt aus ihrer Perspektive zu durchdrucken, aufzumischen und vielleicht ein bisschen zu verbessern. Begeisterten mich früher ihre Spaßnummern wie „Curly Sue“ oder „Gewitter“, sind es auf The Underforgotten Table durchaus Songs, die sich z.T. kritischer und tiefer mit den Phänomenen unserer Zeit auseinandersetzen. Dennoch behält Kapelle Petra das Markenzeichen bei, ihre Anmerkungen zum Leben im Allgemeinen und Besonderen mit einem Augenzwinkern, mit Ironie und Selbstkritik vorzutragen. Und so machen sie auf diesem Album nicht nur wieder Spaß, sondern haben auch was zu sagen. Eine Kombination, der man doch ganz gut zuhören kann…

SCSI-9 – Metamorphosis (2012)

Die beiden russischen Produzenten haben ein Händchen (oder Öhrchen?) für die Feinheiten und Nuancen der Töne und Melodien, die so ziemlich in jeder Lebenslage funktionieren. Träumen auf dem Sofa, Kilometerschrubben auf der Autobahn, Blick aufs Lagerfeuer oder der letzte Tanz, bevor der Club schließt: irgendwie scheint es immer zu passen. Minimal, rhythmisch, klar… Mal sehen, wann diese Musik morgens bei Deutschlandfunk Kultur im Hintergrund zu hören ist. Ein „must hear“ 

Cinerama – Disco Volante (2000)

Reinhören

Was tun, wenn sich eine Band wegen eines Beziehungskrachs auflöst, aber Musik das Lebenselexier der Musiker bedeutet? Nun, einfach unter neuem Namen weitermachen und davon singen, wie schlimm alles ist. Nach dem Zusammenbruch von The Wedding Present singt sich David Gedge mit Cinerama durch zahlreiche Hommagen an eine (echte?) Freundin. Zwar fehlen auch diesem – wie wohl fast allen Alben von Gedge – die Nr. 1 Hits, aber seine Songs schaffen sich auf ihre eigene Weise Zutritt.  Sie gefallen, treiben an, geben Mut, aber sie zerfallen auch mit dem Ende des Albums. Übrig bleibt ein schönes Gefühl und das Unwissen, was man da eigentlich gerade gehört an. Also: Nochmal hören. Einfach zeitloser und wunderschöner Pop. 

 

DJ Koze – Amygdala (2013)

Reinhören

Die Amygdala, so belehrt mich Wikipedia,  “ spielt allgemein eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren: Sie verarbeitet externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen dazu ein“ (Quelle). Stefan Kozella ist ja immer wieder für einen Spaß zu haben aber manchmal war es mir doch auch etwas „too much“. Daher tat ich mich auch schwer, das neue Album von ihm gleich begeistert aufzunehmen. Ein Gag funktioniert ja meist nur einmal, dann ist die Luft raus (außer bei seinen Projekt „International Pony“! :-)) Wie auch immer, Amygdala ist durchaus ein „klassischer Koze“. Wieder werden Sounds von oder mit anderen verbraten, nachdem sie auf Irr- und Umwegen im immateriellen Kosmos von DJ Koze umherrirrten, um dort immer an Konzentrat zu gewinnen und sich in fast neuem Gewand zu präsentieren. Mit von der Partie (Party?) sind Caribou, Apparat, Matthew Dear, Dirk von Lowtzow, Milosh oder auch Hildegard Knef (!). Gerade bei letztgenannter ist der Song eine echt hingebungsvolle Hommage, der eigentlich das Original sein könnte. Amygdala, so merke ich, greift behutsam aber nachdrücklich mein emotionales  Ich an. Guter Titel, gute CD. Geht immer wieder und überalle: Beim Essen und Talken, beim Autofahren und Tanzen, aber auch zum Entspannen. 

Peaches – I Feel Cream (2009)

Das Cover lügt nicht: Peaches goes Disco!? Den Dancefloor hat sie ja sicher schon erobert, aber nun kommt Glitzer und Lametta ins Haus und sie läuft damit Madonna durchaus den Rang ab.  …oder macht ihn ihr zumindest streitig. Für ihr viertes Album wühlt Peaches tief in der Kiste des Electroclash und arbeitet mit einigen Größen wie Soulwax, Simian Mobil Disco, Gonzales oder Drums of Death zusammen. Und eigentlich ist dieser Griff zur Discokugel, nach einer gefühlten halben Ewigkeit als Rock-Trash-Power-Queen, eine logische Konsequenz und Fortführung des Stils. Denn der ist doch eigentlich, sich selbst treu zu sein und keinen Konventionen zu unterwerfen. Und wenn die Lust auf Disco kommt, dann darf man dieser auch ungeniert nachgehen.  Ist damit die „Rrrriot-Girl-Phase“ durch? Na, nicht ganz. Nicht nur, dass das auf „I Feel Cream“ folgende Album wieder ganz andere Töne von sich gibt, auch auf dem Discoalbum findet Peaches ihre „Feuchtgebiet“ und bekennt „I’m a stage whore / I command the floor„, was man ihr glauben darf…
In diesem Sinne: Licht aus – Spot an!

Frittenbude – Nachtigall (2008)

Ravepunk mag ich ja seit der akustischen Begegnung mit Saalschutz. 110% Energie und gute Laune vertreiben Trübsinn und Schwere an grauen Tagen. Frittenbude aus München  haben davon jede Menge im Gepäck und seit ihrem legendären Auftritt auf dem Parkplatz vor dem Melt! Festival bewiesen, dass sie es mit dem Spaß auch wirklich ernst meinen. Luftige Melodien auf schweren „Basslastern“ graben sich vor zur „Hirndisco“ von „Superschnitzelkönig und Superschnitzelqueen“, während Frittenbude ruft: „Wir suchen ein Label mit Knebelvertrag, dass uns komplett in Verruf bringt““ Derartige Wortschöpfungen zeigen, wohin die Reise bei Frittenbude geht. Bleibt nur noch die Frage für ich offen, ob sie die ersten mit den Pandabären waren und dieses Tier in die Szene einführten…? 

Spam-Spaß

Spam ist lästig – und manchmal auch lustig. Sicher hat jeder schon obskure Angebote erhalten, Geld von irgendwoher zu bekommen, weil ein die Tochter des Schwippschwagers eines nahen Verwandten des Chaffeurs eines Ölmultis… Naja, lassen wir das. Die Storys sind oft wild, die Übersetzungsmaschinen tun ihr übriges.

Jüngst erhielt ich einen wirklich überdurchschnittlichen Spam hier im Blog, den ich gern teile. Unglaublich, was sich die Leute so einfallen lassen, damit man sich Viren oder anderes auf den PC lädt. (Die URL hab ich übrigens selbst unbrauchbar gemacht, nicht dass hier jemand noch versehentlich Schadsoftware runterlädt :-).

Author: Angela Merkel Jugend Naktfotos Leak (IP: 37.58.58.7, 37.58.58.7) Email: JaqXXXXBailXXXX@gmx.net URL: https://files.XXXXbox.moe/dyn3nc.zip Comment: Ach du Scheiße, wasn hier los…? Da hat n Hacker NAKTBILDER von Kanzlerin ANGELA MERKEL in deinen Blog hochgeladen! Wie geht das denn man? Wasn FETTER Leak! Fotos guckst du hier: https://files.XXXXbox.moe/dyn3nc.zip (habe dir den Link mal geshortet, damit es nicht ganz so offensichtlich ist, dass die Fotos auf deinem WordPress gehostet werden. Einfach Runterladen und Extrahieren !!! Kannst alles sehen… ALLES ! Von UNSERER deutschen Kanzlerin ! Ist KEIN Witz ! Sogar 1 Fotos ist dabei, wo sie nur 19 Jahre alt ist (Passwort für dieses ganz spezielle Foto lautet: 123). Die war sogar sexy damals, was man heute leider ja nicht mehr sagen kann. LOOOOL…

Human Don’t Be Angry – Human Don’t Be Angry (2012)

Der Albumtitel erinnert schon ein wenig an „Don’t Panik!“ aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, oder?  Und das Cover passt so gar nicht zum Titel und beunruhigt zumindest mich dann doch ein wenig… Aber: „Keine Panik“ 😀 „Human don’t be angry“ ist eine versteckte Perle im Musikgeschäft: Wer sie beim Tauchen in den Tiefen der Musikveröffentlichungen nicht findet, ist nicht traurig. Aber der sie findet, dem könnte das Herz etwas höher schlagen.  Malcolm Middleton, der sich hinter dem Projekt verbirgt, rettet die 80er Jahre der elektronischen Musik ganz geschickt in unser Jahrzehnt herüber, ohne dabei nostalgisch zu werden oder sich über die simplen Klänge dieser Musik zu amüsieren. Eine bunte Gemengelage von Computergeblubbel, 8-bit Stimmen, Vocodergeschredder  und derlei Späßen. Middleton (sonst als andere Hälfte von Arab Strap aktiv) hat das Händchen, schöne, warme und zurückhaltende Melodien aus diesen Sounds zu basteln. Assoziationen zu AIR finde ich nicht irgendwie passend, Noah And The Whale könnten derartige Musik gemacht haben, würden sie sich dem elektronischen zuwenden (wobei dann der schöne Gesang fehlen würde – dann lieber doch nicht!) und bei Mike und Rich finden sich ebenfalls nicht nur Parallelen zum Cover.

Human Don’t Be Angry ist bereits Middletons sechstes Album unter diesem Pseudonym. Ich muss mir doch mal die anderen anhören….

Bemerkenswert ist auch das Video „1985“. Eine schöne Idee, ein Familienspiel als Grundlage für einen actiongeladenen Wettkampf zu nehmen, inklusive der „Replay“ Einblendungen aus den 80er Jahren und Stereovideobild – vorausgesetzt, man hat noch die lustigen Brillen mit roter und grüner Folie.

eine digitale Sammelmappe