Luomo – The Present Lover (2003)

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„…um es vorwegzunehmen: Diese Platte verdient Beachtung. Das merkt man, sogar ohne gleich in die Tiefe gehen zu müssen. Luomo ist mit „The Present Lover“ ein ziemliches Meisterwerk gelungen. Schön warmer Deep House breitet sich aus, dazu wird gesungen, von der Liebe, sehnsüchtig und erhaben.

Auf dem Dancefloor wird diese Musik zweifellos bestens funktionieren – sind ja auch großartige Hymnen. Luomo weiß genau, was ein perfekter Popsong ist, genauso, wie man einen kickenden House-Track schreibt. Aber auch zu Hause am heimischen Herd funktioniert die Nummer. Vorstellbar zum Beispiel auf dem Sofa mit ein paar guten Kopfhörern oder sonntagmorgens in den legendären Federn. Hier schlummert ein echtes Konsens-Album, dessen Musik vor Referenz strotzt, ohne sich auf einen Retro-Sound festzulegen, ohne die Achtziger, den Synthie-Pop oder die Anfänge von House adaptieren zu wollen oder zu müssen. (…) Luomo ist ein Künstler, dessen Werk viel Fläche für eine intellektuelle, verkopfte Auseinandersetzung bietet. Mit akademischen Analyse-Techniken und dem passenden Wortschatz wird die Musik, die er oder verwandte Künstler produzieren und die mit dem Begriff „Clicks’n’Cuts“ ihre Zuordnung gefunden hat, zur Philosophie aufgebauscht. „Sampling“, „Bricolage“, „Postmoderne“, was da über Musiker erdacht und geschrieben wird, liest sich so, als habe hier jemand nicht bloß ein paar gute House-Tracks geschrieben, sondern vielmehr das passende Werkzeug gefunden, um die Zerrissenheit der heutigen Gesellschaft darzustellen. Jeder Soundtüftler ein neuer Adorno. Solche Kritiken erinnern an die Hochzeit der „Cultural Studies“, als britische Akademiker mit wissenschaftlichen Mitteln die Entstehung von Punk oder die Musik der karibischen Migranten in Großbritannien erforschten. Vieles machte da Sinn, vieles war interessant, aber vieles war auch überspitzt und überinterpretiert. Im Endeffekt ist es so: Popmusik, das ist ein Haufen großartiger Songs. Nicht mehr und nicht weniger. Popmusik ist nicht das Leben, sondern nur ein (sehr schöner) Teil davon. Und manchmal gibt es Tage, an denen man unzählige gute oder schlechte Gründe findet, warum man sich keinen Deut um Popmusik scheren sollte. Und dann kommen ganz sicher auch wieder Zeiten, wo man einfach nichts Besseres tun kann, als im Bett zu liegen, um sich die wunderschönen Liebeslieder auf der neuen Luomo-CD anzuhören.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23030216/luomo_the_present_lover)

http://www.luomomusic.org/ – offizielle Homepage

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