Führschein für Erstsemester

Der Kampf um Studienbewerber an deutschen Hochschulen nimmt zu. Und so lockt die eine oder andere Einrichtung auch mit einem netten Angebot für Erstsemestler, wenn sich diese bei Ihnen einschreiben. Sei es ein iPad, Büchergutschein oder Begrüßungsgeld. Die Universität Witten/Herdecke wirbt Neuankömmlinge nun damit, dass diese die Fahrstunden für den Führerschein bezahlt bekommen, wie eine Pressemitteilung der Uni bekannt gibt. Dies soll, so der Präsident der Universität, die Mobilität und Flexibilität der zukünftigen Führungskräfte erhöhen. Mit Blick auf die ökologischen Entwicklungen eine vielleicht fragwürdige Aktion. Aber auch ökonomisch (steigende Benzinpreise, Anschaffungs- und Haltungskosten für Autos etc.) sind die Folgekosten nicht zu unterschätzen. Interessanter wird es jedoch, wenn die Bürgermeisterin (Sonja Leidemann (SPD)) der Stadt zitiert wird, die diesen Vorstoß auch noch lobt, da diese Aktion die Autostadt Witten stärkt und den öffentlichen Personennahverkehr entlastet!?!? Hier scheint der Nahverkehr wohl noch richtig zu boomen, wenn dieser durch PKW-fahrende Studierende entlastet werden muss. Anderernorts stirbt er ja genau deshalb, weil viele einfach auf das Auto umgestiegen sind – mit gravierenden Folgen für die Infrastruktur der Städte und Gemeinden. Insofern kann ich der Kritik der Studierenden der Universität gut zustimmen: „’Wir bemühen uns seit Jahren, die Uni grüner zu machen‘, sagt etwa Alexander Spinola von der studentischen Initiative ‚Grüne Verantwortung‘. ‚Da pflanzen wir extra eine Obstbaumalle mit heimischen Baumarten, installieren erst kürzlich eine Solaranlage und nutzen Ökostrom – und dann entwickelt die Uni ein solches Konzept, anstatt beispielsweise allen Erstsemestern Fahrräder zur Verfügung zu stellen. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller umweltbewussten Wittener Studierenden.’“ (Quelle) Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nachtrag vom 25.5.12: Wie mir aus der Universität mitgeteilt wurde, handelt es sich bei der Pressemeldung um einen 1. April Scherz (hier nachzulesen: http://lars-kilian.de/?p=5440#comments). Dem bin ich gut aufgesessen …und erleichtert, dass es ein Aprilscherz war. 🙂

2 Gedanken zu „Führschein für Erstsemester“

  1. Lieber Herr Kilian,
    auch wenn es tatsächlich der Anspruch unserer Universität ist, Führungspersönlichkeiten für die anstehenden ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu qualifizieren, so ist die von Ihnen zitierte Pressemeldung vom 1. April natürlich im Modus der Ironie geschrieben und nicht ganz so ernst gemeint. Wir haben uns nur einen kleinen Schabernack erlaubt;)

    Mit besten Grüßen

    Universität Witten/Herdecke

  2. Ohohohoh,
    da bin ich doch glatt mal reingefallen! Zu dumm, dass ich die Pressemeldung nicht mit Blick auf den 1. April gelesen habe, da ich diese doch etwas verzögert wahrgenommen habe und der 1. April 2012 schon Geschichte ist.
    Aber ich möchte Ihnen sagen, dass es mich ungemein freut, dass Ihre Universität hier Witz und Ironie beweist – und das auch noch wunderbar glaubwürdig in eine Pressemeldung fasst. Ist das ein Beispiel für virales Marketing? 🙂
    Und natürlich freut es mich, wenn Ihre Universität den Schritt zur Autostadt nicht mitgestaltet und der öffentliche Nahverkehr auch weiterhin von Studierenden Ihrer Einrichtung frequentiert wird.
    Auf weitere gute Kooperation und Kommunikation mit den besten Grüßen aus Kaiserslautern
    Lars Kilian

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