Archiv der Kategorie: Webfunde

Jürgen Habermas „digital und frei“

(Quelle: https://www.blaetter.de/sites/default/files/aktionen/Ebook/Habermas_Ebook_frame.png)

Auf der Webseite „Blätter für deutsche und internationale Politik“ (www.blaetter.de) finden sich anlässlich des 85. Geburtstages sämtliche Texte von Jürgen Habermas, die in den „Blättern“ von ihm und über ihn herausgekamen. Weitere Beiträge von Okar Negt, Ulrich Oevermann, Klaus Günther uvm. Das schöne ist, dass die Blätter frei verfügbar sind und digital aufbereitet wurden. Es bigt ePub, mobi und pdf-Versionen der Texte, so dass diese wunderbar auf den Lesegeräten in der Urlaubszeit mitgenommen werden können, um sich in die Gedanken von Habermas einzulesen.

Für Interessierte hier der Link zur Seite: https://www.blaetter.de/ebook-habermas

Soft Skills entscheidend in der Personalgewinnung bei Weiterbildungsanbietern

Im wbmonitor 2014 wurde der Frage nachgegangen, wie die Personalgewinnung bei Weiterbildungsanbietern ausschaut. Hintergrund ist, so die Autoren, dass das Weiterbildungspersonal eine entscheidende Rolle zukommt, wenn es um die Weiterbildungsqualität geht. Zugleich ist der Zugang zur Lehrtätigkeit in diesem Sektor nicht reglementiert und nur wenig professionalisiert. Daher scheint es interessant, die Rekrutierungskriterien der Weiterbildungsanbieter bei der Auswahl von Lehrenden genauer zu untersuchen. Das Ergebnis in Kürze: Die Soft Skills der potentiell Lehrenden sowie ihre Passung zur Einrichtung wird ein höherer Wert zugeschrieben, als den pädagogischen Qualifikationen.

Die Personalstrukturen, so zeigt die Untersuchung, ist für Deutschland atypisch. Nur ca. 1/3 der Beschäftigten sind bei den Anbietern angestellt, während die übrigen Mitarbeitenden auf Honorarbasis (ca. 60%) oder im Ehrenamt  (ca. 6%) tätig sind. Hingegen bereitet ca 50% der Anbieter die Personalgewinnung Schwierigkeiten, die bei Privatanbietern durch bessere Bezahlung z.T. abgefedert werden soll. Dies hat insb. bei öffentlichen Trägern zur Folge, dass nicht alle gewünschten Weiterbildungsthemen angeboten werden können. Interessant ist, dass einmal gewonnenes und bewährtes Personal offenbar relativ problemlos gehalten werden kann und diese nur selten den Anbieter wechselt.

Da der Weiterbildungsbereich nur einen geringen Grad an Professionalisierung aufweist und der Zugang zu einer Lehrtätigkeit im Gegensatz zu anderen Bildungsbereichen wie z.B. allgemeinbildenden Schulen kaum reglementiert ist, ging der wbmonitor der Frage nach, welche Auswahlkritierien die Anbieter bei der Rekrutierung von Personal nutzen. Bemerkenswert: Pädagogische Kompetenzen kommen erst an achter Stelle, noch nach den Fachkompetenzen. Dagegen dominieren Sozialkompetenzen, Loyalität ggü. dem Arbeitgeber u.ä. Skills. D.h., dem  Weiterbildungsanbieter interessiert die fachliche und pädagogische Eignung der Lehrenden erst in zweiter oder dritter Linie. Vorrangig sollte eine Passung zwischen Lehrenden und der Organisation bestehen, die zu einer Einstellung führt.

Quelle: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a22_wbmonitor_ergebnisbericht_umfrage_2014.pdf, S. 15
Quelle: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a22_wbmonitor_ergebnisbericht_umfrage_2014.pdf, S. 15

Inwiefern solche Skills für die Bewältigung der Anforderungen wohl ausreichen? Oder lassen sich die Ergebnisse dadurch erklären, dass die Weiterbildungsanbieter von einer fachlichen und pädagogischen Eignung schlichtweg vorab ausgehen und damit die organisationale Passung an Bedeutung gewinnt?  Deutlich mach die Untersuchung zumindest: Soft Skills sind wichtig für einen Zugang zum Arbeitsmarkt in der Weiterbildungsbranche.Aber ob damit eine „Abwertung der Pädagogik“ einher geht…?

 

 

 

 

 

 

Link zum wbmonitor 2014: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a22_wbmonitor_ergebnisbericht_umfrage_2014.pdf

 

T-Book – Alter Wein…?

Quelle: http://www.t-book.audio/press/thumb/IMGP0430.JPG

Die TU-Chemnitz hat das „T-Book“ vorgestellt. Das T steht für Ton – also die Verbindung von Audio und Printmedium. Auf der Webseite wird es als evolutionärer Schritt dargestellt, jedoch denke ich, dass es gar nicht sooo neu ist. Ich erinnere mich an Kinderbücher, denen eine sogenannte Schallfolie beigelegt war, die auf dem Plattenspieler der Eltern wiedergegeben werden konnte. Modernere Versionen sind z.B. die tiptoi Bücher Bücher, die mittels speziellem Lesestift weitere Audioinformationen für die Lesenden bereithalten (das da mehr möglich wäre, hatte ich mal mit Ravensburger diskutiert, aber der Verlag hatte nicht so viel Interesse an einer „erweiterten Funktionalität“ der Bücher).

Neu hingegen bei T-Books ist das Produktionsverfahren, dass dann die Audiowiedergabe ermöglicht. Es wird kein weiteres Lesegerät benötigt und die Technik bindet sich smart ins Buch ein. Beim Umblättern werden die Sounds eingespielt bzw. ausgeblendet. Ein schönes Beispiel liefert die Aufbereitung des 2015er Katalogs des World Press Photo Awards, das ich an den Blogbeitrag gepackt habe.

Ob es sich jedoch durchsetzen wird? Immerhin könnte ich bei einem E-Book ebenfalls problemlos die Audiodateien einbinden und wiedergeben lassen. Das alles mit HD-Bildauflösung, Kopfhöreranschluss oder Ausgabe über die Lautsprecher des Tablets, hoher Audioqualität oder, falls nötig, austauschbaren Audiodateien uvm…

Mehr Infos unter http://www.t-book.audio/

Einen Einblick in das T-Book für die World Press Photo Veröffentlichung gibt es auf youtube

„Die Eulen sind nicht, was sie scheinen“ – Systemik & Twin Peaks

Bildquelle: http://www.davidlynch.de/Owl.jpg

Ein Satz, der in der Serie Twin Peaks von David Lynch immer wieder aufblitzt, lautet „Die Eulen sind nicht, was sie scheinen.“ Das Netz ist voll von Theorien und Hypothesen zur Bildsprache und den Texten der Serie, die teilweise amüsant und/oder spannend sind. Interessant hingegen ist ein Beitrag von Christoph Lorenz, der die ästhetische Codierung autopoietischer Strukturen und Prozesse am Beispiel von Twin Peaks aufzeigt. Unter Verweisen auf einzelne Episoden, Szenen und Sequenzen der Serie arbeitet er Themenfelder wie „System/Umwelt“, „Spiegelung“ oder „Zirkularität“ ab, die nicht nur für den interessierten Systemiker spannend sind, sondern – zumindest mir – wieder verdeutlichen, welchen Wert und welche Bedeutung der systemische Ansatz in der (Sozial-)Forschung spielt. Ihre Arbeit ist vergleichbar mit dem Ansinnen von Special Agend Dale Cooper, der versucht, im System Twin Peaks den Mord an Laura Palmer (mit spannenden Methoden) zu lösen. Empfehlenswert – die Serie und der Text 😉

Zum Text geht es hier lang: http://www.davidlynch.de/tpkonstrukt.html

Heute ist Europawahl!

Bildquelle: http://www.europaplakat.de/index.php?rex_img_type=slider&rex_img_file=europaplakat_entwurf-16_800px.jpg

Ohne für eine Partei werben zu wollen möchte ich aber an der Stelle nochmal auf den heutigen Europawahltag hinweisen. Grund dafür ist nicht nur, dass die Wahl wichtig ist, sondern ich stolperte jüngst über einige Plakate zur Europawahl, die doch angenehm anders sind. Sie stehen nicht für eine Partei, aber für die Bedeutung des Wahltags. Die Bundesregierung lobte einen Plakatwettbewerb für die Europawahl aus und die Osnabrücker Studentin Verena Föcke aus der Projektgruppe „Visuelle Medien“ gewann den Wettbewerb mit dem hier dargestellten Plakatentwurf, der wohl auch in verschiedenen Regionen zu sehen gewesen sein dürfte. Dazu darf ich gern gratulieren.
Jedoch gab es über 70 Einsendungen und auf der Webseite http://www.europaplakat.de/ können weitere, meines Erachtens durchaus gelungene Entwürfe, in der Galerie und im Bereich Download bewundert werden. Vielleicht überzeugen ja die Plakate noch, den Weg zur Wahlurne auf sich zu nehmen? Das wäre doch eine gute Wahl… 🙂

Webtracking Report und Hilfsmittel zum Schutz vor Webtracking

Das Daten einen hohen Wert haben, ist nicht erst seit den jüngsten Skandalen um Datensicherheit, Überwachung und Sammlung bekannt. Daten erfreuen sich schon lang großer „Beliebtheit“, sofern man was damit anfangen kann. Verbraucherdaten, die man beim Surfen ganz nebenbei im Netz hinterlässt, sind für Unternehmen ein Rohnstoff, den sie gern nutzen. Hierfür gibt es im Netz mitlerweile verschiedene Web-Tracking System, die sich mehr oder weniger heimlich auf dem PC umschauen oder das Surfverhalten analysieren. Der Nutzer bekommt davon nichts mit. Da die Systeme auch webseitenübergreifend arbeiten, können sie so ganz gut entsprechende Verbraucher- und Nutzerprofile erstellen. Damit ist es möglich, Auskünfte über Einkaufsgewohnheiten, Bildungs- und Familienstand uvm. zu erhalten, die dann weiterverwendet werden. Mitarbeiter des Fraunhofer SIT haben über 1600 der beliebtesten Webauftritte in Deutschland analysiert und dort die Web-Tracker unter die Lupe genommen. Was da wie im Netz gesammelt wird, wurde im Web-Tracking-Report 2014 beschrieben und liegt kostenlos auf der Webseite der Fraunhofer bereit.

Darüber hinaus, und das dürfte wohl besonders interessant sein, bieten sie ein Werkzeug an, das vor vielen Webtrackern schützt. Durch eine so genannte Tracking-Protection-Liste, die ebenfalls kostenfrei zum Download bereitsteht und in den Internet Explorer (ja, Microsoft hat die Untersuchung gesponsort) integriert werden kann. Somit wäre zumindest dieser Browser halbwegs beim Bummel durch die bunte Welt des Internets geschützt. Die Liste findet sich unter der Adresse: www.sit.fraunhofer.de/tpl

Ich wünsche sicheres surfen!

Sounds konservieren? Sounds konservieren!

Bildquelle: http://www.conservethesound.de/wp-content/themes/cts/images/cts-conservethesound-logo@2x.jpg

Geräusche umgeben uns, sind Bestandteil der Welt und werden von uns wahrgenommen. Jedooch unterliegen auch auch viele von ihnen dem  Zahn der Zeit. Vielleicht erinnert sich noch der Eine oder die Andere an die Diskussionen um die typischen Klingeltöne eines finnischen Handyherstellers, die angeblich sogar von den Vögeln imitiert wurden? Oder an das Rattern des Nadeldruckers, wenn er etwas auf das Papier brachte? Oder an das alte Martinshorn bei Notfahrzeugen? Das Fieben des Modems bei der Einwahl ins Internet oder dass schnorren der Wählscheibe bei den Telefonen? Wie wäre es mit dem Geräusch der Registrierkasse oder dem Knistern der Schallplatte…? Sicher fallen viele solcher Beispiele ein. Das Projekt  “Conserve the sound” hat es sich zur Aufgabe gemacht, in einem Onlinearchiv verschwindende Geräusche zu konservieren und der Nachwelt zu erhalten.  Es ist die Arbeit von CHUNDERKSEN, die von der Film & Medienstiftung NRW gefördert wird. Das Projekt lebt auch von Vorschlägen, Ideen, Geschichten. Also ist Mitmachen gefragt.

Eine wirklich nette Idee, auch wenn ich gelernt habe, dass man nett wohl nicht mehr aktiv im deutschen Wortschatz verwenden sollte. Dann möchte ich das Wort „nett“ an dieser Stelle konservieren.

Hörspiele von Alexander Kluge u.v.a. als gratis Download…

Bildquelle: http://www.br-online.de/podcast/kopfbilder/hoerspiel-pool.jpeg

Das Internet ist manchmal, oft oder nie eine echte Fundgrube. So war ich auf der Suche nach Informationen zum Episoden-Hörspiel „Chronik der Gefühle“ von Alexander Kluge. Herrn Kluge bringe ich gefühlt schon seit meiner Jugendzeit eine gewissen Sympathie und Verehrung entgegen. Seine sehr anderen Interviews bei dctp.tv, die zu später Stunde im TV ausgestrahlt wurden und durch eine interessante Mischung aus Interview, Interviewten und Hintergrundinformationen in Wort und Bild sowie entspannter Schnitttechnik überzeugten, fesselten mich. Unverändert in den Interviews war / ist das schwarze Mikrophon, dass von unten in das Bild hinein ragt und die Stimme von Alexander Kluge, die stets aus dem Hintergrund in unaufgeregter, narrativer Art Fragen formulierte, die zum weitersprechen animieren und selbstverständlich neue Themen öffnen, ohne die alten zu verlassen. Bei dieser Art der Interviews hatte ich das Gefühl, dass Sprache auch flächig und nicht linear sein könnte. Alle, die es nicht kennen, sei die Webseite von dctp.tv  ans Herz gelegt 😉
Aber darüber wollte ich eigentlich nicht berichten, sondern über meine Suche nach dem besagten Audiobuch, um mehr Informationen über das Werk zu bekommen. Dabei stolperte ich über das Angebot des Hörspiel-Pools des von Bayern 2. Dort liegt das Hörbuch komplett zum Download bereit. Und nicht nur dass. Auch viele weitere Produktionen des BR2 können sich direkt von der Webseite legal (!) herunter geladen werden. Dazu zählen Werke von Künstlern wie James Joyce, Andreas Ammer, Virginia Woolf, natürlich auch Alexander Kluge oder der ARD Radio Tatort.

Ich denke, dass könnte für die Eine oder den Anderen interessant sein. Oder? Interessenten bitte hier lang: http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-hoerspiel-pool.shtml

Creative Commons V 4.0

Am 25.11.13 wurde die neue Version der Creative Commons Lizenzen vorgestellt. Neben einer Überarbeitung des Layouts, welches sich nun leserfreundlicher darstellt, gab es selbstverständlich einige inhaltliche Neuerungen (https://creativecommons.org/version4).

So wurden nun Datenbankrechte mit aufgegriffen, die jedoch länderspezifischen Besonderheiten zu Grunde liegen (so gelten diese bspw. für die USA nicht, dafür in der kompletten EU). Weiterhin enthalten die CC-Lizenzen nun abstrakte Umschreibungen für verwandte Schutzrechte, so dass diese mit abgebildet werden können. Die Linzenz V 4.0 gibt nun klare Hinweise, wie in CC-lizenzierten Content mit Data- und Text-Mining umzugehen ist. Wurde bisher bei Lizenzverstößen dem Nutzer die Lizenz entzogen, bietet die V 4.0 nun eine 30-tägige „Heilungsfrist“ an, wenn der Nutzer innerhalb dieser Zeit den Verstoß abstellt. Neu ist ebenfalls, dass bei wiederholt bearbeiteten und stets neu lizenzierten Texten (Share Alike-SA) nun nur noch die letzte Lizenz eingehalten werden muss, was den rechtssicheren Umgang mit entsprechend lizenzierten Werken deutlich erleichtert (Quelle: http://irights.info/creative-commons-in-version-4-0-verfugbar-was-sich-andert-und-was-nicht).

Das alles liest sich vielleicht komplizierter, als es ist. Schönerweise bietet irights.info einen hilfreichen Leitfaden für die Nutzung der Lizenzen in der Praxis. Wer über die neue CC Lizenz mitdiskutieren will, Anregungen benötigt oder sich informieren möchte, kann dies gern tun. Es wurden mehrere Kanäle geschaltet, die hier zusammengefasst dargestellt werden. Außerdem findet sich auf der Webseite creativecommons.org ein schönes Tool, welches mit ein paar Klicks zeigt, welche Lizenz man für sein Werk wählen kann: http://creativecommons.org/choose/

Zum Schluss noch ein Literaturhinweis: Dr. Paul Klimpel hat einen Reader (CC-BY-SA) zum Thema „Freies Wissen dank Creative-Commons-Lizenzen. Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung „nicht-kommerziell – NC““ verfasst.  Auf knapp 20 Seiten wird u.a. nochmal zusammen gefasst, was die Lizenzen (CC-BY, CC-BY-SA, CC-BY-ND, CC-BY-NC, CC-BY-NC-SA und BY-NC-ND) bedeuten, natürlich mit Fokus auf die NC Lizenzen.

(Bildquelle: Kristina Alexanderson, http://irights.info/creative-commons-in-version-4-0-verfugbar-was-sich-andert-und-was-nicht)

„Mind the Gap“

Liebe Leser_innen,

ab heute (1.11.13) tritt eine neue gesetzliche Regelung in Kraft, die vordergründig wohl nur eine (bislang diskriminierte) Minderheit betrifft, aber sicher massive Auswirkungen im alltäglichen Leben nach sich ziehen wird.

Auf Basis eines Gesetzes vom 7.5.13 wird dem Personenstandsgesetz ein Paragraf zugefügt, demnach neben den Geschlechtern „männlich“, „weiblich“ noch das „unbestimmte Geschlecht“ aufgenommen wird. Im Wortlaut des Paragrafen heißt es: „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen“ (Quelle). Diese Ergänzung des Gesetzes trägt u.a. dem Umstand Rechnung, dass bislang intersexuelle Menschen ab Geburt auf ein Geschlecht (fremdbestimmt) festgelegt wurden, was z.T. erhebliche Probleme für diese Menschen im Laufe des Lebens nach sich gezogen hat.

Der Schritt, hier von Seiten des Gesetzgebers (endlich) zu handeln, ist sicher richtig und wichtig, jedoch sind die Konsequenzen noch nicht abzusehen. Wie werden solche Menschen zukünftig reisen, wenn das notwendige Feld „M“ oder „W“ nicht angekreuzt ist und der Reisepass keine Anerkennung findet? Wie wird die Gesetzgebung zur Lebenspartnerschaften, Eheschließung etc. reagieren (man denke nur an die jüngst geführte Debatte zum Ehegattensplitting und dem Adoptionsrecht bei homosexuellen Partnern)? Oder um praktischer zu werden: Wird es zukünftig öffentliche Toiletten für Intersexuelle geben müssen? Und wie sieht es mit Umkleidkabinen in öffentlichen Einrichtungen (z.B. Bäder, Sporthallen) aus?… Ohne das Thema zu vertiefen, es wird eins deutlich: viele Fragen, noch keine oder nur unzureichende Antworten.

Ganz interessant wird die Frage bei der zukünftigen Gestaltung der geschlechtsneutralen bzw. gendergerechten Schreibweise. Schon lange herrscht hier ein „Kampf zwischen den Geschlechtern“, wie die immer mal wieder entfachenden Debatten um das Generische Maskulinum zeigen. Die Diskussion, welche Form denn nun Anwendung findet, (Beidnennung (z.B. Leserinnen und Leser), Splitting (z.B. Leserinnen/Leser) oder das Binnen-I (LeserInnen)) kommt schnell auf, wenn etwas zu Papier gebracht und veröffentlicht werden soll. Hier kann es in Zukunft „heikel“ werden? Bei meiner Recherche zu genau diesem Thema (korrekte geschlechtsneutrale Schreibe) stieß ich auf eine sehr gute und lesenswerte Broschüre, die ich jeder/r (korrekt sollte ich hier wohl besser „allen“ schreiben) ans Herz legen möchte, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ungünstigerweise ist das Dokument auf dem Server der Uni Köln nur schlecht zu finden, so dass ich zu seiner Publikation gern beitrage.

Erstellt von Dipl.-Soz. Päd.‘ Annelene Gäckle, M.A. (Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln) hat ein meiner Meinung nach hervorragenden Reader mit dem Titel „ÜberzeuGENDERe Sprache“ herausgegeben. Hervorragend, weil er in einer lockeren, anschaulichen und dennoch verbindlichen Sprache erstellt ist, an den richtigen Stellen mit wissenschaftlich fundierten Belegen arbeitet und an anderen mit schnell nachvollziehbaren Alltagserfahrungen operiert, übersichtlich layoutet und gelungen graphisch aufbereitet ist (ich mag den Würfel für unentschlosssene auf Seite 18 :-)), Pros und Contras zusammenstellt, ohne zu bewerten (wohl aber begründet zu gewichten) und und und. Im Gegensatz zu anderen Papieren, die mir in diesem Zusammenhang in die Hände gefallen sind, werden hier keine Allgemeinplätze belegt oder mit dem pädagogischen Zeigefinger gedroht. Sehr angenehm.

Was hat das alles mit der Überschrift und dem Eingangsthema zu tun? Nun, in dem besagten Reader wird ein Vorschlag von Steffen Herrmann aufgegriffen, der das Sichtbarmachen aller Geschlechter ermöglichen soll. Der so geannte Gender-Gab. Dieser drückt sich dadurch aus, dass bei der Darstellung ein Unterstrich (Leser_innnen) gesetzt wird, der „Frauraum für die Entfaltung neuer Identitäten“ (ebd. S. 9) lässt.

Zu dem Papier von Frau Gäckle geht es hier lang