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Alaska Solotreckingtour – (M)Ein Reisebericht

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9. Von Seward über Cooper Landing zurück nach Portage

Laura und Kathie nahmen mich also mit von ihrem Wochenendtrip in die Berge. Ich wollte jedoch nicht gleich nach Anchorage, sondern eigentlich nochmal mein Glück in Portage wagen und den Portage-Lake besichtigen. Weiterhin war Portage eine gute Station, um einen Abstecher nach Whittier zu machen, einem Städtchen am Prince William Sound mit massig Gletschern… (aber davon im nächsten Kapitel).

Wir fuhren los und es war herrlich, auf dem Rücksitz eines alten Subaru die Landschaft zu genießen, im Fond die beiden Frauen, dauerlachend natürlich. Dann entschieden die beiden wohl, was das nächste Ziel für mich wäre. Für Whittier wäre es zu spät, aber Cooper Landing und der Cooper Lake wären ein Superplatz für einen Kurzaufenthalt. Dort sollte ich mal vorbeischauen und morgen weiter nach Whittier. Ich willigte ein, kannte ich mich doch sowieso nicht aus und die beiden waren mehr als vertrauenswürdig. Allzulang dauerte die Fahrt nicht und wir kamen an eine Kreuzung, die uns trennte. Sie ließen mich raus und wir verabredeten uns für irgendwann, irgendwo.

Ich stand nun wieder an der Straße und auch wenn der Süden doch schon gut bewohnt ist und darüber hinaus gerade in den sonnenreicheren Tagen hier Tourismus sein soll, waren die Straßen doch überschaubar. Also wanderte ich los, ist besser, als blöde am Straßenrand zu stehen und auf ein Auto zu warten. Irgendwann hielt auch ein Auto und nahm mich die wenigen Meilen nach Coopers Landing mit. Das Wetter war trüb, aber der Regen hatte sich seit dem Vortag eingestellt. In Cooper Landing ließ mich die Fahrerin raus und ich suchte eine Möglichkeit, den Rest des Tages irgendwo gut zu campen und ggf. was nettes zu essen. So schlich ich durch die Gegend und kam irgendwann an eine Art Garage oder Scheune. Alte Autos standen rum, ein paar Leute werkelten vor sich hin und ich fragte, wo hier der nächste Campingplatz am Cooper Lake wäre. Die Herren wussten nichts davon, aber eine junge Frau, die dabei stand, meinte nur schlicht: „I give you an hike“ Ich wusste erst nicht, was das bedeutete 🙂 Klaro, sie bringt mich hin. Es war nochmal eine gute Strecke – halb um den See. Sie lies mich raus, zeigte in den Wald und meinte, dass hinter dem Wald der See wäre. Sie empfahl mir weiterhin Mückenschutz…

Ich ging in den Wald und er war zauberhaft, oder besser verzaubert. Voller Ruhe, mystische Bäume und überall Flechten und Moose. Und tatsächlich, es gab dann auch den besagten Campground. Einmal für die RVs eine riesige Fläche, die teilweise belegt war und mich irgenwie an die Parkplätze vor Supermärkten erinnerte. Dahinter, etwas abgelegen, einen kleinen Platz, unbefestigt für die Camper. Davon gabs nur wenige, genau gesagt nur mich. Ich schlug mein Zelt auf und fand die Gegend einfach wunderschön. Die totale Ruhe, der Himmel wurde etwas heller, wenngleich noch nicht die Sonne raus kam. Mein Traum von einem leckeren Essen hatte sich jedoch damit zerschlagen, denn der Campingplatz war auch ab vom Schuss. Nochmal zurück wollte ich nicht, also packte ich meine Miniküche aus und beschloss, mir was kleines am See zu kochen. Meine Ausrüstung erregte wohl bei den Wohnmobilbesitzern Mitleid und als Sie aus der Ferne sahen, wie ich da anfing, mir was zu köcheln, kam einer daher und fragte mich ein bisschen aus. Woher ich komme, was ich hier so mache usw. Nachdem ich ihm wohl seine Skepsis etwas nehmen konnte, fragte er mich, ob ich Fisch mag. Klaro! Er hätte welchen gefangen und geräuchert (ja, man hat seinen eigenen Räucherofen mit im Urlaub – verrückt!) und es ist was übrig. Und dann kam er mit einem großen Stück Lachs (woher hat der Mann den Lachs? Wusste nicht, dass derLachs in der Gegend – war ja ein See – umtriebig ist) und verabschiedete sich, weil er TV gucken musste. So aß ich meinen frischen Lachs, er war ausgezeichnet und saß noch längere Zeit am See. Die Mücken trieben mich aber ins Zelt. Aber bevor ich schlafen gehen konnte, mussten noch die Lebensmittel raus, nicht dass ich nachts Besuch von Meister Petz bekomme. Ich packte alles in eine Plastiktüte, suchte mir einen Baum und zog meinen Reiseproviant an einem Ast empor. Gesichert.

Der nächste Morgen begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein! Was ein Kaiserwetter nach den letzten

regenintensiven und wolkenverhangenen Tagen!!! Endlich konnte ich meine Sachen trocknen. Nicht das das Zelt undicht war, das hielt super. Vielmehr wurden die Sachen wegen der hohen Luftfeuchte klamm. So genoß ich meinen morgendlichhen Instant-Kaffee auf meiner Iso-Matte und erfreute mich der wärmenden Strahlen, während mein Schlafsack endlich mal gelüftet werden konnte.

Nach einem Frühstück bei Sonne beschloß ich, noch ein paar Meter durch den Wald zu streunern. Er war ja gestern schon sehr beeindruckend und ich dachte, ein wenig Sonne auf meine Sachen wäre nicht schlecht, bevor ich alles wieder verpacke. So kann es trocknen und wer weiß, wann die nächsten Sonnenstunden kommen. Meine bisherigen Erfahrung sagte mir, dass der Süden Alaskas äußerst feucht ist. Der Wald hatte wirklich was verhextes, aber die Gegend war ein Traum. Total abgeschieden, sehr ruhig, genau das, was ich erwartet hatte. Das Wetter verstärkte mein Wohlbefinden enorm. Hin und wieder konnte man auf den See und die dahinter liegenden Berge (Cooper Mountain) schauen, was ein toller Anblick war.

Nicht aus Eitelkeit, sondern um mal mich mit Bartwuchs zu verewigen (denn bisher war mir tägliches rasieren in der Zivilisation ein allmorgendlicher Akt wie Zähneputzen nicht wegzudenken), machte ich ein Selbstbild mit meiner Lieblingssonnenbrille. Das letzte mit ihr – denn noch am gleichen Tag ging sie beim Trampen in die Brüche. Ich ging zurück zum Zelt, packte meine Sachen und wanderte wieder Richtung Straße, ich wollte ja weiter nach Whittier, Gletscher gucken. Da die Straßen in Alaska, abseits von Anchorage, Fairbanks oder Juneau nicht wirklich intensiv befahren werden, war ich lange Zeit relativ allein und fand keinen, der mich mitnimmt. Ich dachte an die junge Frau von gestern. Die könnte doch nochmal vorbei kommen und mir einen „hike“ geben, zumal wieder Wolken aufgekommen waren. Aber nix da. Außerdem lief mir die Zeit davon, denn nach Whittier kommt man – so meine Infos von Laura und Kathie – nicht ohne Problem hin. Ich verstand das zwar nicht, akzeptierte es aber. Irgendwann, nach wirklich langer Zeit hielt jemand, der mich mitnehmen konnte. Der Fahrer war auf dem Weg nach Anchorage und so konnte ich die paar Meilen mitfahren. Er ließ mich an der mir schon bekannten Kreuzung nach Portage raus, da es von dort weiter nach Whittie ging. Den Weg zum Campingplatz „Black Bear“ kannte ich schon. Einige Punkte kamen mir in den Sinn. Der zunehmend stärkere Regen, die Brücke, auf welcher ich meinen liebgewonnenen Hut verloren hatte, die Stelle am Fluß, wo „ominöse Fußspuren“ waren und schließlich der Campingplatz, wo die jungen Soldaten neulich gefeiert hatten und meine Jacke(n) sowie Trinksystem weggekommen waren… Fast schon ein Heimatgefühl, aber kein Gutes, da ich den Platz irgendwie nicht mehr so recht mochte. Es war außer mir keiner da, weder RVs noch Camper. So verbrachte ich einen Nachmittag mit lesen und schwor, ein wenig mehr Reisedisziplin an den Tag zu legen, denn ich habe ja ein Ziel vor den Augen: der arktische Ozean. Um den zu erreichen, darf ich nicht so viel Zeit für meine kleinen Distanzen verbrauchen. Morgen also geht es ab nach Whittier und dann zurück nach Anchorage!

8. Von Girdwood nach Seward

Weiter ging es also, am frühen Morgen von Girdwood Richtung Seward – meinem südlichsten Punkt auf der Reise in Alaska. Die Alaska Railroad kam äußerst pünktlich und ich konnte bequem meine Reise fortsetzen.

Das Bild im Zug war das Gleiche wie von Anchorage nach Portege. Überschaubar gefüllt mit einigen Touristen – soweit ich es beurteilen kann – ältere Amerikaner, die wieder das Butterfahrtfeeling aufkommen ließen (wenngleich ich bei sowas noch nicht dabei war).

Die Fahrt ist auf jeden Fall toll und besser als der Weg mit dem Auto nach Süden, da der Zug ein paar spektakuläre Brücken und Gletscher überquert oder an diesen vorbei fährt und große Teile unbewohnter Natur kreuzt. Es gibt viel zu sehen – wofür die Panoramawagons gut sind, weiß ich nicht, denn über dem Zug war nicht so viel außer dem Himmel. Aber vielleicht ist das auch ein gutes Gefühl, so zu fahren. Ich saß in einem normalen Abteil und versuchte, den Hinweisen des Zugpersonals zu den einzelnen Natursehenswürdigkeiten zu folgen. Das war teilweise wieder aufgrund der Geräuschkulisse durch die Gespräche der anderen Gäste nicht so einfach, die sich weniger für die Umgebung zu interessieren schienen.

Hin und wieder gab es Regenschauer und ich dachte mit Schrecken an meine Kleiderordnung, der dichten Regenjacke und dem Poncho in Portege erleichtert und nur mit dem Fleece und einer einfachen Windjacke auf dem Körper… Und, tja, manchmal hilft das Glück nach. Auf einmal wurde aus der Zugfahrt tatsächlich eine kleine Butterfahrt, denn das Zugpersonal bot nun Souveniers an. Von kleinen Alaska Railroad Spielzeugnachbildungen über Taschen und anderem Gedaddel bis hin zur richtigen Regenjacke, die auch zur klassischen Ausrüstung des Zugpersonals gehört. Angeboten für, meiner Meinung nach, schmales Geld. Absolut wasserdicht (dafür nicht wirklich atmungsaktiv 🙂 ) und leicht gefüttert. Klasse! Bevor ich in Sewart im Regen stehe, habe ich beschlossen, mir so ein Teil zu erstehen. Mit kleiner Umkleidemöglichkeit im separaten Abteil und fachmännischem Urteil der Zugbegleitung hatte ich fast das Gefühl, ich wäre in einer Boutique 😀

Seward steurte ich durch drei Gründe an: es soll eine schöne, alte Stadt sein, die darüber hinaus wunderbar am Wasser liegt mit tollem Blick auf den Ozean und die auch noch ein paar Gletscher im Angebot hat. Angekommen stellte ich fest, dass Sewart wirklich mal eine richtige Stadt war, zwar nicht mein Geschmack (für mein Gefühl vieles im nachgebauten Kolonialstil und eine starke Ausrichtung auf Tourismus, was man an den Geschäften sah) aber soweit okay. Der Hafen von Seward lädt darüber hinaus regelmäßig zu Schifffahrten ein, um auf Walewatching zu gehen, die an der Südküste häufig anzutreffen sind, die Kenai Fjords zu bewundern oder um nach Valdez zu pendeln.
Ich schlenderte etwas am Strand lang, der aber durch viele Parkplätze und Dauercamper nicht so richtig überzeugte. Der Hunger beschlich mich und ich kehrte ein, auf meinen ersten echten American Burger! Ich bestellte und bei der Auswahl an Extras, die mir die Kellnerin aufzählte, musste ich passen und sagte nur, dass es mein ersten Burger made in USA wäre und ich nehm einfach die Standardversion. Die kam dann auch. Mann, war das eine Portion! Ein halbes Caribou, ein Feld Kartoffeln zu Pommes verarbeitet und alles von Majo und Ketchup zusammengehalten. Aber sehr lecker! Ich aß gemütlich, genoß noch einen Kaffee und dann packte ich meinen Rucksack, um dem Exit Glacier einen Besuch abzustatten, der in einem Naturschutzgebiet in der Nähe schon sehnsüchtig auf mich wartete.

Ein paar Meter aus dem dicksten der Stadt gelaufen habe ich dann versucht, als Tramp weiter zu kommen. Der Verkehr ist in Seward nicht gerade gering und schon bald hielt ein Mann um die 45, gebürtiger Ungar, der als Koch in Washington (Bundesstaat) lebt und auf einem Kurzwochenendurlaub mal nach Alaska gefahren ist. War sehr nett und wir konnten gut plaudern. Wir fuhren also aus der Stadt Richtung Gletscher, den der Ungar auch besuchen wollte.

Dort angekommen machte ich mich am Visitorcenter kundig, wo ich denn mein Zelt aufschlagen können und erfuhr, dass es gleich ums Eck einen Campingplatz für 12 Zelte gibt. Klasse! Also auf zum Gletscher. Der Fahrer wartete nettweise auf mich und so gingen wir zum Ziel der Tagesreise. Der Weg führte durch einen Park, aufgeräumt, ein Hauch von Wildnis, aber doch alles auf Tourismus ausgerichtet. Es gab viele Leute, die Gleiches vorhatten. Der Weg vom Parkplatz um Gletscher war nicht überwältigend weit und so standen wir bald vor ihm. Auch wenn er abgesperrt war und es doch noch einige Leute gab, die hier rumsprangen, nahm er mich gefangen. Das klare kühle blau des Eises übt immer wieder eine Faszination auf mich aus.

Ich setzte mich mit meinem Fahrer auf eine Bank, wir unterhielten uns und ich genoss den Blick aufs Eis und das leise zu vernehmende Knacken. Toll.

Irgendwann hieß es wieder, Abschied nehmen von meinem „Freund auf Zeit“ und dem Gletscher und die Suche nach dem Zeltplatz. Den fand ich relativ schnell und war überrascht über den aufgeräumten, gemütlichen und fast schon luxeriösen Zustand. Eine Blockhütte, um die Lebensmittel zu sichern und auch hier wunderbar separierte Zeltmöglichkeiten. Schön getrennt durch kleine Wälder von den anderen – in aller Ruhe. Und genau zwölf Möglichkeiten zum Zelten – first comes, first takes. Ich bekam einen der letzten Plätze, baute mein Zelt auf und begab mich in die Kochecke des Platzes. Dort konnte ich mit ein paar anderen Campern quatschen und nach und nach füllte sich der Campingplatz, bis alle zwölf Zeltplätze belegt waren.

Und dann war es soweit: ein Ranger kam und hielt kurzen freundlichen small talk um dann relativ schnell zur Sache zu kommen: im Tal wurde ein Bär angeschossen und ist auf der Flucht. Wenn wir was hören, sollen wir das melden, die Ranger passen die Nacht besonders auf. Klasse! Das war das, was ich auch weiterhin nicht wollte, aber klar, im Süden sind die Tiere jetzt aktiver (Kenaii ist ja bekannt für seine Zotteltiere) und angeln lecker Lachs u.a. Innerlich stark beunruhigt fand ich es auf einmal gar nicht mehr so doll, so separiert zu liegen. Ein etwas beengter Zeltplatz wäre mir jetzt lieber – gemeinsam sind wir stark. Und auch hier half wieder das Schicksal: zwei junge Frauen – Laura und Kathie – kamen mit Hündin Bella und fragten, ob noch jemand sein Zelt etwas beiseite rücken könnte, da sie keinen Platz mehr bekommen haben. Super! Ein Hund! Und zwei weitere Personen! Ohne zu überlegen – ganz uneigennützig – bot ich meinen Platz an. Hatte eh ein kleines Zelt und Platz war noch. Sie bauten auf und wir verbrachten die halbe Nacht am Lagerfeuer mit viel Lachen. Die beiden waren zwar keine „Eingeborenen“, sind aber vor einigen Jahren nach dem Studium (eine Pädagogin und eine Geologin) hierher gekommen, weil sie die Natur so lieben. Die Woche über wird gejobbt und am Wochenende gehts raus. Das kam mir recht: die hatten etwas mehr Erfahrung mit den Besonderheiten der Natur als ich, falls es unangenehm würde. Und einen Aufpasser, Bella, gabs als Nachtwache noch dazu. So schlief ich dann beruhigt ein.

Am nächsten Morgen planten wir einen Trip zu dritt zum Lost Lake. Das war ein Marsch von etwa 10 Meilen (oneway). Da ich Zeit hatte, bin ich gern mitgekommen, zumal die beiden sehr lebendig und erheiternd offen waren. Wir zogen den ganzen Tag mit Bella durch die Wälder und den Schnee. Sie erzählten von ihrem Leben in diesem Land und ich von meinem Reiseplänen und ein bisschen über Deutschland. Die Zeit ging gut rum, das Laufen fiel leicht. Auf einmal war er wieder da! Der Trillerpfeifenpfiff! Und ich war wirklich irritiert. Sind denn überall diese Wandergruppen? Verfolgen die mich? Ich fragte Laura und Kathie, ob sie den Pfiff auch gehört hätten. Sie verneinten. Eigenartig… Ich erzählte Laura und Kathie von der Begebenheit in Portege und sie mussten lachen, weil das eher unwahrscheinlich ist, dass mehrere Personen oder eine Reisegruppe durch die Wälder springt. Und dann kam er wieder, der Pfiff. Und dieses Mal hörten die beiden den Pfiff auch. Und Kathie sagte: „Oh, it’s a Mamut!“ Jedenfalls verstand ich das und ich wußte nicht, was sie meinte. Ich versichterte mich, ob sie grad tatsächlich „Mamut“ sagte, denn da wusste ich nicht, was sie meinte, bezeichnet das Wort doch in unserem Sprachgebrauch was bereits ausgestorbenes – zwar auch aus der Eiszeit, aber definitiv tot und erklärte ihr das auch. Nein, das war es nicht. Sie sagte: „Marmot“, ein Murmeltier. Oh je, der Brunftruf der Murmeltiere. Das Wappentier Alaskas. Guten Tag! Ich musste ziemlich in mich rein lachen. Das war des Rätsels Lösung! Und just kam eins vor die Kamera. Schön – fand Hündin Bella auch – und vertrieb es 🙂

Unterwegs erfuhr ich dann etwas über Murmeltiere und darüber hinaus die Nationalpflanze „Forgetmenot“. Ich wußte auch nicht, dass das sozusagen das Edelweis von Alaska ist, fand aber die 1:1 Übersetzung klasse, so dass ich das an dieser Stelle weitergeben möchte. Vielleicht ists ja für den einen oder anderen Leser genauso neu, wie für mich.

So wanderten wir weiter aber irgendwann wurde der Schnee immer tiefer und der Weg war nicht mehr auszumachen. Wir beschlossen, dass der Lost Lake gefälligst Lost bleiben sollte und wir ihn nicht zum Found Lake machen.

Wir legten noch eine ausgiebige Pause zum Picknicken ein und genossen die Umgebung, die Aussicht und die Ruhe. Als ich ein Apfelhaus nahm und in den Wald werfen wollte, wurde ich mit einem klaren „STOP!“ in der Bewegung gebremst. Ich wußte nicht, was meine beiden Begleiterinnen dagegen hatten, denn der Apfel verottet doch hier problemlos und in meiner Tasche macht er keinen so guten Eindruck. Aber dann die logische Erklärung: wieder mal die Bären. Die sollen auf keinen Fall einen Pawlowschen Reflex bekommen und die Verbindung Wanderer = Futter ausbilden. Durch unser Picknick hinterlassen wir Gerüche und der Apfelgribs in der Nähe kann hier den notwendigen Link beim Tier schaffen, der für den nächsen Wanderer ungesund werden könnte. Tja, soweit oder so nah muss man erst mal denken. Aber ich habe wieder eine Lektion gelernt.

Und auf dem Rückweg wurde es dann amtlich: in Alaska laufen Bären rum. Denn auf unserem Heimweg entdeckten wir dann doch eindeutige Spuren im weichen Boden. Und trotz der guten Gesellschaft war mir nicht ganz wohl. Wir gingen zurück zum Camp, da die beiden noch am gleichen Tag (Sonntag) zurück nach Anchorage wollten.

Sie fragten nach meinen Plänen und ich sagte, dass ich nochmal zurück nach Portege möchte und der Prince William Sound liegt auch noch auf dem Plan. So boten sie mir an, mich ein Stück des Weges nach Coopers Landed mitzunehmen und ich willigte ein. Fand ich nett. Es war ein Klasse Tag, eine super Gesellschaft und eine gute Option, die Reise für diesen Tag noch fortzusetzen. Auf dem Weg zum Camp tuschelten sie dann miteinander und ich verstand nichts, da wir im Gänsemarsch laufen mussten und ich als Letzter hinterher trottete. Fast angekommen meinten sie, dass sie mich ganz in Ordnung fänden und boten mir an, dass, wenn ich zurück nach Anchorage kommen würde (stand ein paar Tage später ja auf dem Programm, bevor es an den arktischen Ozean weitergehen sollte), gern ihre Wohnung nutzen dürfte. Das war wirklich äußerst lieb. So musste ich nicht in dem unbehaglichen Jasons Motel nächtigen und hatte eine bessere Gesellschaft. Da beide jedoch oft außer Haus waren und ich nicht wusste, wann genau ich in Anchorage ankomme, gaben sie mir kurzerhand einen Schlüssel der Wohnung und die Adresse. Das war mal ein offener Empfang – ob ich das machen würde? Ich war sprachlos und bedankte mich für das Vertrauen.

Dann gings zurück zum Zeltplatz, wir packten die restlichen Sachen und fuhren los, zurück nach Anchorage und Coopers Landed.

7. Portege – Das böse Erwachen und der Weg nach Girdwood

Am nächsten Morgen erwachte ich – irgendwann. Hey, ist ja Urlaub und Wecker gehören da verboten. Erst recht in einem Land, das bereits im Mai mit langen Sonnen- oder sagen wir besser Lichtzeiten aufwarten kann. Mich drängte wenig.

Ich merkte als erstes, dass der Regen nachgelassen hat. Es fielen zwar noch schwere Tropfen, aber bei genauem hinhören bemerkte ich, dass die Tropfen aus den Bäumen kamen, die der Wind herunterschüttelte. Klasse! Sonnig wars aber nicht. Egal. Raus Kaffee und einen leckeren Haferschleim mit „Flavor“ aufgekocht. (Vor meiner Reise war ich für solch eine Speise nicht zu gewinnen, aber beim Tingeln durch den Supermarkt in Anchorage achtete ich darauf, dass die Nahrung viel Energie hat und dennoch leicht ist. Somit waren solche Nahrungsmittel meine Standardverpflegung im Rucksack. Und die verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Apfel, Zimt, Himbeere usw. waren wirklich gut!) Als ich meinen (von meinem Freund Mauro geliehenen) Wassersack suchte, war der weg. Im Trockenraum waren auch meine Regenjacke und mein Poncho verschwunden. Mit ihnen zusammen die anderen vier Camper. Mist. Ich will nix unterstellen, aber ein Verdacht machte sich breit… Das war echt ärgerlich und asozial. Einem Rucksacktouristen, der sich schon beschränkt, die Sachen stehlen… Ich war sauer.

Gut, dann keinen Kaffee und Hafer (denn ich hatte dank verschwundem Wassersack auch kein Wasser mehr). Ich zog meinen Fleece an und hoffte, dass der Regen erbarmen mit mir hat, da der Fleece zwar warm hält, aber beim ersten Regen alles Wasser schön aufsaugt. Ich hatte halbwegs Glück, konnte Zelt und Sachen packen und ging auf die Straße. Der Weg war weit und ich hielt den Daumen raus. Einige Autos fuhren vorbei und es fing an zu nieseln. Mist! Ohne wasserfeste Jacke macht das nicht lange Spass. Und wie gerufen hielt ein Auto mit zwei Männern, die mich mitnahmen. Wir fuhren zurück, vorbei an der Brücke, an der mein Hut davon flog, vorbei an der „Metropole“ Portege weiter Richtung Girdwood. Dort liesen mich die Männer raus und ich muss sagen, dass Girdwood tatsächlich eine Art Infrastruktur hat. Es gab ein Kaffee mit Eisdiele (warum essen die Menschen in Alaska Eis?), ein Internetcafe, Straßen nebst Häusern und kulturelle Ankündigungen für den Wochenendsdorftanz. Außerdem natürlich irgendwo den Bahnhof. Schön!

In Ermangelung eines Frühstücks (mir fehlte auf jeden Fall der Kaffee!) ging ich gleich mal etwas jagen. Es gab einen großen Kaffee und Kuchen. Und nochmal Kaffee. Und nochmal. All you can drink – bis zum Herzinfarkt. In diesem Moment fand ich das Klasse. Warmer Kaffee, Trockenheit und Wärme. Ich entdeckte auch einen PC mit Netzzugang, den man für 1$ / 15 Minuten mieten konnte. Machte ich glatt und schrieb den Lieben daheim meine ersten Erfahrungen vom Regen ohne Gletscher usw.

Nachdem ich mich aklimatisierte, fragte ich nach, wo der Bahnhof sei, wo ich mir eine neue Jacke kaufen könne und wo der nächste Campingplatz ist. Den Weg zum Bahnhof konnte man mir schnell zeigen, Jacken kann man in Girdwood nicht kaufen und einen Campingplatz gibts auch nicht. Aber einen Dorm-Bunk (also einen vermieteten Schlafraum für mehrere Leute). Okay! Dann bin ich los, den Fahrplan prüfen. Auch der Bahnhof war relativ klein und meine Abfahrtszeit war ziemlich früh am kommenden Morgen, ich glaube gg. 5.30 Uhr. Als nächstes habe ich versucht, den besagten Dorm-Bunk zu finden. Wenn es keinen Zeltplatz gibt, ich aber morgen so früh hier sein muss, dann sollte ich einfach dort nächtigen und nicht weiter ziehen. Girdwood erwies sich als äußerst gestrecktes Dorf. An der Straße beschaulich geht es weit in die Berge rein. Kein Wunder. Ich sah auf den Bergen Skilifte und es stellte sich heraus, dass die Gegend hier beliebtes Skigebiet für die „Städter“ ist. Somit hat sich die Infrastruktur Richtung Skigebiete entwickelt. Mein Fußweg zur besagten „luxery“ Herberge dauerte ca. 1 1/2 Stunden – mit Verlaufen. Trampen wollte ich nicht, weil ich den Fussweg halbwegs für die Strecke zurück wissen wollte. Denn ob mir morgen ein Auto über den Weg fährt, welches mich mitnimmt, war nicht klar. Ich ging nicht davon aus, dass es ein Taxi gibt. Aber der Weg war schön. Kleine Hütten, alles irgendwie verschlafen, friedlich. Das Wetter war auch wieder besser. Schön fand ich, dass ein Betonbehälter mit drei Tulpen extra mit dem Hinweis versehen worden ist, dass die Blumen bitte stehen gelassen werden sollten, damit sich jeder dran erfreuen kann. Ich dachte an Deutschland, Tulpen ohne Ende – jedes Frühjahr. Hier tickt die Zeit anders und Frühblüher, bzw. Blumen allgemein, sind wohl eher selten. Ich fand die Herberge, die etwas eigentümlich war. Der Vermieter hatte eine Kasse des Vertrauens an die Tür gehangen und war selbst nicht da. Die Nacht 10$. Es gab einen Minischlafraum, vollgestellt mit drei Doppelbetten. Belegt waren bereits zwei Betten. Ein Engländer, der auch auf Urlaub war, ein alter Mann mit dicken Bart, der die ganze Zeit schlief und mich. Schlicht eingerichtet. Eine Wohnküche mit TV. Aber auch Kochplatten sowie eine warme (!) und gepflegte Dusche. So weit – so gut. Der Engländer war sehr gesprächig und amüsant und wir unterhielten uns eine längere Zeit. Dann ging ich nochmal los.

Ich zog durch die Gegend um Girdwood, es gab schöne Wanderwege. Frisches Grün und – zu meine Erstauenen – eine Gegend, wo der Wald total abgestorben war. Sofort gingen bei mir die Ökoalarmglocken an zu läuten. Die Amis, die Umweltverschmutzer! Hier sieht man’s. Tja, soweit zum Thema: Vorurteile. (Denn, wie ich später erfuhr, gab es nordöstlich von Anchorage vor einigen Jahren ein äußerst schweres Erdbeben (ich glaube über 8 auf der Richterskala), so dass sich sogar hier die Erde senkte. Der Effekt: Salzwasser vom Ozean überflutet bei Flut die Region und die Bäume, die zu tief standen, gingen ein.)

Dennoch, diese Region sah faszinierend aus. Vögel und auch wieder Weisskopfseeadler, die in dem Terrain hausten, seeehr sumpfiges Gelände (wollte mir die Bäume gern aus der Nähe ansehen, lies es aber wegen des weichen Bodens lieber bleiben. Falls das hier Moor oder Sumpfgebiet ist, wollte ich die damit verbundene Erfahrung nicht sammeln) So spazierte ich lange Zeit durch die Gegend und freute mich vor mich hin 🙂

Mit guten Hunger und Blick auf die Uhr (musste ja früh raus) ging ich zurück, kochte mir ein paar Nudeln und unterhielt mich mit dem Engländer. Der Bärtige schlief weiterhin den Schlaf des Gerechten – war das noch Winterschlaf? Der Engländer berichtete, dass zwei weitere Europäer (Spanier) angereist seien (die Rucksäcke standen da), aber sie wären gleich wieder verschwunden. Und: sie tauchten auch nicht mehr auf. Ich machte mir wirklich Sorgen, wegen des sumpfigen Bodens und hoffte, dass die bald zurück kämem. Wir redeten über unsere Absichten in Alaska. Er war nur so da, wollte mal schauen. Einig waren wir uns, dass wir keine Bären sehen wollen 🙂 Es wurde spät und ich ging ins Bett. Stellte mir nun doch den Wecker und schlief ein. Am nächsten morgen erwachte ich – vor dem Wecker. Ich schaute auf die Uhr und dachte: „Super! Konnte genau zur richtigen Zeit den Wecker ausschalten, ohne dass jemand anderes vom Weckgeräusch gestört wird.“ Ich sprang auf, kochte Kaffee, stellte mich nochmal ausgiebig unter die heiße Dusche, packte leise meine Sachen und verschwand. Die beiden Spanier waren immer noch nicht da….

Ich ging etwa 50 Minuten zum Bahnhof. Kein Auto! Gut, dass ich den Fußweg kannte. Am Bahnhof angekommen, setzte ich mich und wartete. Irgendwann schaute ich auf die Uhr – wegen der fehlenden Nacht (ich meine eine dunkle Nacht) verlor ich etwas den Rhythmus und das Zeitgefühl. Und ich erschrak. Immer noch 3.45, wie die Zeit, als ich aufstand! Was ist los? Und ich stellte fest, dass ich, als ich erwachte und auf die Uhr schaute, noch immer die Weckzeit im Display vom Einstellen am Abend davor hatte und nicht die richtige Zeit! Und diese Weckzeit wurde immer noch angezeigt. Ich habe demzufolge irgendwann gegen 2 Uhr das Bett verlassen und bin losgezogen. Viel zu früh! Aber ich war halbwegs ausgeschlafen, insofern war es auch okay. Ich nutzte die Zeit, ging nochmal zum gespenstigen, toten Wald und machte ein paar Fotos (die Lichtverhältnisse sind auf dem Bildern sind bei 4.30 Uhr!), las und wartete auf die Alaska Railroad.

Die kam dann auch pünktlich wie die Eisenbahn – sozusagen – und ich führte meine Reise fort nach Seward…

6. Vom Portege Camp & Portage Lake. Oder: „no rain, no glacier“

Am nächsten Morgen wurde ich wach von einem Wohnmobil, welches auf dem Campingplatz eine Bleibe suchte. Aber ich schaute nicht raus, da der Regen noch heftiger peitschte, als am Abend davor. Ich dachte, das würde vielleicht ein kurzer intensiver Schauer sein. Im Schlaf habe ich nichts gemerkt – aber mein Schlaf ist auch mehr als gesegnet, wovon ich auch noch später berichten werde. (für diese Episode gibt es keine Bilder, weil die Sichtverhältnisse sehr schlecht waren und ich darüber hinaus Angst hatte, meine Kamera würde bei diesen Wassermassen Schaden nehmen).

Leider wurde das Wetter nicht besser. Ich wollte aber auch nicht die ganze Zeit im Zelt bleiben. Erstmal bereitete ich mir ein Frühstück und fühlte mich in dieser wirklich sehr nassen Kälte nicht so recht wohl. Das Wohnmobil verschwand wieder. Komisch. Ich blieb weiter im Zelt und las im Reiseführer und schrieb ein paar Zeilen ins Tagebuch. Auch das war im Nachhinein eine sinnvolle Investition, da es doch erlaubt, ein wenig (inneren) Dialog als Sprechersatz zu führen. Es wurde von mir oft genutzt und war sozusagen mein stiller und stets mit offenem Ohr zuhörender Freund. Gegen Mittag kamen zwei Jeeps angefahren, drin waren vier junge Leute, so um die 20. Sie waren relativ laut, bauten einen behelfsmäßigen Regenschutz aus Zeltplanen auf und bereiten ein üppiges Lagerfeuer darunter vor. Dazu gabs dick Musik, worauf ich grad keine Lust hatte und viel Bier. Dann wurde das BBQ gestartet. Okay, das war der Zeitpunkt, doch mal die Klamotten anzuziehen und mich auf den Weg zu machen. Die Hoffnung, dass der Regen aufhört, trieb mich. So zog ich an, was ich hatte und warf meinen Poncho über und zog los zum Portege Lake. Der Weg auf der Karte sah überschaubar aus und so wollte ich ein wenig Wandern. Eigentlich total bekloppt, denn bei dem Wetter treibt man keinen Hund vors Haus. Darüber hinaus fuhren auch Autos, nicht viele, in die Richtung. Aber so naß, wie ich war, nahm mich keiner mit. Macht ncihts, der Weg sollte in einer guten Stunde zu schaffen sein.

Der Wind blies auf der Straße in noch stärkeren Böen und ich musste mich teilweise richtig gegen ihn anlehnen. Wenn die Böen verebbten, kam der Regen gemütlich kerzengerade herunter und ich konnte mal geradeaus schauen. So trotte ich dahin und hörte hin und wieder ein sehr bemerkenswerten Pfeifton. Er klang für mich genauso, wie die Pfeifen der Schiedsrichter bei einer Fussballübertragung im Fernsehen. Etwas entfernt, aber immer deutlich. Eine spezielle Frequenz. Ich überlegte, was das sein könnte und kam auf die einzig logische Erklärung: ein anderer Wanderer, der im Wald rumspaziert. Der Grund für meinen vielleicht abwegigen Gedanken möchte ich kurz erklären: Es wird oft (und wohl zu Recht) empfohlen, bei seinen Wanderungen Geräusche von sich zu geben. Reiseführer empfehlen lautes Reden, das Schlagen auf einen Topf oder eine Trillerpfeife. Der Grund ist der, dass man damit „den Tieren des Waldes“ signalisiert: ‚Hoppla, hier komme ich.‘ Das scheint gerade für die etwas größeren Tiere von Bedeutung zu sein, denn ein Bär, den man während eines gemütlichen Spaziergangs versehentlich bei seinem Mittagsschlaf erschrickt, ist über eine solche Überraschung gar nicht erfreut und könnte dem Hausfriedensbruch auf seine Art klären wollen. Ich hatte für mich entschieden, dass permanentes Vor-Sich-Hin-Reden als Alleinreisender ziemlich bekloppt ist (was, wenn mal jemand den Weg kreuzt?). Auch wollte ich nicht ganztags auf einen Topf hauen und wenn ich einen Berg besteige fand ich es lästig, meine letzte Puste in eine Trillerpfeife zu blasen. So hatte ich ein kleines Glöckchen geschenkt bekommen (an dieser Stelle vielen Dank der Schenkerin, die Glocke hat jetzt einen Ehrenplatz), welches mich – an der Jacke befestigt – stets begleitete. Eine praktische Lösung. Ich lief also weiter und hörte immer wieder mal diese Trillerpfeife durch den Regen. Dabei musste ich schmunzeln und freute mich über mein Glöckcken, was leise aber kontinuierlich meine Wanderungen ankündigte ohne dass ich im Minutentakt trällern musste.

Und dann vernahm ich ein zweites Pfeiffen. „Ulkig,“ dachte ich, „da denkt man, man ist in Alaska und allein auf Waid und Flur und dann pfeifen schon zwei Wanderer vor sich her.“ Das Pfeifen begleitete mich und immer wieder hörte ich an anderen Ecken einen neuen Pfiff und kam mir vor, als wollte mich entweder jemand auf den Arm nehmen. Oder war eine ganze Wandergruppe hier im Wald bei strömenden Regen unterwegs? Ich dachte dabei an eine organisierte, amerikanische Art einer Werbeverkaufsfahrt und eine Horde älterer Herrschaften, die grad über Stock und Stein stieg, mit Regenschirm in der Hand und in cremefarbenen Kostüm mit einem zierenden Schal oder einer Brosche geschmückt. Schöner Gedanke. Ich glaubte zwar nicht dran, fand aber die Erklärung lustig.

Und dann kam ich am Portege-Lake an. Welche Ernüchterung. Statt eines romantischen oder mystischen Sees war da schon viel Beton. Der See wurde zu Teilen aufgestaut. Schade. Darüber hinaus gabs dann noch ein Diner, welches das Naturerlebnis endgültig zerfließen lies. Nicht wie in Island! Gar nicht!! Und zu aller Enttäuschung war das Wetter so schlecht, dass ich fast gar nichts mehr sah. Das heißt, die Fernsicht betrug geschätzte 50 Meter. Hier und da vermutete ich Eisbrocken im Wasser, aber genaues konnte ich nicht ausmachen. Ärgerlich.

Da ich schon mal da war und weil ich schön nass war, kehrte ich auf was Warmes im Diner ein. Es gab ein Sandwich und heißen Tee. Lecker! Dort habe ich mich etwas aufgewärmt und ein wenig getrocknet. Und dann hieß es: Rückweg. Und da waren wieder die Pfiffe… Das Wetter wurde immer schlechter und schlechter und die Böen, die von hinten kamen, zogen und zerrten an mir. Der Regen kam fast waagerecht – zum Glück ebenfalls von hinten aus Richtung Prince William Sound. Das Tal war ein guter Windkanal und so blies es schon recht ordentlich. Ziemlich ordentlich sogar, denn als ich wieder am Campingplatz ankam, stellte ich fest, dass mein Poncho an Kapuze und einem Ärmel abgerissen war. Nochmals ärgerlich. Ich hängte meine Jacke und den Rest des Ponchos in den Trockenraum und sprang erstmal ins Zelt, etwas enttäuscht über den Ausflug. Naja, die Leute von gegenüber saßen lustig beieinander, tranken sehr viel Bier und grillten – wie John Wayne in seinen besten Zeiten – am Riesenfeuer. Gut, geselle ich mich mal dazu. Ich nahm mir meinen Kocher mit, einen Teebeutel und eine Miniflasche Rum. So standen wir da, ich machte mir ein lecker Tee mit Schuss, die anderen boten mir ein Bier an, welches ich aber bei der Kälte und Nässe ablehnte. Wir redeten – immerhin die ersten Menschen, die ich auf einem Campingplatz in Alaska traf – und sie erzählten mir, dass sie ein paar huntert Meilen aus dem Süden Amerikas (also keine Alaskaner) fürs Wochenende hochgekommen sind um zu grillen und zu feiern. Es waren vier Soldaten und etwas schrill drauf. Sie zeigten mir stolz ihre riesigen Revolver (so in der Art „Suzie“, die Pistole von Sledge Hammer) und hofften auf einen Bären, damit sie „Notwehr“ üben konnten. Ohje, das klang nicht toll. Eine der vier (es waren zwei Frauen und zwei Männer) hatte nur kurze Hosen an und Badelatschen. Ich fragte sie nach der etwas unpassenden Bekleidung für das Land und das Wetter (sie stand immerhin einige Zentimeter im Schlamm) und sie antwortete, dass ihre Freunde spontan bei ihr vorbeikamen und dass sie keine Zeit hatte, was zu packen. Angeblich war sie gerade im Badezimmer, als sie abgeholt wurde. So sah es auch aus… Naja, das Bier reduzierte wohl das Kälteempfinden, tauschen wollte ich aber nicht. Ich erzählte von meinem Versuch, den Portege Lake zu besichtigen und fragte sie, ob sie auch dorthin wollten (ich hatte die Vermutung, dass die vier dann die „Trillerpfeifen“ im Wald gewesen sein könnten). Sie verneinten und hatten auch niemanden gesehen. Dafür schauten sie mich etwas ungläubisch an, als ob ich unter Halluzinationen litt, als ich von den Trillerpfeifen im Wald berichtete…

Da ich das Gefühl hatte, dass wir nicht viel gemein haben, verabschiedete ich mich beizeiten. Der Wetterbericht (aus dem Autoradio der vier Soldaten) verhieß auch für die kommenden Tage keine Besserung und so wollte ich nicht noch länger an dem Campingplatz verweilen.

Ich beschl0ss, weiter nach Süden zu reisen und auf dem Rückweg nochmal mein Glück zu probieren. Da die Alaska Railroad für den Weg nach Süden nicht in Portege hielt (ich weiß nicht mehr warum, da ich ja da ausstieg – aber der Mann am Bahnhof in Anchorage meinte das), musste ich noch einen Schritt weiter zurück nach Girdwood. Dort wollte ich es am nächsten Tag probieren. Also, wieder ein Tag vergangen. Nicht wirklich reich an Sehenswürdigkeiten, aber viel Wasser und einem gewissen Abenteuereffekt. Beim Einschlafen dachte ich noch an die herrlichen Gletscher, die es hier zu sehen geben soll und dachte: „No rain, no glacier“ – irgendwie logisch, dass es regnet.

5. Der Weg nach Portege

Erste Station in der „Wildnis“ sollte Portege sein. Ein Ort, am Knie eines Ausläufers des Pazifischen Ozeans, nicht weit vom Prince William Sound gelegen, der nicht nur durch eine Ölkatastrophe Aufmerksamkeit (Kentern der Valdez) erreigte, sondern vor allem durch seinen Gletscherreichtum. (Die rote Line in der Karte deutet den Weg an).

Es ging relativ zeitig mit der Alaska Railroad los und ich muss sagen, die Fahrten damit lohnen sich. Panormawagons, sehr gepflegt mit einem herzlichen Boardpersonal.

Erst wurde etwas über den Landweg dahingeschippert und bald fuhren wir parallel zu einem Arm des Pazifischen Ozeans. Tolle Blicke boten sich auf die Berge, die teilweise noch leicht verschneit aber auch besorgniserregend wolkenverhangen waren. Aber das Blau des Himmels stimmte mich optimistisch, schließlich bin ich zum Urlaub da und da sollte man gutes Wetter erwarten können. Viele (einheimische!) Touristen teilten mit mir den Weg, die Schaffnerin erzählte vieles über die Umgebung usw.

Die Stimmung war gut, die Passagiere auskunftsfreudig und interessiert an allen anderen Mitreisenden im Zug (nur nicht wirklich an den Hinweisen der Schaffnerin :)) Fast schon eine Butterfahrt. Je weiter wir fuhren, desto dichter wurden die Wolken und die Aussicht auf einen Sonnentag schmolz allmählich dahin. Tja, irgendwann hielt der Zug in Portege und ich packte mich. Ein älterer Herr vor mir drehte sich um und sagte zum Abschied „Stay dry!“ und ich erwiderte (in einem Anfall von Wortwitz, von dem ich weiterhin nicht weiß, ob er überhaupt richtig ist): „I try!“

Da stand ich also in Portege. Nicht wirklich ein Bahnhof. Irgendwie ein paar Bretterbuden (wohl als Lager für vom Zug zu lieferndes Material) und nur Bretter als Bahnsteig. Aber eine Straße parallel zwischen den Gleisen der Alaska Railroad und dem Ufer. Nicht schlecht, um weiter zu kommen (trampen), nur das Wetter machte mir Sorgen. Noch war es trocken… Und wo war der Ort Portege überhaupt? Ich entdeckte eine kleine Holzhütte, zu der ich ging, um Auskunft einzuholen. Beim Nähern stellte sich heraus, dass es sogar eine Touristeninfo (!) war. Klasse. Also, Tür auf und rein. Ein überschauberer einfacher Raum, es gab ein paar Schokoriegel und Eis am Stiel, Karten und Souveniers zu kaufen. Ich fragte die Verkäuferin, wo den Portege war und sie antwortete, dass ich mich gerade in Portege befinde. Das wars also? Mehr nicht? Erinnerte mich an manchen Ort in Island 🙂 Naja, kann man nix machen. Ich erkundigte mich nach dem nächsten Zeltplatz, zeigte auf meine Karte und sie sagte, dass der „Black Bear“ (!) Zeltplatz wenige Meilen die Straße runter wäre. Ich würde ihn sehen. Bedankend setzte ich meinen Weg fort.

Schon verrückt. Ein Souveniershop mit Touristeninfo: und schon steht ein Ort in der Karte!

Als ich so lief und niemand vorbei kam, um mich mitzunehmen, konnte ich meinen Blick durch die Natur schweifen lassen und tief durchatmen. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt DA war. Nach einiger Zeit entdeckte ich am Wasserrand ziemlich große, schwarze Vögel. Richtig! Weisskopfseeadler. Nicht ganz unbeeindruckend, wenn die sich in die Lüfte erheben und durch den Wind gleiten. Leider kam ich nicht nah genug ran um sie mir genauer zu betrachten. Auch trieb mich die Suche nach dem in der Karte ausgeschriebenen Campingplatz voran. Im Nachhinein schade, da es das einzige Mal war, so viele von den Tieren zu sehen. Hinterher ist man immer schlauer…

Mittlerweile setzte der Regen ein. Mein Equipment war ja, wie eingangs geschrieben, nicht im high-end-Bereich angesiedelt. Hatte einen Hut, eine Wasserdichte Tasche von Lowa für die Kamera, einen sehr bequemen Rucksack und ich packte einfach meinen Poncho aus Vollplastik (ja, genau so einen, den auch ältere Damen beim Radfahren anhaben. Mein Freund Mauro sagte damals vor der Fahrt zu mir: „Den würde ich nicht mal auf den Fahrradsattel legen, wenn es regnet“ 🙂 ) aus, da der definitiv 100% wasserdicht war – und lief weiter. Es regnete in Strömen und ich schlich die Straße entlang – ohne die genaue Distanz einschätzen zu können. Freute mich aber über meinen regendichten Poncho und meinen Hut. Vorher besaß ich nie einen und auf einmal wußte ich nicht, warum ich so ein klasse Bekleidungsstück bisher nicht genutzt hatte. … Gedanken am Wegesrand… Ich weiß nicht genau, wie lang ich lief, aber ich kam auf eine Brücke und zack! eine Windböe ergriff meinen Hut und trug ihn weg. Nicht einfach in den Busch, nein, glatt in den Fluss, über den die Brücke führte. Ich schmiss alles hin und rannte am Ufer hinterher. Nichts zu machen, der Hut trudelte lustig in den Wogen. Ich weiß noch, wie der Verkäufer darauf verwies, dass der Hut nicht untergehen kann (es war ein Stetson), da die Krempe irgendwie mit speziellen Material ausgerüstet war. „Klasse,“ dachte ich „kann ich zusehen, wie der Hut davonschwimmt, statt unterzugehen. Was für ein Gewinn!“ Nun, dann eben ohne Hut, und das, nachdem ich mich grad so über die Anschaffung gefreut hatte. Mist. Aber wirklich! Naja, mein Poncho hatte eine Kapuze, aber der Wohlfühlfaktor (kaltes Plaste gegen wärmeres Baumwollgewebe) war weg.
So trotte ich weiter und mir kamen Gedanken. Vom Fahrkartenverkäufer (Ich bin im falschen Land, wenn ich keine Bären möchte) und der Frau in der Touristinfo in Portege (Der Campingplatz heißt „Black Bear“). Das klang beunruhigend. Ich will Landschaften schauen und keine Bären. So ein Abenteuerer bin ich nicht. Und während ich so lief, kam irgendwann an eine Lichtung, die es mir ermöglichte, kurz unter den Bäumen Rast zu machen und zu verschnaufen. Es war ein schöner Blick auf den Fluss (Portage River), im Hintergrund Berge und ein Gletscher (Portage Glacier – passenderweise heißt hier alles nach dem Ort, man hat genug Flüsse und Gletscher und muss sie nicht mehr nach Berühmtheiten benennen). Ich stellte meine Sachen kurz ab und ging ans Wasser und sah sehr aufgewühlten Kiesboden. Sah das aus wie ein Abdruck einer Tatze im Sand? Eine große Tatze? Ich weiß nicht, was es war aber ich dachte mir, wenn ich Bär wär, würde ich hier vielleicht auch fischen. Gut gelegene Stelle. Und warum nennt man einen Campingplatz „Black Bear“ wenn es in der Gegend keine Schwarzbären geben sollte? Ich trollte mich. Nächster Halt: Zeltplatz.

Und tatsächlich, ich fand ihn. Erst ein Hinweis und dann kam er. Ein Zeltplatz, schön im Wald gelegen, gut aufgeräumt für die Gegend mit seperaten Plätzen, so dass ein guter Abstand zwischen den Zelten herrscht. Für jedes Zelt ein Tisch mit Bank. Dazu eine Toilette und eine Art Trockenraum. Weiterhin, ein Standard auf den meisten Campingplätzen und für mich neu: „Footlocker“. Das sind metallene Schränke, in denen die Lebensmittel aufzubewahren sind. Es empfielt sich, die dort auch rein zu packen (Hauptsache nicht im Zelt lassen!!!), da der Geruch so manchen unliebsamen Gast anlocken könnte. Auch die Mülleimer sollten benutzt werden, damit die Bären sich nicht daran gewöhnen, auf Zeltplätzen nach Leckereien „zu betteln“. Dazu gibt es immer und überall Hinweise mit der Überschrift „Keep Wildlife wild“ sowie Verhaltensregeln für ein sicheres Campen (Was mit dem Essen machen; Was tun, wenn ein Bär auftaucht) Außer mir waren auf dem Platz noch… niemand. Wow! Allein. „Willkommen in Alaska“ dachte ich. Gerade der Zustand, allein auf dem Campingplatz „Black Bear“ zu sein und überall die Warnhinweise zu lesen, gab mir doch ein leicht mulmiges Gefühl.

Angenehm erschöpft und leicht ausgekühlt baute ich schnell das Zelt auf und legte mich rein. Herrlich, wie der Regen draußen tobt und man liegt im trockenen (ich denke, dass Gefühl können Camper mit mir teilen). Ich genoß den Abend bei einem heißen Tee und etwas Fertigsuppe aus der Tüte. Das war die Ankunft in Portege. Ich lag am Abend mit dem Reiseführer und der Karte im Schlafsack und schmiedete Pläne für den nächsten Tag. Ich wollte an den sehenswerten Portege Lake, der sich dadurch auszeichnet, dass hier der Portege-Glacier hineinkalbt. Das wollte ich unbedingt sehen, da ich in Island von der Natur – Eisberge im Wasser treibend – so beeindruckt war. Aber davon später mehr…

4. Zwei Tage Anchorage

…die wollte ich mir geben, um erst mal meine innere Uhr umzustellen, die ja immerhin zwölf Stunden vorging. Aber auch, um zu fühlen, wie die äußere Uhr in dem Land tickt. Das war der Plan.

Ich „checkte“ also in das Motel (Jasons Youth-Motel) ein und war leicht verunsichert. Statt einer klassischen Jugendherberge voll mit Touris (was ich nicht wirkich erwartete :-)) war es ein Sammelsurium von gestrandeten Amerikanern, die in Alaska das Glück suchen wollten oder bereits wieder vorloren hatten. So war das Motel eine günstige Unterkunft und gleichgesinnte Glückssucher im schnuckeligen acht-Bett-Zimmer mit Doppelstockbetten. Insofern wurde ich wohl auch von den Bewohnern etwas skeptisch betrachtet – ein Deutscher, Rucksack mit dem Ziel Arktischer Ozean. Urlaub macht man eingentlich anders in Amerika… Richtig wohl fühlte ich micht nicht. Die Leute gingen vorzugsweise dem Fernsehen und Biertrinken nach, was auch kaum einen Feierabend fand, da die Sonne bereits mehr als 20 Stunden schien und damit der Tag-Nacht-Rhythmus auch bei den Bewohnern etwas kippte. Überraschenderweise gabs für mich fast kein Jetlag (was ich dagegen für den Rückflug nicht behaupten kann).

Mir wurde klar, dass ich nicht allzulang da bleiben wollte. Etwas small-talk mit den Mitbewohnern, aber viel mehr allein in der Stadt unterwegs. Das erste Mal in den USA wurden mir auch die Dimensionen deutlich. Mal schnell einen Block „um die Ecke“ gehen, ist dort schon ein beschaulicher Wandertag. Alles etwas größer dimensioniert. Die Stadt selbst ist nicht sehr spektakulär, das Zentrum typisch wie viele moderne Städte. An der Peripherie hingegen gab es ein paar Sehenswürdigkeiten. Unter anderem ein Haus, was gut mit Rentiergeweihen (oder sind es Caribous?) verziert war, was ich auch gleich fotografieren musste.

Just kam auch gleich eine Frau aus dem Haus gestürmt und wollte wissen, für wen das Foto wäre. Ich erwiderte, dass es eine Urlaubserinnerung ist. So richtig wollte sie es nicht glauben, lies mich dann aber ziehen. Okay: „1. Lektion: Achte die Privatsphäre der Bewohner im großem Radius“ gelernt. Deshalb blieb es auch erstmal mein einziges Bild in Anchorage.

Ich tingelte durch die Stadt, nutzte die preiswerten Busse (für einen Dollar quer durch Anchorage und zurück, wenn man will) und plante beim Kaffee den nächsten Schritt. Ziel war zwar der Arktische Ozean, aber zum Eingewöhnen wäre der Süden nicht schlecht. Halbwegs bewohnt, tolle Gletscher, zu der Zeit (wie ich hoffte) weniger Bären (die erwachen ja erst aus dem Winterschlaf und müssen angelaufen kommen – eigenartiger Gedanke im Nachhinein), etwas Infrastruktur und wenn es nicht gefällt oder mich überfordert, kann ich zurück nach Anchorage und hier meinen Urlaub „aussitzen“. Außerdem gute Anreise mit der Alaska-Railroad – immerhin der TopTipp der Frau am Flughafen, wenns ums Reisen geht. Also ging ich zum Bahnhof, erkundigte mich nach Abfahrtzeiten, Buchungsmöglichkeiten usw. Ich wollte gern bis in den Süden (zeigte meine geplante Route auf der Karte) nach Seward mit ein paar Unterbrechungen (u.a. Prince William Sound, dazu später mehr). Der Mann am Schalter war etwas irritiert, weil er nicht so recht wusste, warum ich das will. Ich erklärt ihm in Ruhe (Zeit haben dort übrigens viele Menschen!), warum ich in den Süden will (Süd-Alaska checken bevor ich nach Norden gehe und die Hoffnung, weniger Bären anzutreffen), worauf er herzlich lachte. Denn er meinte, wenn ich keine Bären mag, wäre Alaska wohl das schlechteste Reiseziel. Der machte Mut! Aber er verkaufte mir ein Ticket, ich ging zurück in die Stadt, kaufte im Supermarkt Lebensmittel für die Reise und – ganz wichtig – eine vernünftige Karte! Die Buchhändler in Deutschland konnten mir nichts gescheites anbieten (sicher auch aus Unwissenheit, was kein Vorwurf sein soll, denn so oft wird sowas sicher nicht verlangt) und das meist auch zu hohen Preisen. Oft wurde mir angeboten, Spezialkarten zu ordern, groß und sperrig und teuer. Aber von jedem Punkt der Erde, wenn ich will. Wollte ich aber nicht und dachte: „Die Karten hole ich mir vor Ort. Da sind kundige Leute und die haben sicher auch eine gute Auswahl an Karten.“ So fand ich in der City einen entsprechenden Shop und wurde nach einigem Betrachten verschiedener Angebote fündig. Der Alaska Atlas & Gazetteer vom deLorme Verlag. Den kann ich jedem dringend empfehlen. Zwar ein etwas unschönes Format (DIN A3, passt aber gut in den Rucksack), dafür detailfreudig bis ins Kleinste mit guten Infos für Wandernde aber auch Autofahrer (alle Pisten abgebildet), halbwegs robustes Papier und ein ausgesprochen guter Preis. Den hab ich gekauft (wundere mich, warum der mir in Deutschland nicht angeboten wurde, auch nicht bei Bestellung) und bin zurück zu Jasons Motel. Dort schnell ins Bett gehüpft, da ich am nächsten Tag beizeiten raus musste. Ich klärte noch mit dem (äußerst freundlichen!) Herbergsvater ab, dass ich ein paar Sachen bei ihm lassen kann, die ich nicht unbedingt im Süden brauchte und die ich dann in ca. 6 Tagen abholte. Somit hatte ich einen Aufpasser (was bei der Gesellschaft vielleicht nicht unwichtig war) und, was noch wichtiger ist, jemanden, der weiß, wo ich hin will und wann ich zurückkomme. Immer empfehlenswert bei solchen Trips, wie man mir vielerorts beteuerte.

Und so ging es los, mit der Alaska Railraod Richtung Süden.

3. Abflug Frankfurt Main und Ankunft Anchorage

Der Abflug und die Ankunft

Angekommen am Flughaben Frankfurt/Main wurde am Gate schnell deutlich, dass es nach Alaska geht. Irgendwie sahen die dort wartenden Passagiere nicht so aus, als ob die sich auf einen schönen Sommerurlaub vorbereitet hätten. Viele offensichtliche Angler, mit typischen Hüten (sogar die Angelhaken waren da befestigt – dachte, das wäre im Flugzeug verboten?) und Anglerzeitungen für die Reise 🙂 An den Raucherinseln „gab man es sich noch mal richtig“, bevor es die nächsten 12 Stunden nikotinfrei zugehen würde. Es war schon ein interessanter Anblick und ein sehr eigenes Gefühl, bald „durchzustarten“. Das Gefühl hatte wohl nicht nur ich, denn man war sehr redseelig. Ein Anglertyp sah mich, kam nach einem kurzen Blicktest auf mich zu und fragte, wohin ich wolle. Naja, dachte ich, offensichtlich wie er, irgendwohin nach Nordamerika. Da ich zum damaligen Zeitpunkt, relativ frei in meinen Reiseplänen, nicht konkreter werden konnte, konnte ich nur die schmale Antwort „Alaska“ über die Lippen bringen. Sofort wurde ich verwickelt in Gespräche über das Land, das Angeln und überhaupt. Ich erfuhr, dass er schon mehrmals dort gewesen wäre, immer in die Nähe von Talkeetna fährt (ja, den Ortsnamen hab ich schon gelesen, dachte ich) und dort die Lachse rausholt. Zu Recht voller Stolz holt er eine Angelzeitung aus seinem Gepäck und zeigt auf ein Bild: er mit riesengroßen Lachs, veröffentlicht in einer Fachzeitschrift. Und da ich allein reise, könne ich gern bei ihm auf einen Fisch Zwischenstopp einlegen, wenn ich denn in seiner Nähe vorbei kommen würde. Das wusste ich natürlich zu dem Zeitpunkt nicht und so habe ich mir auch die Adresse nicht gemerkt, die mehr als ungenau war (an irgendeiner Flussabbiegung an irgendeiner Hütte) und ich wohl auch nicht hätte finden können. Nett wars trotzdem, spontan eingeladen zu werden.

Und irgendwann gings los, ab in die wie immer für meine Körpergröße zu enge Sitzreihen, was auf Langstreckenflügen nicht wirklich Spass macht. Der Flug ging über

Deutschland, vorbei an Skandinavien und Island hart auf die Arktis zu. Ein irgendwie sehr beunruhigender Anblick aus dem Fenster – das (nicht mehr ewige) Eis unter einem, das Wissen, dass da nicht viel los ist, falls es einen Ernstfall geben würde. Stundenlang ging der Flug über die Eislandschaft, die sich imposant unter einem ausbreitete.

Und irgendwann machte das Flugzeug einen Dreh, nach einiger Zeit begann das Eis zu verschwinden und immer mehr Festland wurde sichtbar: Kanada. Der Flug steuerte das Zwischenziel Whitehorse an.

In Whitehorse gab es einen kurzen Aufenthalt für ca. 1 Stunde, die Passagiere, die nach Anchorage wollten, konnten sitzen bleiben, der Rest verließ den Flieger, neue Passierge stiegen für den letzten Sprung dazu. Die Einflugkarte über Kanada nach Anchorage habe ich mal rechts hier im Blog eingestellt und mit roten Linien den etwaigen Flug markiert.

Dann ging es weiter von Whitehorse nach Anchorage – die letzte Stunde. Der Blick aus dem Fenster des Flugzeug machte mich wirklich unsicher, ob dieser Urlaub gut werden würde, ob ich in das Land da unten tatsächlich reisen möchte oder ob es nicht besser wäre, am Flughafen den nächsten Rückflug zu ordern…

Denn was das Land, welches immer noch verklärt in meiner Vorstellung war, zur Begrüßung aus der Vogelperspektive bot, war nicht wirklich einladend. Berge und Schnee. Aber was hatte ich erwartet? Alles sah ein wenig leblos und fad aus und ich malte mir die kommenden Wochen aus. Ein Leben als Bergschrad? Der Mann aus den Bergen? Ich gegen den Schnee? Und wenn der Schnee nicht da ist, kommen dann die Bären? Ich war schon etwas verunsichert 🙂

Da der Reisebericht hier nicht abbricht, kann man davon ausgehen, dass ich nicht den nächsten Flieger zurück Richtung Heimat nahm, sondern erstmal beschlossen habe, mir Anchorage anzuschauen und zu entscheiden, wie es weiter geht. Vielleicht wirds auch nur ein Anchorage-Urlaub? Der Arktische Ozean ist ja das eigentliche Ziel, aber wie ich dorthin gelangen kann und ob ich das nach der Landung noch möchte, war mir nicht klar. Meine „Methode“ ist es, erstmal in der Zivilisation eines Landes (Hauptstätte sind da meist ganz gut) die Stimmung erfühlen, ein paar Informationen abgreifen und direkt vor Ort zu planen. Damit bin ich bisher immer gut gefahren.

Am Flughafen in Anchorage angekommen, begrüßte mich erstmal die Security mit den üblichen Standards der USA (Was wollen Sie hier? Wie lang bleiben Sie hier? Haben Sie eine Unterkunft? usw. nebst den Standardritualen: Fingerabdrücke sammeln und Foto machen). Ein großer, ausgestopfter Eisbär, der wohl hier erlegt worden ist, begrüßte die Neuankömmlinge im Foyer.

Ich habe die ersten Infos zusammengesammelt und überlegt, ob ich mir einen PKW mieten sollte. Diese sind „relativ“ erschwinglich und versprechen ja immer etwas Unabhängigkeit. Gesagt getan, einen günstigen geordert und – bereut. Denn ich sah nach Vertragsabschluss, dass er neben den eigentlichen Mietkosten noch eine Menge Nebenkosten mit sich brachte, die bei den Erklärungen des Vermieters wohl nur sehr leise erläutert worden sind und/oder mich mein Schulenglisch im Stich gelassen hat (was mir auch als sehr wahrscheinlich erscheint). Mist! Stornieren oder Ignorieren? Irgendwann war ich relativ allein auf dem Flughafen und eine Frau mit blumiger und luftiger Tracht kam auf mich zu und fragte, ob sie mir helfen könne. Ich erörtere meine Überlegungen (Mietwagen oder nicht), sie schaute auf den Beleg und meinte nur „bad deal“. Wir kamen ins Gespräch und schnell stellte sich heraus, dass Sie ebenfalls aus Deutschland sei und seit vielen Jahrzehnten in Alaska lebt und am Flughafen als Touristenguide tätig ist, wenn die Deutschen Touris einmal die Woche eintreffen. Sie fühlt sich wohl in dem Land und kann nur empfehlen, auf das Auto zu verzichten und die Bahn zu nehmen. „Wenn man Alaska bereist, dann gefälligst und ausschließlich mit der Alaska Railroad!“, so ihre Meinung. Sie nahm mich bei der Hand, wir gingen zum Autovermieter und sie schaffte es tatsächlich, mich aus dem Vertrag zu boxen. Superklasse!

Okay, dann stand ich da, mit einer Adresse in der Hand für mein gebuchtes Motel, die Busse fuhren irgendwohin (nur wohin?) und nach einigen Fragen und der Unterstützung der gleichen „Ex-Germany-Lady“ (die mittlerweile Feierabend machte) fand ich meinen Bus und fuhr in die City.

…wird fortgesetzt

2. Vorbereitungen

Vorbereitungen

Zuallererst: Ich bin definitiv kein High-Tech-Trecker. Jedoch habe ich auf meinen kleinen Touren erkannt, dass manche modernen Tools ganz hilfreich sein können. Um jedoch bestimmen zu können, was man so für eine Reise benötigt, helfen i.d.T. gute Reiseführe. Nach dem Sichten diverser Exemplare und manch wirklich sinnfreien Blindkauf (siehe Marco Polo, der tatsächlich an einigen Stellen soweit geht, sinnvolle Ratschläge in der Art zu geben, z.B. dass man sich in Alaska nicht mit den Bären anlegen sollte (ein für mich bis dahin nicht bedachter Hinweis, hätte ich doch glatt versucht, den ersten Bären, der mir begegnet, abzurichten oder zu jagen) und die männlichen Bewohner des Landes in den Kneipen (sozusagen die Ex-Goldgräber) durchaus Alkohl vertragen und ungemütlich werden können (wohl auch ein landestypisches Phänomen, was mir bisher nie unterkam) aber verschweigt, wie man sich ganz gut fortbewegen kann, wo man gut unterkommt usw. – aber das alles nur am Rande) kam ich zu den meistens doch brauchbaren Lonely Planet Reiseführer. Der war für die ersten Vorbereitungen eine gute Stütze und lieferte auch wirklich brauchbare Detailinformationen.

Im Laufe meiner Reise zeichnete sich immer mehr ab, dass das Land nichts mit meinen Vorstellungen von absoluter Wildnis zu tun hat, in denen alles immer verschneit ist und der Kampf ums Überleben an der Tagesordnung steht. Jedenfalls nicht im Sommer und ich vermute, auch nicht im Winter. Dazu später vielleicht noch mehr. Dennoch, ein paar dicke Socken sollte man bereit halten. Nein, im Ernst, grundlegende Sachen, die mir wichtig erschienen, waren ein relativ vernünftiges Zelt (für meine Reise war es ein Salewa Sierra Leone welches schon in Island perfekt war und als eines von wenigen einen nächtlichen Sturm auf der Insel standhielt, nochmal einen Dank an meine Ausleiherin Cordula!), eine gute Isomatte (Therm-A-Rest, wunderbar dämmend, selbst bei -10 Grad kam nichts durch) und ein Daunenschlafsack (Günstigprodukt von Moorhead, das bis -20 Grad arbeitet und mit dem ich wirklich sehr gut klar kam, kostete 70 Euro). Damit war „mein Hotel“ schon mal ausgestattet. Wichtig war weiterhin halbwegs gute Kleidung: Das Zwiebelprinzip ist empfehlenswert. Sprich: lieber mehrere Schichten von Kleidung übereinander, als eine dicke Hose und Jacke, so dass man bei Bedarf einfach eine „Schale“ ablegen oder drüberziehen kann. Auch wichtig, und das gilt insbesondere für den Süden: wasserdichte Kleidung! Schnelltrocknend, leicht und funktional. Dafür muss man aber wirklich keine Unsummen ausgeben. Ich hatte beispielsweise eine Hose aus Mikrofaser von Asics, die (wenn man sie nach dem Waschen bügelt) zumindest gut wasser- und schmutzabweisend ist und wunderbar schnell trocknet (kostet ca 50 Euro). Dazu noch lange Thermounterhosen (im Sommer gar nicht einfach in Deutschland zu bekommen :)) Für den Oberkörper gabs Funktionswäsche, die ich auch beim joggen trage. Dazu ein paar Fleecejacken und was wasserdichtes obendrauf. Seit Island habe ich auch die Funktion von Hüten immer mehr schätzen gelernt. Kopfbedeckungen sind „dort oben“ keine schlechte Idee. Halten warm, schützen vor der Sonne, vor Regen und – Mücken! Gerade letztgenannte sind im Sommer in Zentralalaska der absolute Hammer und können den Reisespaß stark beeinträchtigen (habe mir ein Moskitonetz für meinen Kopf mitgenommen – zum Glück, denn das wäre sicher ein Grund gewesen, den Urlaub abzubrechen). Schuhe sollten bei mir wasserdicht aber vor allem unendlich bequem sein. Dazu über die Knöchel gehen, da dies doch gut stützt. Ich hatte keine Lust, irgendwo im Graben mit einem Bänderriss zu liegen. Habe mir welche von Raichle gekauft, nachdem ich lange nach welchen gesucht habe, die auch wirklich bequem sind. Die sinds (und fungieren auch super als Winterschuhe hier in Deutschland, wenns mal herrlich matschig und nass ist!) Damit hätte ich die Kleidung.

Was fehlt? Ein Rucksack! Auch hier stand Funktionalität weit oben, wichtiger war mir jedoch noch der Tragekomfort, wenn man mit dem Teil alles vier Wochen bewegt. Nach einigen Tests entschied ich mich für einen von Lowa AlpinPro (ich hoffe, der heißt so). Ich denke, meine Ausrüstung hält sich finanziell in Grenzen (zumal ich nicht viel neu gekauft habe ausser Rucksack, Iso-Matte, Schuhe und Schlafsack, was zusammen ca. 400 Euro kostete. Klingt nicht wenig im Vergleich zum Badeurlaub am FKK Strand, aber ich trage die Sachen durchaus auch jetzt (sind relativ salonfähig) und spare aufgrund des Campens mehrere tausend Euro für die Alaskatour ein, denn eine geführte Tour mit Hotelunterkunft und Transport beläuft sich sehr schnell auf 3000-4000 Euro. Und: darüber hinaus erlebe ich das Land im Gegensatz zu den Bustouristen, die entnervt sind (ich konnte mit vielen reden)).

Ein kleine Anmerkung: Ich liste die Preise, damit sich Planende ein Bild machen können, was auf sie eventuell  finanziell zukommt und ich darüber hinaus deutlich machen möchte, dass man keine 1000de Euro für einen Trip an die „Grenze der Welt“ ausgeben muss, wie das häufig suggeriert wird. Aber ein bisschen Ausstattung kann nicht schaden.

Ansonsten noch eine gute Kamera (Lumix FZ-20 wars damals, klasse Kamera, alles dran für jegliche Fotosituation, super Zoom, klasse Objektiv usw.) und Akku sowie Ladegerät und Netzadapter um Bilder für die Daheimgebliebenen zu schießen, ein GPS Kompass (Garmin eTrex, wohl einer der Billigsten, aber mit bester Stand-by Zeit und Nutzung von normalen AAA-Baterien (wichtig, wenn man 14 Tage nicht an einer Steckdose vorbei kommt). Das Gerät ist wasserabweisend und erfüllte alle Ansprüche für die normale Orientierung, um abends das Zelt zu finden (nützlich) und auch wieder nach Hause zu kommen (ich will ja schließlich auch die Bilder zeigen). Handy kann getrost zu Hause bleiben, in Alaska gibt / gab es keinen Empfang außerhalb der Städete. Innerorts wiederum benötigt man ein Telefon, welches das amerikanische Netz unterstützt. Natürlich noch Kreditkarte (wir sind ja in Amerika, Mastercard ging überall problemlos), Reiseführer, Taschenmesser usw. Auch Taschenlampe bleibt von Mitte Mai bis Anfang August zu Hause, ist fast immer hell da – zumindest im Norden 🙂 Eine Krankenversicherung ist noch zu empfehlen (preiswert und nicht unwesentlich bei dem amerikanischen Gesundheitssytstem und dem Trip). Tja, alles andere wichtige habe ich wohl vergessen 😉 Fragt einfach nach.

Der erste Schritt wurde noch geplant: Flug und Unterkunft in Anchorage für ein/zwei Tage, um mich zu aklimatisieren. Flug war günstig (Mitte Mai bis Mitte Juni für ca. 600 Euro hin und zurück!) und für die Unterkunft mietete ich mich aus Deutschland in einem günstigen Hostel übers www ein. Es empfielt sich, für die Einreise nach Amerika einen festen Aufenthaltsort angeben zu können. Dieser wird auf den Einreiseformularen nachgefragt.

Und dann ging er los: der Sprung ins kalte Wasser 🙂

(kurze Anmerkung: Vielleicht bin ich – nach der langen Zeit – etwas ungenau. Wenn es jemanden interessiert und mehr Informationen gewünscht sind, so soll er/ sie mir einfach mailen.)

1. Einleitung

Ist schon ein paar Tage her, als ich beschlossen habe, mir mal Alaska genauer anzusehen. Mittlerweile sind 3 1/2 Jahre vergangen, in denen ich immer mal niederschreiben wollte, was ich so erlebt habe. Drei „Warums?“ beschäfigten mich zu Beginn der Zeilen, bevor ich anfange. Die will ich hier kurz klären:

1.“Warum Alaska?“

2.“Warum einen Reisebericht ins Netz stellen?“ und

3.“Warum erst jetzt einen Reisebericht?“

Das möchte ich vor den eigentlichen Schilderungen kurz klären.

1. Warum Alaska?

Es fing mit dem Entdecken der Alpen an. Berge, Schnee, oben unter den Wolken sein, das war was, bei dem mein Herz spürbar schneller schlug. Und so kam es, dass ich mich irgendwann auf einen „Ausflug“ nach Island wagte (vielleicht gibts dazu auch mal einen Bericht mit Bildern?). Dieser Urlaub entfachte in mir endgültig das Interesse für die etwas kargeren Landschaften, die roh da liegen und den Eindruck vermitteln, dass man ihnen nichts anhaben kann, sie den Besucher aber zum kompletten „Ausklinken“ herzlich (!) einladen. Die Gletscher und Vulkane, die Berge und Geröllwüsten aus Lava, der Wind, die Ruhe. Alles etwas anders, uriger und ruhiger. Und so schaute ich mal hier mal dort auf die Landkarte und merkte immer mehr: „Ja, Alaska, das wär mal was!“ Und aus dem Gedanken wurden schlussendlich Wünsche und die durfte ich mir verwirklichen. Mein Traum aus dem heimischen Wohnzimmer. Einmal quer durchs Land. Von Süden (Seward) nach Norden (Prudhoe Bay am Arktischen Ozean). Und, dort angekommen, Füsse ins Wasser halten und sagen: „Ich bin da!“ 🙂 Das war das Ziel und die Motivation.

2. „Warum einen Reisebericht ins Netz stellen?“

Aus meiner Motivation wurde eine immer stärkere Leidenschaft und ich las hier und da über das „Weite Land“, was angeblich die Übersetzung des Wortes Alaska bedeutet. Viele Vermutungen hatte ich über das Leben dort. Oft Vorstellung von eisigen Tagen, wilden Tieren, wenig Menschen usw. (manches stimmt wohl auch :)) Das bedeutete aber auch, die Reise sollte im Vorfeld etwas genauer geplant werden, zumal es sich abzeichnete , dass ich allein losziehe. Dabei fiel mir auf, dass die (wenigen) Berichte und Informationen, die ich von Alaska sammeln konnte, häufig sehr schmal oder fragwürdig waren (z.B. Marco Polo Reiseführer), andere meine geplante Nord-Süd Route nicht aufzeigten. Selbst bessere Reiseführer, die von sich behaupten, Alaska von A-Z zu beschreiben, starten irgendwo im Süden und enden meist in Fairbanks, also auf „halber Strecke“. Da fehlten doch tatsächlich die anderen spannenden Meilen bis zum Arktischen Ozean, ca 700 Meilen, wo keine Menschen mehr sind, die Natur widriger wird und die Versorgung auch etwas knapper. Und wie mir später ein Bewohner Alsaksa berichtete, fängt das eigentliche Alaska erst hinter Fairbanks an. So dachte ich mir, dass ich, wenn ich wieder zurück bin, einfach mal meine Erfahrungen ins Netz stelle, falls es Leute gibt, die auch auf der Suche nach Informationen sind und nichts finden.

3. Warum erst jetzt einen Reisebericht

Ja, 3 1/2 Jahre sind vorbei. Hin und wieder dachte ich an den Bericht, aber mich haben immer wieder die alltäglichen Dinge des Lebens wie Broterwerb und Freunde daran abgehalten, das kleine Schreibprojekt durchzuziehen. Nun, aufgrund von anderen Reiseberichten aus aller Welt, die ich jüngst im Netz fand bekam ich zum einen Lust und durch die jüngeren Alaskaberichte wurde ich bestätigt, dass es wenig Leute gibt, die den Sprung hinter Denali, Fairbanks und die Brooks Range beschreiben. Dann sollte ich also dochmal ran 🙂