Archiv der Kategorie: Musik

Glenn Gould – Johann Sebastian Bach: Goldberg Variationen, BWV 988

 

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„Wer sich mit Bachs Klaviermusik beschäftigt wird unweigerlich auf Glenn Gould, den wohl eigensinnigsten, auf jeden Fall aber bekanntesten Bach-Interpreten stoßen. Ich finde Goulds zweite Einspielung der Goldbergvariationen wunderbar, da ich die erste allerdings nicht kenne, kann ich nicht sagen, welche „besser“ ist, falls sich das überhaupt sagen lässt. Gould schöpft hier die ganze Bandbreite von innigem, feinfühligem Spiel, wie etwa in der Aria, bis hin zu glanzvollem Virtuosentum aus, und das immer mit seinem einmaligen Anschlag, phantastischer Herausarbeitung der jeweils bedeutenden Stimmen und seiner ganz eigenen Interpretation, die Musikgeschichte schrieb. Für alle, die Bachs Klaviermusik schätzen natürlich ein absolutes Muss.“ (Quelle: http://www.amazon.de/Glenn-Gould-Bach-Goldberg-Variations/dp/B000025NYA/ref=sr_1_2/302-2294176-8192004?ie=UTF8&s=music&qid=1187511590&sr=1-2)

Funkstörung – Appetite For Disctruction (2000)

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„Nach dem vielbeachteten Release von ‚Additional Productions‘, der Compilation ihrer hochgehandelten Remixarbeiten, standen Funkstörung viele Ohren und Türen offen. Das Remiximperium von Funkstörung und ihr eigenes Label ‚Musik aus Strom‘ brachten frischen Wind in den musikalischen Ort, der als Intelligent Dance Music, kurz IDM, bezeichnet wird. Klassifizierungen sind natürlich unfein, aber im Fall Funkstörung waren sie schon hilfreich, zumindest wenn man die üblichen Analogien wie Autechre oder Aphex Twin scheut. Was dabei oft übersehen wurde und auf ihrem Album ‚Appetite For Disctruction‘ transparent wird, ist die Faszination der beiden Rosenheimer für darke Grooves und grazile Melodien, deren Ursprünge im HipHop zu finden sind. Klar, wer einmal Funkstörung gehört hat, weiss das. Aber jetzt ist dieser Kontext durch MCs und Sängerinnen einfach so offensichtlich, dass man fast darüber stolpert. Bei ‚Additional Productions‘ war noch eins auf den ersten Blick erkennbar: die Art, wie Funkstörung remixen. Das sprang ins Auge, also ins Ohr. Das war schon die totale Abstraktion und Übernahme des Ursprungtracks. Aber Anarchie war es dann trotzdem nicht. Eher klang es wie stundenlanges Legospielen mit Effekten. Die Vocals und Melodien flogen irgendwo darüber in Spiralen aus Kondenzwasser. Björk fand es jedenfalls super und alle anderen dann auch. Das war Rekonstruktion an der Basis und die Liebe zu zarten Melodien im Orbit. So wie Funkstörung spielt natürlich sonst keiner, aber darin liegt wahrscheinlich auch der Reiz, warum Menschen überhaupt Funkstörung mögen. Was ist jetzt anders? Funkstörung bekennen sich zur menschlichen Stimme. Deren Integration in ihren Sound, mit zerschredderten Beats und Störgeräuschen dazwischen, verändert alles. Man hört den Mensch, nicht nur den Rechner. Auch wenn alles nochmal durchs Effektgerät gejagt wurde. Eigentlich bräuchte man vier Ohren, um die Musik in ihrer Fülle aufnehmen zu können. Geht aber nicht. Was bei den früheren EPs wie ‚Funkentstört‘ und ‚Sonderdienste‘ (beide Compost) noch Breakbeatspuren trug und insgesamt harmoniebedürftiger wirkte, ist jetzt ins Unerkennbare verzerrt.“ (Quelle: http://www.de-bug.de/texte/1320.html)

Fluxion – Vibrant Forms II (2000)(2 CD)

 

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„Unter der Oberfläche von Techno, unter der Oberfläche des Rhythmus, unter der Oberfläche der Stadt – da klingt die Musik von Fluxion. Gedämpftes Pochen und rauschendes Pulsieren, schlierendes Knistern und sanftes Dröhnen, wie gefiltert durch Stahlbeton, Ziegelsteine und Asphaltschichten, wenn nebenan die U-Bahn vorbeifährt. Großstadt-Musik aus Berlin, die, wie so vieles, was Techno seit einiger Zeit wirklich spannend macht, Lee „Scratch“ Perry und Scientist mehr schuldet als Kraftwerk. Denn das hier ist nicht Techno im Sinne von Oberflächenmusik für den schnellen Effekt. Das hier ist eher der verwehende Abdruck einer Technoparty, die an diesem Ort gestern stattfand.

Musik von dahinter. Hier bestimmen der mächtige Bass und zerfaserte Oberflächen das Geschehen – erhaben, edel und mit kirchenschiffgroßen Räumen. Klar, es pulsieren auch Beats, manchmal zischeln sogar HiHats, beides oft genau andersrum, als der Bass erst denken lässt. Aber das alles ist nicht wichtig. Denn unter jener Oberfläche von Fluxion, im dreidimensionalen Raster der tiefgründigen Texturen, kann der Hörer von Euphorie bis Entspannung, von Wärme bis Kälte, von Unterwasser-Zeitlupe bis Tanzwiesen-Party alles herunterladen, was seine Stimmung gerade vorgibt. Zugleich. Ergreifend wie alles auf Chain Reaction, Basic Channel und Rhythm & Sound. Musik mit unglaublich viel Raum für Notizen. Musik über die Seele anderer Musiken. Und da denken immer noch Menschen, Techno habe keine Gefühle.“ (Quelle: http://www.intro.de/platten/kritiken/23026924)

Fanfare Ciocarlia – Baro Biao (1999)

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„Wer dieses wilde Dutzend rumänischer Blasmusiker je einmal live erlebt hat, wird seine, durch jahrelange Musikbeschallung von westeuropäischen Umpa-Pah-Bierzelt-Musikern gefestigten Vorurteile schnell über Bord werfen. Dumpf ist hier gleich gar nichts. Die Fanfare Ciocarlia, das Blasorchester aus den Karpaten, kommt gewitzt und filigran, schnell, irrwitzig und schräg daher. Ob man sich nun auf dem zweiten, Baro Biao betitelten Album über Tango, Polka oder orientalische Weisen hermacht — die Lieder auf diesem alternativen Hochzeitsalbum (Baro Biao = Grosse Hochzeit) sind ein grosses Vergnügen. Neben den zu Recht hochgelobten Taraf De Haidouks sind Fanfare Ciocarlia die zweite grossartige World-Musik-Band aus Rumänien.“ (Quelle: http://www.phpbb2plus.de/shop/B00002DEG3/Baro_Biao.html)

Biografie zur Band auf laut.de

The Experimental Pop Band – The Tracksuit Triology (2001)

 

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„„Why Do You Have To Go Out With Him When You Could Go Out With Me“ ist einer der schönsten Titel der Brilliant Corners und der Welt überhaupt. Kein Schopenhauer, keine Leidmetaphysik, kein Schmerz, der verbrämt wird, indem man versucht, Sinnnektar aus ihm zu saugen. Nur die Frage: Wieso ist dieses Mädchen jetzt nicht hier? Das ist lang her, und der das sang, kommt aus Bristol, heißt Davey Woodward und ist nun Meistergeist der Band, die sich nach der legendären West Coast Pop Art Experimental Band benannte. Erstere hat hier nicht weniger als ihr Opus magnum vorgelegt. Mit Bläsern, Analog-Synthies, Spinett-Sounds, Orgeln und Trippigem entfaltet sich ein Kaleidoskop des zwar eklektizistischen Verquirlens, welches gleichwohl souverän an der Beliebigkeitsfalle vorbeisteuert und das bewahrt, was man so gern die eigene Handschrift nennt.

Disco Tex meets Beat Club meets Burt Bacharach embraces Jonathan Richman, und die Melange aus Coolness und Unsicherheit in seiner Stimme says hello to the less boring sides of Stereolab, zeigt Blur (anno ‘95, vor der Prätention) und Space, was eine Harke ist, klingt auch mal wie Velvet Underground im Portishead-Mix und, was dabei wie ein echtes Wunder klingt, endet dann nicht als Sieg der Cleverness beim Wer-kennt-sich-besser-in-der-Musikgeschichte-aus-Wettbewerb, sondern bricht dir das Herz, so dass es besser wäre, du hättest jemanden, der dir die Fragmentchen wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammenwachsen lässt und das Farnkraut der Liebe auflegt. Wenn das Budget nur für eine Platte reicht, dann seid weise und ersteht, bitte, diese. Und wenn die floppt, dann will ich Metzger werden oder mich neuen aufregenden Extremsportarten wie Rindfleisch-Eating zuwenden.“ (Quelle: http://www.intro.de/platten/kritiken/23027627)

Dead Can Dance – Aion (1990)

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„Die 1990 erschienene CD von Dead Can Dance wird durch ein Cover geziert, welches einen Bildausschnitt aus „The Garden of Delight“ von Hieronimus Bosch zeigt. Der spätmittelalterliche Maler (verst. 1516) kündigt somit schon den Stil des Inhaltes der an. Diesmal haben sich die Mannen und die Dame um Dead Can Dance mittelalterlichen Klangwelten zugewandt.

Aion ist das dem Mittelalter am nähesten Dead Can Dance Album. Aion verbindet perfekt die Moderne (synthethische Beats und Flächensounds) mit altertümlicher Musik (Horn, Schalmei und sakraler Gesang). Atmosphäre entsteht durch diverse Samples wie z.B. Vogelgesang oder das Geräusch von Regen und Donner. Das Album „Aion“ ist in sich schlüssig und eine absolut runde Sache. Die Stücke harmonieren wunderbar miteinander und man vermag letztendlich nicht herauszuhören, welches der Stücke im 20 Jhd. von Dead Can Dance komponiert (Copyright Sowan)worden ist und welches aus dem Mittelalter stammt. Die Instrumentalisierung der Musiker und das Einfühlvermögen der Band ist so groß, daß man wirklich meinen mag, man sein zurückversetzt in der Zeit. Lisa Gerrard fängt die Stimmung der Musik mit ihrer Stimme und setzt sie in das Ohr des Zuhörers. Auch Perrys ausdrucksstarker Gesang läßt letztendlich keine Wünsche offen.“ (http://www.dooyoo.de/musik-alben/aion-dead-can-dance/1105366/)

Burnt Friedman & Jaki Liebezeit – Playing Secret Rhythms (2002)

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„Bernd Friedmann und Jaki Liebezeit bilden das Dream-Team diesen Frühlings. Jaki Liebezeit, der schon Can und den Club Of Chaos mit seinem geerdeten Drumming den gelassenen Swing verpasste, grooved hier mit Elektronik-Frickler Friedmann wunderschön gelockert. Dabei beruhigt der alte Mann ungemein mit seinen ihm eigenen schlackernden Rhythmen und festigt den Melodie-Kosmos. Faszinierend erlebt man immer wieder, wie er anscheinend aus der Spur läuft, um mit dem nächsten Schlag wieder sorgenlos den Punkt zu treffen. Auf seinen Organismus aus Rhythmus treffen dann Bernds liebevolle Soundspielereien. Verschreckten einen bei vergangenen Platten noch die ultra-nervösen Beatkonstrukte und hibbeligen Klanggebilde, scheint der Kölner mit zunehmendem Alter ruhiger zu werden. Vielleicht liegt das aber auch an den geladenen Musikern, die Melodien mit Vibraphon oder Acousticbass über Beats und Sounds legen. Zusammengefügt und editiert hat Bernd Friedmann am Ende der Sessions die Tracks selbst. Sein einzigartiges Sounddesign pendelt dabei ein weiteres Mal zwischen instrumentalem Reggae-Dub und elektronischem Jazz. So gelingt den Beiden mit „Secret Rhythms“ ein verspieltes, langlebiges und eigenartiges Album.“ (Quelle: http://www.amazon.de/Playing-Secret-Rhythms-Friedman-Liebezeit/dp/B000063TCI/ref=sr_1_3/302-2294176-8192004?ie=UTF8&s=music&qid=1187518395&sr=8-3)

Black – Wonderful Life (1987)

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„In meiner mittlerweile fast 500 CD umfassenden Sammlung ist dieses Debut Album des Sängers Black immer noch ein absolutes Highlight und landet regelmäßig in meinem CD Player. „Wonderful Life“ ist ein durchweg gelungenes Album das höchstens ein klein wenig bei den nur auf CD gepressten Bonustracks ab Titel Nummer Elf ein wenig schwächelt. Ansonsten bietet dieses Album durchweg erstklassige Musik. Neben den traumhaften Balladen „Wonderful Life“ und „Sweetest Smile“ wissen etwas flotteren Sachen wie „Everythings comig up roses“, welches ja auch als Single veröffentlicht wurde und die eher flotteren Stücke wie „Just making memories“ und „I’m not afraid“ zu überzeugen. Dies soll aber nicht heißen das der Rest des Albums abfällt, den dies ist keineswegs der Fall. „Wonderful Life“ ist ein wunderschönes und sehr melancholisches Album das man immer wieder hören kann und das kein wirklich schlechtes Lied enthält.“ (Quelle: http://www.amazon.de/Wonderful-Life-Black/dp/B000026GZT)

Autechre – Peel Session (1999)

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„Pünktlich zum neuen Jahr leben, zeitgleich mit den guten Vorsätzen, auch in Vergessenheit geratene Traditionen wieder auf: Die Veröffentlichung inzwischen legendärer John Peel-Sessions auf Platte. Autechre bolzten in der BBC-Kantine im August 1995. Ich erinnere mich auch dunkel an die Tracks, aber irgendwie hatte mein Verbindungsmann in England das Tape erst in die Waschmachine gesteckt und dann in den Briefumschlag nach Deutschland. Naja. Drei Tracks sind drauf, alle supi, alle fein. „Milk DX“ klingt irre trocken, gnadenlos auf Downtempo gedrückt. Klar, daß, wenn man Betabeatstrukturen so ausquetscht, die Bassdrumpartikel zu Geistermelodien mutieren und den Rücken hochkriechen. Und wenn ich zurückrechne, bedeutet 1995 für Autechre tri repetae, und damit liegen wir dann auch genau richtig. „Inhake 2“ stampft genauso heftig, ist aber deutlich relaxter, so ein Track für das morgendliche Hoppse-Spiel in der Schwerelosigkeit. Damals wußten wir noch nicht, daß diese Melodien einfach in den Köpfen von Autechre leben und waren verblüfft, daß ihnen immer wieder neue tolle Dinge einfielen, über die wir uns dann freuen konnten. Ein sehr ehrlicher Track. „Drane“ ist schließlich der Schritt auf die andere Seite, die Einverständniserklärung mit der Unendlichkeit.. Hochfrequentes trifft auf einen wuinderbar verflangten mellotronigen Mollchor, der sich in die Lautsprechermembran gnadenlos einfrißt und bleibt. Für immer, ob du willst oder nicht.. So deep waren Autechre selten.“ (Quelle: http://www.de-bug.de/reviews/6382.html)