Archiv der Kategorie: Musik

Julee Cruise – Floating Into The Night (1989)

Darf man ein solches Album, ein weiteres Fundstück in meiner Sammlung,  am 1.1.2018 noch vorstellen? Der große Hype um #TwinPeaks im letzten Jahr (2017) ist einigermaßen durch, wenngleich die sozialen Medien immer noch viel zu berichten haben. Und darüber hinaus werden die Tage nun auch definitiv wieder länger und laden dazu ein, beschwingtere Töne aus der Anlage rieseln zu lassen.

Denn mit „Floating Into The Night“ stellte Julee Cruise 1989 ihr Erstlingswerk vor, auf dem zahlreiche Stücke zu finden sind, die nicht nur bei „Twin Peaks“ zu hören (und zu sehen) waren, sondern auch im Film „Blue Velvet“. So verwundert es nicht, dass hier Angelo Badalamenti (Komposition) und David Lynch (Lyrics) selbst mitwirkten und produzierten. Wenn das nicht vielversprechend klingt…?

Damit ist die Hörrichtung klar: Mysteriös, schwebend, dunkel, zart vibrierend, verträumt und zeitlos. Und somit allemal  wert, noch 2018 daran zu erinnern.

Weitere Quellen:

Woodkid – The Golden Age (2013)

Woodkid – das Kind aus dem Wald. Passt irgendwie und doch auch gar nicht. Ein gänzlich unbekannter ist Yoann Lemoine alias Woodkid nicht. Gerade im Gengre des Bewegtbildes hat er sich einen Namen machen können, indem er sich für Videos bei Lana Del Rey oder Kate Perry aber auch Dior verantwortlich zeichnet und dafür auch Preise einheimst. Die eigene Musik ist nochmal eine andere Hausnummer, aber Woodkit zeigt, dass es in ihm Themen gibt, die er selbst thematisieren muss. Dabei weißt seine Musik die Dramatik, Opulenz oder Tiefe auf, die mich an Micheal Nyman, Björk oder Portishead erinnern. Mystisch, wie im Märchenwald. Trompeten, Schlagwerk, Streicher, Klavier… eine gute Mischung, die das Timbre von Woodkid (das mich hier und da an Anthony erinnnert) und seinen eindringlichen Gesang erinnert.

So manches Stück bildet den perfekten Soundtrack für einen Fantasy-Film und Woodkit setzt seine Musik meines Erachtens genau so in Szene. Beeindruckend!

Arcade Fire – Neon Bible (2007)

Neon Bible – passender hätte der Titel von Arcade Fires Zweitling nicht genannt werden können. Das gesamte Album wirft Bilder eines heiligen Messe vor das innere Auge.  Überall Orgeln! In schillernster Art erinnern sie mit ihrer Intensität an das „Stille Nacht – heilige Nacht“, das zum Ende des Weihnachtsgottesdienstes aus allen Kehlen schallt, bevor es nach Hause zum Essen und der Bescherung geht. Der gesamte Sound ist pompös, schillernd, bunt, eindringlich, findet aber auch seine ruhigen und meditativen Minuten. Apokalypse now! Sven Niechziol beschrieb es passend: „Arcade Fire füllen nicht nur jedes Notenblatt bis zur Schwärze“.

Beim Hören erinnerte ich mich an das Album „Black Celebration“ von Depeche Mode, nur eben  30 Jahre später. Das Witzige daran: Während Depeche Mode sich damals komplett dem Synthie-Sound verschrieb, klingen Arcade Fire wunderbar analog…

Low – Things We Lost In Fire (2001)

Gefühlt jeden Herbst drängt sich mir ein Low Album auf. Die langsamsten Rocker sind es nicht, da gibt es ja noch Bohren & der Club of Gore. Aber sie sind schon herrlich entschleunigt. Und trotz (oder wegen) dieses verschleppten Sounds schaffen Low eine Tiefe, die ihresgleichen sucht. Hier schwingt eine Melancholie mit, die zu dieser Jahreszeit so wunderbar passt. Und mit ihr bringen Low zugleich auch Hoffnung. Trotz der Low-typischen Reduktion ist das Album wieder bunt, wenngleich alles mehr angedeutet wird und damit Raum einnimmt: Vibraphon und Orgeln, Pauken und Trompeten, Streicher und Gitarren und viele andere Soundschnipsel, die wohldosiert eingestreut und von Steve Albini produziert wurde. Und wie passend, dass Low mit dem Album wiederholt bei kranky records landeten.
Ganz großes Kino.

Dillon – This Silence Kills (2011)

Ich weiß gar nicht, was mich bei diesem Album mehr begeistert. Die minimale musikalische Gestaltung, die reduzierte Form des Gesangs oder die verwaschene Stimme von Dillon, die ein wenig so klingt, als hätte sie noch was in den Wangentaschen versteckt. Bereits der Opener „This Silence Kills“ schlägt in seinen Bann und zeigt, wie leicht die Schwere klingen kann.  „Tip Tapping“ löst sich vom Opener und flattert Kate Nash-artig vor sich hin, während bei „Thirteen Thrtyfive“ auch noch Regina Spektor mit ins Boot zu kommen  scheint. Einige gute Referenzen, wie ich finde. Dillon zeigt, wie mit wenigen Mitteln und viel Kreativität Neues entstehen kann. Aufgrund der Sanftheit der Arrangements, mit denen hier gearbeitet wird, stechen einige Feinheiten heraus. Hier ein Zirpen, da eine minimale Disharmonie oder dort eine in das Kratzen getriebene Stimme. Ohne das es nervt. Vielmehr gelingt es Dillon, stets alles zusammenzuhalten, so als müssten diese Störungen sein, um die eigene Ästhetik der Sounds zu unterstreichen. Ein gelungenes Album, das Dillon auch live sehr gut zu transportieren weiß. Da steigt schon die Freude auf den jüngst angekündigten Nachfolger. 

Tricky – Maxinquaye (1995)

Warum ist Maxinquaye noch nicht in meinem Blog? Das Album befindet sich seit über 20 Jahren in meiner Sammlung und ist immer wieder erfreulich zu hören. Wenngleich es sich bei den düsteren Tracks des Erstlings-Solowerks von Tricky vielleicht nicht anschickt, von erfreulich zu sprechen. Mit Maxinquaye legte Tricky nach seinem Weggang von Portishead den Grundstein für die eigene Arbeit und einen Meilenstein in den um die Jahrtausendwende gefeierten Trip Hop. Tricky präsentiert hier seinen einmaligen lo-speed Rap auf schwerpumpenden, schwarzen Elektroniksounds. Insgesamt, so möchte ich mit Blick auf den Output der letzten 20 Jahre feststellen, hat Tricky das Niveau von Maxinquaye nie wieder in dieser Form erreicht. Maxinquaye – übrigens eine Zusammensetzung des Namens seiner Mutter – ist ein Album, dem man den Sumpf anhört, in dem Tricky sich damals befand. Wer mit ihm zusammen in den dunklen des TripHop abtauchen möchte, sei dieses Album empfohlen.

 

Chris Garneau – Music For Tourists (2007)

Nach Zwei kommt Eins. Jedenfalls hier. Nachdem ich El Radio von Chris Garneau begeistert aufsaugte, hielt ich Ausschau nach weiteren Werken und ihm. Das Album „Music For Tourists“ des Brooklyners hat einige Referenzen aufzuweisen: Verglichen mit Rufus Wainwright, entdeckt von Jamie Stewart und  Caralee McElroy (Xiu Xiu) und in der Serie Grey’s Anatomy verwendet. Für ein Debut schon „nicht schlecht“. Chris Garneau zeigt hier mehr als nur Songwirterkunst. Seine Arrangements sind sehr filigran, fragil, zerbrechlich, aber zugleich mutig. Er geht musikalische Seiten-, Seiden- und Saitenwege und entdeckt dabei, unweit der musikalischen Hauptstraßen  die Nebenstraßen, die sich vielleicht dem Massentourismus entziehen, dem Individualtouristen jedoch das Herz hochschlagen lassen.  Nicht immer sind sie schön, liebenswert und aufgeschmückt, hier und da sind sie dunkler oder rauer aber sie bleiben interessant und authentisch. 

Dieses Album als Empfehlung für einen Kopfurlaub jenseits der Highways.

Dota Und Die Stadtpiraten – Bis Auf Den Grund (2010)

Bis auf den Grund – ein passender Titel für Dota und ihre Stadtpiraten. Longplayer sieben ist wieder voller kurzweiligem, poetischen, assoziativen Songwriter-Pop, ganz ohne den kitschigen Geruch des Lagerfeuers – wenngleich sie dort auf andere Art und Weise gut hinpasst. Durchaus tiefgängig, hier etwas Melancholie und da ein Augenzwinkern, phantastisch produziert und voller Wärme. Ein Album, dass eigentlich fast nicht zu laut gehört werden kann – denn dann merkt keiner, wenn man falsch mitsingt 🙂
Allein die Texte sind es wert, gehört zu werden. Und ich bin mir sicher, dass es irgendwann ein Buch mit Ihren Stücken zu lesen geben wird. Ein kleines Beispiel:

Die Liebe ist ein Bonbon
und löst sich ganz langsam auf
Ein kleiner Nährwert bleibt davon
und den Schmerz nimmt man in kauf

Dringend zu empfehlen sind auch ihre gern ausverkauften Live-Auftritte.

Mehr unter: http://kleingeldprinzessin.de/

DUO505 – Walzer Oder Nicht (2011)

Das mittlerweile dritte Album von B. Fleischmann und Herbert Weixelbaum, in welchem die beiden wieder die Wärme aus Maschinensound, Chips und Bytes sowie manch analogem Spielzeug kitzeln. Schicht und Schicht verschachteln die beiden einzelne Geräusche zu einer harmonisch, warmen Struktur. Auf Gesang wartet man vergeblich, aber nimmt man sich die Zeit, diesen Lo-Fi-Pop in Ruhe auf sich wirken zu lassen, gibt es ein schönes, entspanntes und entspannendes Kopfkino. 

Julee Cruise – The Voice Of Love (1993)

Fast 25 Jahre ist es her, dass Julee Cruise ihr zweites Album herausgebrachte. Und es könnte bald wieder sehr aktuell werden. Die Vögel zwitschern es bereits aus den digitalen Netzen: Twin Peaks geht nach 25 Jahren in die „Verlängerung“. Da Julee Cruise für die Serie und den Film seinerzeit einen Teil der Musik lieferte und selbst auf der Leinwand zu sehen war, könnte es sein, dass sie für die neuen Folgen nochmal angeheuert wurde. Zu passend war ihr Dreampop, der aber auch außerhalb des Universums von David Lynch sehr gut funktioniert. Zwar ist The Voice Of Love ein Album, welches nicht ausschließlich Stücke aus den Arbeiten mit David Lynch enthält, aber einige Songs dürfte man wiederkennen…