Archiv der Kategorie: Musik

Muslimgauze – Turkish Berlina (2013)

Turkish Berlina ist ein weiteres Album aus dem in den 90er Jahren verstorbenen Bryn Jones. Die Stücke stammen wohl aus der Zeit von 1997 und sind mehr oder minder an die Originale angelehnte Remixes, die sich im Nachlass von Jones fanden und eine Mischung von Sounds aus dem Nahen Ost und deren elektronischer Verfremdung im typischen Anstrich von Muslimgauze, wobei sie nicht allzu sehr vom Industrial geprägt sind sondern eher einen sphärisch-meditativen Charakter haben.  Jedoch scheinen teilweise technoide Sequenzen durch, die beim Hören durchaus für Abwechslung und Aufmerksamkeit sorgen.  Die CD ist – wie viele andere Alben von Muslimgauze auch – auf 500 Kopien limitiert

Tunng – Good Arrows (2007)

Gute Pfeile gibt es immer mal wieder. Sei es bei Robin Hood, der sie für die Gerechtigkeit verschießt oder bei Amor im Auftrag der Liebe. Auch Tunng haben sie in ihrem Köcher bzw. auf ihrem dritten und vielfältigen Album nachgelegt, die man bei jedem Hören aufs Neue zu spüren bekommt . Sie verbreiten gute Laune, Leichtigkeit und Gelassenheit. Und bei jedem ihrer Songs glaubt man  Tunng sofort, dass sie die Guten sind. Aber wo viel Licht, da viel Schatten. Irgendwo in ihren bunten Arrangements des Folktronica verstecken Tunng „das Dunkel“, dass nur darauf lauert, den Hörer im heitersten und unachtsamsten Moment zu erschrecken. Also vorsicht!

„Ein bisschen Paul Simon und ein bisschen Bright Eyes, ohne altmodisch oder künstlich zu klingen – auf ihrem dritten Album haben Tunng den goldenen Schnitt zwischen poppigen Melodien, elektronischen Basteleien und folkig-melancholischen Stimmungen entdeckt. „Good Arrows“ ist ein Album, das bei jedem Anhören neue Facetten gewinnt. Zwischen den Wänden eines engen Kellers erschufen die Briten weite, verführerische Klangwelten.“ (Quelle: http://www.laut.de/Tunng/Alben/Good-Arrows-22068)

ClickClickDecker – Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles (2014)

Entweder werde ich älter und wandere biologisch bedingt Richtung volkstümliche Musik, Deutschrock oder ähnlich absonderliches oder es geht bergauf mit dem deutschen Musikerhandwerk. ClickClickDecker präsentieren 2014 ihr fünftes Album, das zwar vor Melancholie strotzt (falls sowas geht), aber dabei nicht in den Kitsch und das Klischee abdrifte (das geht!). Die gekonnte aber auch bescheidene Instrumentierung gepaart mit einer verkratzt gehauchten oder auch geschrienen Stimme beeindrucken wie der Donnergroll  im Gewitter, der eigentlich stets auf den Blitz folgt. Nicht zuletzt sind es aber die Lyrics, die dem Hörenden die Gemeinheiten des Alltäglichen unter einem poetischen Zuckerguss verkaufen. Sätze wie „Das Leben zieht seinen Schlitten, mitten durch dein Gesicht“ oder „Wenn ich irgendwas gut kann, dann mich daran nicht erinnern“ hallen in den Ohren nach, wenn das Album längst schon wieder im Cover ist. 

The Wedding Present – Valentina (2012, 2015)

Mit Valentina legen The Wedding Present das immerhin achte  oder neunte – je nach Zählung – Studioalbum vor, die seit 1985 vor sich hin musizieren. Als einstige Lieblinge von John Peel rotierten sie des öfteren auf seinen Sessions… Zu Recht! Denn The Wedding Present schaffen es, Rock und Pop zeitlos zu verbinden. Hymnische Melodien ohne bombast, clevere Arrangements, die luftig daherkommen ohne trivial zu sein und natürlich David Gedges Stimme, die Kraft und Wärme vereint. 

Dota & Die Stadtpiraten – Blech und Plastik (2005)

Blech und Plastik war das erste Album, das ich von Dota Kehr eroberte, wenngleich der >Hit< „Öffentlicher Nahverkehr“ hier gar nicht drauf war. Aber nach dem Song begann mich die Musik der Kleingeldprinzessin Dota zu interessieren, so das ich dann über dieses Album stolperte und mich festhörte. Tolle Songs, mit sehr guter Lyrik, Hintergründig ohne pädagogischen Zeigefinger. Dazu keine überkomplexen sondern gut gewählte und gespielte musikalische Arrangements. Das soll nicht heißen, dass musikalisch wenig zu erwarten wäre: Instrumente wie Banjo, Säge, Trombone, Trompete, Waschbrett oder Ukulele bereichern das übliche Repertoire an Instrumenten. Würde für mich irgendwie zu einem modernen Folkfest in Rudolstadt passen, Samstagabend im Heine-Park…
Auch dieses vierte Album erscheint konsequent auf dem hauseigenen Kleingeldprinzessin-Records, sicher mit dem zunehmend „selbstverschuldetem“ Erfolg von Dota und den Stadtpiraten ein gutes und für diese Gruppe passendes Geschäftsmodell.

Webseite von Dota: http://www.kleingeldprinzessin.de/

Sigur Rós – Valtari (2012)

Was sagen schon Metascores in der Musik aus? Ganz klar – nichts. Musik ist doch individuell. In der Komposition, Produktion und vor allem in der Wahrnehmung. Und bislang hat Sigur Rós für mein Gefühl bei jedem Album alles richtig gemacht. Auch hier kommt wieder die märchenhafte Mischung Islands zum Vorschein: leichte Kühle und Wärme, Licht und Schatten, Nebel und der Weite Blick über das Wasser… Wer in Island war, kann es sich vielleicht vorstellen (und Sigur Rós war einer von drei Gründen für mich, 2005 mal diese Insel zu besuchen). Sie liefern praktisch den Soundtrack zu dieser Insel. Meine Empfehlung für alle, die sich nach der EM auf den Weg dorthin machen. Packt die Musik von Sigur Rós ein und setzt euch die Kopfhörer auf, wenn ihr auf die Vulkane, Gletscher, Lavaebenen und das Meer schaut. Die Trolle werden kommen… Auf meinem Metascore locker 100%!

Sigur Rós – Varðeldur from Sigur Rós Valtari Mystery Films on Vimeo.

Sigur Rós – Varðeldur
Sigur Rós ‚Valtari‘ Mystery Film Experiment: Varðeldur by Clare Langan
http://www.sigur-ros.co.uk/valtari/videos/vardeldur-langan/
Taken from the „valtari mystery film experiment“ – more details: sigur-ros.co.uk/valtari/videos/
Valtari is available to purchase now: sigur-ros.co.uk/valtari/buy/

Kombinat 100 – Wege Übers Land (2007)

Bildquelle: http://www.music-head.de/images/product_images/info_images/ACKER04?12

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Bei dem Album stimmt alles. Vom Titel des Werks und den dazu gehörigen Liedtiteln, über den Namen des Labels, dem Cover, einer in Halbschatten getauchten Landschaft, bis zur letztendlich wichtigen Musik. Erinnert mich der Name Kombinat 100 an Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften aus vergangenen Tagen (Kurz „LPG“), so wird der Eindruck verstärkt, wenn man feststellt, dass das Album bei Acker Records veröffentlicht wurde. Bereit im ersten Lied „Flieg kleine Taube, Flieg!“ wird deutlich, wie der Landwirt im 21. Jahrhundert steppt. Heitere Grooves und ein lockerer 4/4 Takt, getragen von entspannten und fluffigen Melodien leiten das Werk im Houserhythmus ein. Da Monokultur nicht nur in der nachhaltigen Landwirtschaft verpönt ist, erlaubt sich auch Kombinat 100, schon bald die rein elektronischen Spielzeuge um gute, bewährte aber fast vergessene Instrumente zu erweitern. So gesellen sich alsbald Mundharmonika oder Accordion, Conga und Hammond Orgel dazu, die zeigen, welcher Spaß nach Feierabend auf dem Land herrscht. Dass sich dann auch eine Art russisch klingender Männerchorgesang zum Ende des Albums ein Stelldichein gibt und den flotten Takt energetisch unterstützt, ist angenehm überraschend, rundet aber das Gesamtbild dieser Platte angenehm ab. Mit diesem Werk zeigen die vier Herren aus Mecklenburg, dass es auch auf dem platten Land munter zugehen kann und in manch verfallenen Stall  mehr Leben und Elan zu finden ist, als in den Schluchten der Großstadt. Ideal für das große Open Air am See!

Knorkator – Das Nächste Album Aller Zeiten (2007)

Mit dem Album hat es Knorkator geschafft, mich zu überzeugen. Die hier abgelieferte Musik ist deutlich definierter und lässt das Gefühl aufkommen, das Knorkator (immerhin „Deutschlands meiste Band der Welt“!) sich gefunden haben. Poppig, rockig, folkloristisch oder klassisch – verschiedene musikalische Stile wurden bislang ausprobiert und kommen hier gezielt zum Einsatz. Jedoch überzeugte mich weniger die Musik, als vielmehr die Texte, als ich die CD auf eine Fahrt durch den Pfälzer Wald hörte. Der Opener „Alter Mann“ erfreute mich schon durch die Idee, über die Vorteile des Alterns mal nachzudenken. Konsequent zu Ende gedacht landet man natürlich dann bei dem melodiösen Song „Wir werden alle sterben“ (das Lied erklärte die Band als neue Internationalhymne), dessen Refrain eine zuckersüße Mädchenstimme absingt. Andere Texte handeln von grotesken und/oder philosophischen „Grundproblemen“ der Welt, wobei mein persönliches Highlight das Lied „Für meine Fans“ ist, in dem sich die Band mal ordentlich darüber auslässt, dass ihre Konzerte nur von „dicken Männern mit Bärten“ und „erbärmliches Proletenpack“ besucht werden, wofür sich die Band klar schämt. Also, an- und hinhören in ein wirklich abwechslungsreiches Album. Es lohnt sich 🙂

Knorkator-Portrait bei laut.de

Elbow – Dead In The Boot (2012)

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Wo kommen überhaupt heute die B-Side Stücke her, im Zeitalter der CD und MP3? Gibt es eigentlich nicht mehr. Dennoch haben Elbow mit „Dead In The Boot“ ein Album vorgelegt, dass voller B-Seiten gepackt ist. Dazu noch schöne, da sind sich die Kritiker wieder mal einig. Der Downbeat und die Lethargie werden  gelobt und BBC ist sich sicher, dass das Album nicht als Lückenbüser bis zur Veröffentlichung neuer Arbeiten angesehen werden kann. Klar ist bei einem B-Seiten Album eigentlich auch, dass die Macher versichern, dass da kein Audioabfall versammelt ist. So betont natürlich Sänger Guy Garvey „Die Band hat schon immer das B-SeitenTerrain geliebt und dies ist nun eine Sammlung unserer Favoriten. Keine unserer B-Seiten sind Album-Ausschuss. Es ist ein anderer Bereich, hauptsächlich aus der Zeit nachdem wir ein Album fertiggestellt hatten und sich alle Bandmitglieder kreativ fühlten. Das gibt “Dead in the Boot“ einen echten “Late-Night-Vibe“. Meine Schwester dachte sich den Titel aus, nachdem wir “Asleep In The Back“ veröffentlicht hatten. Manche dieser Stücke gehören zu den besten Songs, die wir je geschrieben haben. Es war uns wichtig, dass diese Sammlung ein Album in sich selbst ergibt. Manchen Fans wird es so vorkommen als gäbe es eklatante Versäumnisse, doch diese Songs sind genau in dieser Konstellation perfekt.“ (Quelle)

Tja, und was soll ich dazu sagen? Er hat Recht. Absolut! Und Alben haben doch einen Vorteil gegenüber den MP3-Dateien: Es gibt die B-Seiten.

Knorkator – Hasenchartbreaker (1999)


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Erschreckend waren sie für mich immer: Die Plattencover von Knorkator. Allein sie waren ein Grund, um die Band einen großen Bogen zu machen. Aber wie heißt es so schön: Beurteile eine Platte nicht nach ihrer Hülle. Und so brauchte ich viele Jahre, bis ich wieder mal über Knorkator stolperte und sie mir ein dickes Lachen während der Autofahrt ins Gesicht zauberten. Zugegen, es waren nicht die „Hasenchartbracker“, sondern „Das nächste Album aller Zeiten“, aber das Interesse war geweckt.

Hasenchartbreaker zeigt sich musikalisch abwechslungsreich, wobei hier vor allem die Extrempole Hardcore und Opernpop (?) bespielt werden. An der Musik lässt sich relativ leicht auch die Themenlage der Texte ausmachen. Wenn seichte Töne angeschlagen werden, möchte der Text thematisch „krassere“ Dinge beschreiben, dröhnt Hardcore aus den Boxen (und hier können sich die mit der Band befreundeten Ramstein noch eine Scheibe abschneiden), werden „sanfte“ Inhalte besungen. Schon beim Opener „Hardcore“, man kann es erraten, wird zu seichtem Piano und hoher und klarer Falsettstimme das Erlebnis eines Hardcorekonzerts zum Besten gegeben. (Witzigerweise wird tatsächlich Knorkator bei Wikipedia in einem Beitrag zum Thema Falsett aufgeführt). Härter, aber für mich deutlich lustiger, ist der nachfolgende Song „Buchstabe“, der das Erfinden eines neuen Buchstabens durch einen Philologen, der jahrzehntelang dazu geforscht hat und nun die Vorteile des Buchstabens deklariert. Leider unbeschreiblich (aber im Video nach dem Beitrag nochmal nachzuhören)! Man muss sich für das Album und insbesondere für die Texte Zeit nehmen. Auch wenn Knorkator immer wieder zu eindeutigen Worten greifen, die sonst nichts in Liedtexten zu suchen haben und es ihnen sogar gelingt, ein Lied einfach mal nur zu schreien, finde ich, dass die von mir unterschätzte Stärke der Band gerade in der Lyrik (darf man das hier sagen?) liegt. Mit dem Album unterstreichen Knorkator einmal mehr, dass sie „die meiste Band der Welt“ sind!