Archiv der Kategorie: Musik

Sigur Rós – Valtari (2012)

Was sagen schon Metascores in der Musik aus? Ganz klar – nichts. Musik ist doch individuell. In der Komposition, Produktion und vor allem in der Wahrnehmung. Und bislang hat Sigur Rós für mein Gefühl bei jedem Album alles richtig gemacht. Auch hier kommt wieder die märchenhafte Mischung Islands zum Vorschein: leichte Kühle und Wärme, Licht und Schatten, Nebel und der Weite Blick über das Wasser… Wer in Island war, kann es sich vielleicht vorstellen (und Sigur Rós war einer von drei Gründen für mich, 2005 mal diese Insel zu besuchen). Sie liefern praktisch den Soundtrack zu dieser Insel. Meine Empfehlung für alle, die sich nach der EM auf den Weg dorthin machen. Packt die Musik von Sigur Rós ein und setzt euch die Kopfhörer auf, wenn ihr auf die Vulkane, Gletscher, Lavaebenen und das Meer schaut. Die Trolle werden kommen… Auf meinem Metascore locker 100%!

Sigur Rós – Varðeldur from Sigur Rós Valtari Mystery Films on Vimeo.

Sigur Rós – Varðeldur
Sigur Rós ‚Valtari‘ Mystery Film Experiment: Varðeldur by Clare Langan
http://www.sigur-ros.co.uk/valtari/videos/vardeldur-langan/
Taken from the „valtari mystery film experiment“ – more details: sigur-ros.co.uk/valtari/videos/
Valtari is available to purchase now: sigur-ros.co.uk/valtari/buy/

Kombinat 100 – Wege Übers Land (2007)

Bildquelle: http://www.music-head.de/images/product_images/info_images/ACKER04?12

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Bei dem Album stimmt alles. Vom Titel des Werks und den dazu gehörigen Liedtiteln, über den Namen des Labels, dem Cover, einer in Halbschatten getauchten Landschaft, bis zur letztendlich wichtigen Musik. Erinnert mich der Name Kombinat 100 an Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften aus vergangenen Tagen (Kurz „LPG“), so wird der Eindruck verstärkt, wenn man feststellt, dass das Album bei Acker Records veröffentlicht wurde. Bereit im ersten Lied „Flieg kleine Taube, Flieg!“ wird deutlich, wie der Landwirt im 21. Jahrhundert steppt. Heitere Grooves und ein lockerer 4/4 Takt, getragen von entspannten und fluffigen Melodien leiten das Werk im Houserhythmus ein. Da Monokultur nicht nur in der nachhaltigen Landwirtschaft verpönt ist, erlaubt sich auch Kombinat 100, schon bald die rein elektronischen Spielzeuge um gute, bewährte aber fast vergessene Instrumente zu erweitern. So gesellen sich alsbald Mundharmonika oder Accordion, Conga und Hammond Orgel dazu, die zeigen, welcher Spaß nach Feierabend auf dem Land herrscht. Dass sich dann auch eine Art russisch klingender Männerchorgesang zum Ende des Albums ein Stelldichein gibt und den flotten Takt energetisch unterstützt, ist angenehm überraschend, rundet aber das Gesamtbild dieser Platte angenehm ab. Mit diesem Werk zeigen die vier Herren aus Mecklenburg, dass es auch auf dem platten Land munter zugehen kann und in manch verfallenen Stall  mehr Leben und Elan zu finden ist, als in den Schluchten der Großstadt. Ideal für das große Open Air am See!

Knorkator – Das Nächste Album Aller Zeiten (2007)

Mit dem Album hat es Knorkator geschafft, mich zu überzeugen. Die hier abgelieferte Musik ist deutlich definierter und lässt das Gefühl aufkommen, das Knorkator (immerhin „Deutschlands meiste Band der Welt“!) sich gefunden haben. Poppig, rockig, folkloristisch oder klassisch – verschiedene musikalische Stile wurden bislang ausprobiert und kommen hier gezielt zum Einsatz. Jedoch überzeugte mich weniger die Musik, als vielmehr die Texte, als ich die CD auf eine Fahrt durch den Pfälzer Wald hörte. Der Opener „Alter Mann“ erfreute mich schon durch die Idee, über die Vorteile des Alterns mal nachzudenken. Konsequent zu Ende gedacht landet man natürlich dann bei dem melodiösen Song „Wir werden alle sterben“ (das Lied erklärte die Band als neue Internationalhymne), dessen Refrain eine zuckersüße Mädchenstimme absingt. Andere Texte handeln von grotesken und/oder philosophischen „Grundproblemen“ der Welt, wobei mein persönliches Highlight das Lied „Für meine Fans“ ist, in dem sich die Band mal ordentlich darüber auslässt, dass ihre Konzerte nur von „dicken Männern mit Bärten“ und „erbärmliches Proletenpack“ besucht werden, wofür sich die Band klar schämt. Also, an- und hinhören in ein wirklich abwechslungsreiches Album. Es lohnt sich 🙂

Knorkator-Portrait bei laut.de

Elbow – Dead In The Boot (2012)

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Wo kommen überhaupt heute die B-Side Stücke her, im Zeitalter der CD und MP3? Gibt es eigentlich nicht mehr. Dennoch haben Elbow mit „Dead In The Boot“ ein Album vorgelegt, dass voller B-Seiten gepackt ist. Dazu noch schöne, da sind sich die Kritiker wieder mal einig. Der Downbeat und die Lethargie werden  gelobt und BBC ist sich sicher, dass das Album nicht als Lückenbüser bis zur Veröffentlichung neuer Arbeiten angesehen werden kann. Klar ist bei einem B-Seiten Album eigentlich auch, dass die Macher versichern, dass da kein Audioabfall versammelt ist. So betont natürlich Sänger Guy Garvey „Die Band hat schon immer das B-SeitenTerrain geliebt und dies ist nun eine Sammlung unserer Favoriten. Keine unserer B-Seiten sind Album-Ausschuss. Es ist ein anderer Bereich, hauptsächlich aus der Zeit nachdem wir ein Album fertiggestellt hatten und sich alle Bandmitglieder kreativ fühlten. Das gibt “Dead in the Boot“ einen echten “Late-Night-Vibe“. Meine Schwester dachte sich den Titel aus, nachdem wir “Asleep In The Back“ veröffentlicht hatten. Manche dieser Stücke gehören zu den besten Songs, die wir je geschrieben haben. Es war uns wichtig, dass diese Sammlung ein Album in sich selbst ergibt. Manchen Fans wird es so vorkommen als gäbe es eklatante Versäumnisse, doch diese Songs sind genau in dieser Konstellation perfekt.“ (Quelle)

Tja, und was soll ich dazu sagen? Er hat Recht. Absolut! Und Alben haben doch einen Vorteil gegenüber den MP3-Dateien: Es gibt die B-Seiten.

Knorkator – Hasenchartbreaker (1999)


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Erschreckend waren sie für mich immer: Die Plattencover von Knorkator. Allein sie waren ein Grund, um die Band einen großen Bogen zu machen. Aber wie heißt es so schön: Beurteile eine Platte nicht nach ihrer Hülle. Und so brauchte ich viele Jahre, bis ich wieder mal über Knorkator stolperte und sie mir ein dickes Lachen während der Autofahrt ins Gesicht zauberten. Zugegen, es waren nicht die „Hasenchartbracker“, sondern „Das nächste Album aller Zeiten“, aber das Interesse war geweckt.

Hasenchartbreaker zeigt sich musikalisch abwechslungsreich, wobei hier vor allem die Extrempole Hardcore und Opernpop (?) bespielt werden. An der Musik lässt sich relativ leicht auch die Themenlage der Texte ausmachen. Wenn seichte Töne angeschlagen werden, möchte der Text thematisch „krassere“ Dinge beschreiben, dröhnt Hardcore aus den Boxen (und hier können sich die mit der Band befreundeten Ramstein noch eine Scheibe abschneiden), werden „sanfte“ Inhalte besungen. Schon beim Opener „Hardcore“, man kann es erraten, wird zu seichtem Piano und hoher und klarer Falsettstimme das Erlebnis eines Hardcorekonzerts zum Besten gegeben. (Witzigerweise wird tatsächlich Knorkator bei Wikipedia in einem Beitrag zum Thema Falsett aufgeführt). Härter, aber für mich deutlich lustiger, ist der nachfolgende Song „Buchstabe“, der das Erfinden eines neuen Buchstabens durch einen Philologen, der jahrzehntelang dazu geforscht hat und nun die Vorteile des Buchstabens deklariert. Leider unbeschreiblich (aber im Video nach dem Beitrag nochmal nachzuhören)! Man muss sich für das Album und insbesondere für die Texte Zeit nehmen. Auch wenn Knorkator immer wieder zu eindeutigen Worten greifen, die sonst nichts in Liedtexten zu suchen haben und es ihnen sogar gelingt, ein Lied einfach mal nur zu schreien, finde ich, dass die von mir unterschätzte Stärke der Band gerade in der Lyrik (darf man das hier sagen?) liegt. Mit dem Album unterstreichen Knorkator einmal mehr, dass sie „die meiste Band der Welt“ sind!

Kraftwerk – The Mix (1991)


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Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 25 Jahre hat „The Mix“ von Kraftwerk mittlerweile auf dem Buckel! Und tatsächlich ist es einer der CDs, die eventuell altersbedingt nicht mehr fehlerfrei in meinem CD Plyer laufen. D.h. zugleich auch, dass die Lieder von The Mix grundsätzlich noch älter sind, da sie in Gänze bereits auf vorherigen Alben zu finden waren. Witzig ist, dass es eine deutsch- und eine englischsprachige CD gibt, wobei bei der Textmenge sicher kein größerer Übersetzungsaufwand betrieben werden musste und man vielleicht sogar erwarten hätte können, dass sich die globalen Kraftwerkfreunde die wenigen Worte in ihre eigenen Sprache übersetzen 🙂 Aber für den internationalen Durchbruch, den Kraftwerk schon einige Jahre vorher feiern konnten, war das vielleicht ein richtiger Weg und irgendwie auch für die Band konsequent.

Insgesamt ist The Mix im Sound fetter, und wenn man das sagen darf, digitaler geworden, als die Vorgänger, was wohl auch daran lag, dass sich Kraftwerk von den selbstgebauten (!) Computern im Kling-Klang-Studio lösten und neue Technik einsetzten. Und auch eine Textzeile fiel der Überarbeitung zum Opfer. Aber das sollte der geneigte Hörer selbst rausfinden.

Fazit: Die CD macht auch heute noch Spaß und wirkt nicht staubig. Nur gut, dass es die Möglichkeiten der Digitalisierung gibt, die Kraftwerk selbst musikalisch ausloten. Denn so kann ich meine alte CD, die gern springt, 1:1 kopieren und mich vielleicht auch noch in weiteren 25 Jahren daran erfreuen. Übrigens empfehle ich allen Fans, sich die Übersetzung der Kraftwerksongs in Cha-Cha-Cha, Rhumba oder Merengue Rhythmen von Senior Coconut mal anzuhören 😉

The Heavy – Great Vengeance And Furious Fire (2007)

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Minimales kann bombastisch sein. Vorausgesetzt, die Mischung stimmt. Und hier sind The Heavy echte Meister. In erster Linie wird gerockt und scheinbar munter drauf losgehauen. Aber schon beim ersten Hören fällt auf, dass da mehr drin steckt. Einflüsse von Reggea, Blues und Funk und Soul drücken sich durch trotz der dicken Beats deutlich an die Oberfläche, dass es nur so poppt. Dazu ein energetischer Gesang, der gern auch mal durch den Equalizer geleiert verfremdet klingen darf. Mich erinnern sie mit diesem Album an  „Elephant“ von den White Stripes und auch der Gesang, oder besser, der gekonnte Umgang mit der Stimme als weiteres Musikinstrument, zeigt hier und da für mein Gefühl Ähnlichkeiten, ohne diese abzukupfern. Auch  Verweise auf Curties Mayfiled oder Assoziationen zu Jamie Lidell tun sich bei mir auf.

Die Platte macht sich keine Sorge um ausgewogene 7.1 Surroundsysteme und HiFi-Anlagen sondern konzentriert sich auf das, was wichtig ist: Spielen, Kreativität, Rhythmus. Da darf oder muss es auch rumpeln oder übersteuert und stets etwas zu laut klingen, solang die Message stimmt! Mono geht immer und Musik ist ein Selbstzweck.

Mich erstaunen solche Bands wie The Heavy, da sie es trotz des Gefühls, dass doch alles schon mal dagewesen sein sollte, schaffen, ein grandioses Werk abzuliefern, dass locker und unangestrengt, beinah wie aus dem Hemdsärmel geschüttelt, daher kommt. Da freu ich mich doch schon drauf, die Platte alsbald mal wieder abzuspielen 🙂

The Heavy – Coleen from Bryan Rone on Vimeo.

Impressionen vom „Melt! 2015“

Das Melt! 2015 liegt schon wieder einige Zeit zurück und mittlerweile bereitet man sich in Ferropolois, der Stadt aus Eisen, auf 2016 vor. Besser geschrieben, die Vorbereitungen scheinen so gut wie abgeschlossen, denn das Programm steht und der Kartenvorverkauf läuft. Höchste Zeit, endlich die Bilder vom letzten Jahr ein wenig aufzubereiten und zu zeigen, sozusagen ein paar (hoffentlich) optische Leckereien für all diejenigen anzubieten, die überlegen, ob sie sich das „Gipfeltreffen des guten Geschmacks“, wie man sich selbst betitelte (Quelle), antun wollen. Hier also eine kleine Auswahl an Impressionen, die die mächtige visuelle Kulisse zeigen, vor der sich interessante Künstler*innen präsentieren. Ich kann das Festival weiterhin nur empfehlen, auch wenn ich es dieses Jahr aus schönen und guten Gründen wohl selbst nicht schaffen werde, vor Ort zu sein. Also, macht nichts kaputt, ich möchte nochmal wiederkommen 🙂

Übringes: Unterwegs war ich mit sparsamer Fotoausrüstung. Ein Fisheye und eine Standard-Festbrennweite, gepaart mit meiner Olympus. Eine gute Ausrüstung, nicht nur für solche Veranstaltung.

James Blake – James Blake (2011)

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/b/b5/James_Blake_Cover.jpg

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Es ist schon erstaunlich, welches kreative Potential in manchen jungen Musikern schlummert. Und für mich noch erstaunlicher, dass sie den Mut haben, dieses auch auszuleben und sich nicht dem Mainstream anzupassen. The XX fallen mir aus der jüngeren Geschichte ein oder auch Sigur Rós. James Blake reiht sich für mich in diese Gruppe ein. Sein Erstlings- und Erfolgsalbum von 2011, er gerade so um die 22 Jahre alt, ist voll von eigentlich irritierenden Soundtüfteleien. Ein Verschnitt aus Dub und Elektro, viel Hall und sanft aber deutlich wabernder Bass, Melodien, die aufgrund ihrer Einfachheit schon fast wieder in Einzeltöne zerfallen. Darüber gern Störungen, Rauschen, Zurren… Und Texte, die mit wenigen Zeilen auskommen und durch die Variationen selbst zum Instrument werden, gerade wenn auf jedes Instrument verzichtet wird und sich der Gesang selbst genügt. Dazwischen viel Luft…

Dennoch, nein gerade deshalb, greift dieses Album. Es klingt vieles vertraut, aber aufgrund des Arrangements der einzelnen Sounds wird es neu – und damit in Summe auch sehr interessant. Trendsetter kann halt nur werden, wer die Pfade verlässt, ohne dabei ins Abseits zu wandern. Und die Musikästhetik von James Blake zeigt, dass weniger deutlich mehr ist.

Offizielle Webseite von James Blake: http://jamesblakemusic.com/

Elbow – build a rocked boys! (2011)

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Elbow legen bei ihrem 5ten Studioalbum Wert darauf, dass dieses in kleinen Buchstaben und mit Ausrufezeichen geschrieben wird. Diesem Wunsch komme ich gern nach, zumal die Erhabenheit, die dieses Werk ausstrahlt, eine gewisse Demut beim Hörenden auslöst. Elbow schaffen es immer wieder, Musik zu komponieren und zu spielen, die für große Stadien genauso funktioniert wie für den ganz privaten, intimen Moment. Dazu trägt neben der wunderbaren Orchestrierung nicht zuletzt die markante Stimme von Sänger Guy Garvey bei.

build a rocket boys! kann als Nachfolger von „The Seldom Seen Kid“ als wohl schwierigste Geburt bezeichnet werden. Denn The Seldom Seen Kid war Elbows bislang erfolgreichstes Album. Sie kamen in die Charts und avancierten zu den (englischen) Publikums- und Kritikerlieblingen.  Wohl deshalb haben sie auch drei Jahre an diesem Album gefeilt und gebastelt, um auch ihren eigenen Wünschen gerecht zu werden: „Wir haben uns wie jedes Mal darauf konzentriert, ein Album aufzunehmen, das einen auf eine Reise mitnimmt. Das einem im Idealfall nach dem Anhören an einen anderen Ort transportiert hat. Wir sind in erster Linie noch immer eine Band, die Alben macht. Wenn wir damit mal nicht weiterkamen, stellten wir uns eine ganz simple Frage: ‚Was wollen wir als nächstes hören?‘“ (Quelle)

Als schlichtes Fazit kann festgehalten werden, dass dieses Album einfach nur großartig ist!

Plattenbesprechung bei Wikipedia,