Archiv der Kategorie: Musik

The Beautiful South – Welcome To The Beautiful South (1989)

Zusehends verwandelt sich mein Blog offenbar in sowas wie die Rumpelkammer von Willi Schwabe. Die vorgestellten Platten werden gefühlt immer älter (oder ich? oder wir?) Aber dennoch oder gerade vielleicht deshalb sollte dieses Album erwähnt werden, da es zu schade wäre, wenn es in Vergessenheit geriet. So wird es bei den Suchmaschinen wieder mal „refresht“ 🙂 Also hier eine Erinnerung an eine Platte, da der Beitrag nun von den Suchmaschinen der Welt neu indexiert wird.

Das Erstlingswerk der Band fand seinerzeit große Beachtung. Die musikalische Qualität konnte meiner Meinung nach auf  nachfolgenden Alben von The Beautiful South nicht mehr erreicht werden (wenngleich die nachfolgenden Veröffentlichungen oft erfolgreicher waren). Dass The Beautiful South aus den Housemartins hervorging, nachdem sich Norman Cook von diesen verabschiedete und fortan u.a. als Fatboy Slim die Tanzflächen beschallte, sei hier nur nebenbei erwähnt.

Das Album ist gefühlt und gehört voller (Pop)Perlen, die etwas Abseits der üblichen Hitparadenmusik der damaligen Zeit lagen (wobei das Album selbst die Top10 der britischen Hitparade knackte!). Ohrwürmer wie „Song For Whoever“, „You Keep It All In“, „I’ll Sail This Ship Alone“ dürften wohl auch heute noch in den Radios des Landes hoch und runter gedudelt werden. Zumindest begegnet mir mancher Song beim durchschalten hin und wieder – und erfreut mich.

Das soll schon reichen. Über diesen Klassiker findet sich sicher noch mehr im Netz 🙂

Mehr über The Beautiful South auf laut.de

Meinen kleinen persönlichen Beitrag stellt das damit verbundene Bild dar. Ein Foto, aufgenommen in einem Museum. Zu sehen ist ein gefaltetes Boot. So weit, so unspektakulär. Besonders wird es, wenn man weiß, dass es aus Porzellan ist. Das fand und find ich schon unglaublich. Aus diesem Grund auch die Videoauswahl von the Beautiful South: I’ll sail this ship alone

Foto Boot aus Porzellan gefaltet von Lars Kilian

Sigur Rós – ( ) (2002)

Cover Untitled Sigur Rós
Bildquelle: https://i.ytimg.com/vi/qN4s75Srcos/maxresdefault.jpg

Mit Sigur Rós hatte ich keinen leichten Start. Ihr Album „Agaetis Byrjun“ hörte ich mir mehrmals bei einem Freund an und fand: „Nicht mein Ding“. Und irgendwann fiel es mir wieder in die Hände und auf einmal war ich verzaubert. Die Begeisterung für diese junge Band steigerte sich mit dem namenlosen 2002er Album „( )“ Nochmals dichter, nochmals schwebender, nochmals poetischer, nochmals kräftiger und freier. So klingt Musik wohl nur aus Island. Der Gesang von Jonsi ist melancholisch/melodisch tragend, die gewählte Sprache ist „vonlenska“- auf dt. übersetzt heißt das wohl „hoffnungsländisch“.

Einem Genre sind Sigur Rós schwer zuzuordnen, aber wozu braucht man Gengres? Sie sollten gut dosiert genossen werden, da sie eventuell suchterzeugend sind. Tatsächlich war Sigur Rós einer der Auslöser, die mich wenige Jahre später nach Island lockten, um das Land, die Elfen und Trolle, die Vulkane, die Eisfelder, den Wind, Sonne und Schatten zu besuchen. Und wer nicht nach Island mag oder kann, dem sei diese CD angeraten. Denn ich meine, dass das Album ein passender Soundtrack zur dieser Insel im Norden ist.

PS: War der Opener des Albums „Untitled #1“ nicht die Titelmusik des wunderbaren Films „Nach der Hochzeit“?

Offizielle Webseite von Sigur Rós

Wikipedia über Sigur Rós

Für mich ist die Musik von Sigur Rós voller Bilder. Dennoch konnte ich mich für eins entscheiden, dass ich mit dem Album verbinde. Quallen, faszinierend Wesen, schweben in etwa so durch das Wasser, wie die Sounds von Sigur Rós durch die Luft. Oder?

Qualle, Foto Lars Kilian

MUSLIMGAUZE – DAR ES SALAAM (2002)

Quelle: https://img.discogs.com/2l3DgUlDDdCfOZqLF0-rjysLCig=/fit-in/600×597/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-170171-1254097584.jpeg.jpg

„Dar Es Salaam“ ist eine Entdeckungsreise in die Welt der Geräusche, Beats und Sounds von Muslimgauze. Verschleppt, verzögert und in seiner Destruktion konstruktiv. Okay, nicht ganz am Mainstream orientiert – der Muslimgauze nie interessierte. In seiner kurzen Schaffenszeit schaffte er es auf Veröffentlichungen von Alben im dreistelligen Bereich. Beim kurzen Reinhören könnte man unberechtigterweise meinen, die Alben gleichen sich ziemlich. Jedoch zeigen sich deutliche Unterschiede. Hier werden, wie oft, die orientalischen Soundschnipsel aus Instrumenten und O-Ton Aufnahmen immer wieder durch zerlegt und seziert, das Zentrale herausgearbeitet und mit sehr unterschiedlichen Rhythmen komponiert. Neben fast Trip-Hop artigen bzw. dem Dub zugewandten Songs gibt es tatsächlich fast etwas, was auch im Club laufen könnte. Dabei stets minimal, so dass die einzelnen Stücke in Dauerschleife sicher für tranceartige Zustände sorgen würden. Worte wie „rätselhaft“, „verstörend“, „provokativ“, „okkult“, „kompromisslos“ oder gar „unhörbar“ könnten sicher auch für den Einen oder die Andere passend sein, um diese Soundlandschaften zu beschreiben. Ich finde sie großartig.

Bei dieser Musik geht bei mir ein großes Kopfkino los und viele Bilder tauchen auf. Passend zum Track „Morgue Of Istanbul“ mein Bild zum Album

Lars Kilian „Abschied“

Sigur Rós – Agaetis Byrjun (2000)


Als ich Anfang 2001 beschloss, unbedingt und endlich einmal Island zu besuchen, lag das an drei Dingen:

  1. Der Info über ein Land, in dem Erla Stefánsdóttir lebt(e), der Spezialistin des verborgenen Volkes, zu dem Elfen und Trolle gehörten und denen die Isländer wohl mit Respekt begegnen
  2. Meinem großen Interesse für Lava, Vulkane und auch Gletscher, wobei das Interesse für Gletscher erst in Island richtig geweckt wurde
  3. Musik von Sigur Rós, die ich morgens beim Duschen im Radio hörte und die mich magisch in ihren Bann zog und ich beim Hören davon ausging, dass Punkt 1 und 2 meiner Liste eine dazu führen, dass große Teile der isländischen Bevölkerung irgendwie mystisch und spirituell mit ihrer Umwelt verwurzelt sein müssen, um solche Musik hervorzubringen.

Was Sigur Rós auf diesem Album in die Welt brachten, hat es so sicher noch nie gegeben und es passte eigentlich auch gar nicht in die Musik der 2000er – Ruhe, Erdung, Harmonien, Pausen. Über allem schwebt der Falsettgesang von Jonsi und intoniert Texte, die zwischen englisch, isländisch und fantastisch (Sigur Rós nennen diese Sprache „Hopelandic“)  wechseln und viel Raum für all diejenigen lassen, die gern deuten und interpretieren. Für de Rest bietet die Musik ein warmes zu Hause, auf das man sich nach einem verregneten Tag freut. 

Und übrigens: Der Besuch Islands war eine prägende und berührende Reise…

Und ein assoziiertes Bild habe ich auch für dieses Album, dass trotz seiner Schwere für mich eine Leichtigkeit und Farbigkeit mitbringt, wie sie im Regenbogen zu finden ist. Ein Regenbogen ist das Bindeglied zwischen dunklem, kühlem und pochendem Regenschauer einerseits und Sonne, Wärme und Licht andererseits.

Sigur Rós bei Wikipedia und Indiepedia

Ammer & Haage – 7 Dances Of The Holy Ghost (2005)


Es geht auf Weihnachten zu und damit kommt auch das Heilige in unseren Breitengraden stärker zum Tragen. Zeit für Andreas Ammer und Ulrike Haage, die auf ihre Art den Heilgen Geist zum Tanzen bringen. Auf diesem Album, oder ist es ein Hörspiel (?), tauchen die beiden ein in die Welt der Märtyrer, dem (bürokratisch formalen) Akt einer Heiligsprechung, der Symbole, der Sagen und Mythen, der Verehrungen der Heiligen  (allein bei Johannes Paul II gab es über 250 Heiligsprechungen) und und und erzählen dabei zahlreiche Geschichten über Wunder und wundersames. Sie streifen durch vergangene Äonen und verweben sie mit der Jetztzeit, wenn Radio Maria zum Klingen kommt oder TV-Prediger durch den Sampler gejagt werden. Stimmlich hervorragend getragen wird dieses Arrangement von Katharina Franck, Ben Becker und Phil Minton. Fazit: Das Album bringt eine heilige, aber keine stille Nacht. 


Meine Bildassoziation mit dem Album: Ein Foto aus der wahrlich beeindruckenden, leuchtend goldenen und reich verzierten Königlichen Kapell in Palermo

 

The Orb – Live `93 (1995)

Ihre Konzerte waren die der besonderen Art und konnten den Legenden nach durchaus mal einen Tag dauern. Das Live-Album von 93 zieht ein Zwischenfazit in der Arbeit von The Orb und ist aus Konzerten von Copenhagen, Tokyo und London zusammengeschnitten. Die Songs verlieren viel von ihrer ursprünglichen Art und gewinnen zugleich dank der teilweise sehr ausgiebigen Liveinterpretationen ein neues Gesicht. So werden Fernsehmitschnitte gespielt und die Musik bekommt fast schon Hörbuchcharakter. The Orb bedienen in den hier vorliegenden Klanginstallationen nicht nur ihrer Rechner, sondern haben sich einiges an Gästen auf die Bühne geholt, wie z.B. den Drummer von Mike Oldfield. 

Mit diesem Live Doppelalbum haben The Orb einen echten Meilenstein in Ambient/Elektronic/Dub gesetzt. Samples, Flächen, Melodien, Bässe, dicht verwebt zu einem wirklich bunten Klangteppich, der immer wieder neue Entdeckungen bietet. Erst heute (2018!) hörte ich z.B. im Track „A huge ever growing pulsating brain that rules from the centre of the ultraworld (lovin u)“ bei Minuten 3:50 ein markantes Gitarrensolo von Pink Floyd, das einfach so ein paar mal dezent wiederholt im Hintergrund vor sich hin spielt.

Schön, dass die „großen“ Nummern hier auch vertreten sind und sich der Hörer über „little fluffy clouds“, „towers of dub“ oder den „blue room“  freuen kann. Insofern ist es auch noch ein best-of Album.

Ich würde nicht soweit gehen und sagen: Wenn ich nur ein Album mit auf eine Insel nehmen könnte, dann… Aber wer Lust und Spaß daran hat, viele Soundschnipsel zu suchen und deren Herkunft zu erkunden, wer Wimmelbücher liebt oder wer gern 10.000 Teile Puzzle zusammenfügt, der ist hier nicht ganz falsch. 

Prince And The Revolution – Parade (1986)

Über Tote soll man bekanntlich nicht schlecht schreiben… ABER Prince bietet mir mit seinem Album „Parade“ auch keinen Grund, dies zu tun. Sein Soundtrack zu (ebenfalls seinem) Film „Under the cherry moon“, dessen Entstehungsgeschichte schon ziemlich interessant zu lesen ist. Vor langer Zeit hab ich das Album erstanden, damals vor allem wegen des Überhits KISS und dann nach und nach immer mehr darauf entdeckt. Vor allem die ruhigeren Stücke tragen weit, wobei es insgesamt spannend ist, hier ein wenig in den Kosmos dieses Stars reinzuhören…

AG Geige – Yachtclub + Buchteln (1986)

Schon über 30 Jahre alt. Oh je.  AG Geige prägte meine Jugend, definitiv! Auf Yachtclub + Buchteln finden sich meines Erachtens die ersten Aufnahmen von dieser Formation, die seinerzeit auch mal auf Tape kursierten (wennngleich ich nicht mehr weiß, ob das eine legale Kassette war oder diese wieder und wieder kopiert wurde). Aber ich erinnere mich noch daran, wie ich diese Sounds und Texte erstmalig hörte und ziemlich fasziniert war. Ich meine, es war Mitte der 80er, Pop dödelte vor sich hin und elektronische Soundexperimente hinter der Mauer waren eher selten. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese vier Chemnitzer zur damaligen Zeit sicher auch so manche Vertreter des Staatsapparates vor einige Herausforderungen stellte 🙂 Dazu die Lifeperformance… Wer sich für die Seitenwege deutsch-deutscher elektronischer Musik interessiert, dem kann ich dieses Album ans Herz legen. Viel Spaß!

St. Germain – Boulevard (1995)

Mit Boulevard hat Ludovic Navarre (aka St. Germain) einen ziemlichen Kracher hingelegt und in der Mitte der 90er Jazz in neuen Spielarten ausgelotet. Die Verbindung mit Elementen elektronischer Musik, dem Beat des House und Dub erregte so viel Aufmerksamkeit, dass für das Nachfolgewerk sogar das legendäre Label Blue Note anklopfte! Das Album wurde als jazzigste Houseplatte oder houseigste Jazzplatte gefeiert. Ludovic Navarre nennt es einfach easy listening underground house music, den er da mit weiteren Musikern einspielt. Funktioniert im Club, in den Bars, im Auto und zu Hause und sicher auch auf dem Boulevard in St. Germain – da hab ich das Album aber noch nicht getestet… Auf nach Frankreich!

Talk Talk – The Colour Of Spring (1986)

Heute morgen ein wenig mit dem Töchterchen auf dem Balkon gewühlt. Wir haben Blumen gepflanzt und können nun beobachten, wie sie (hoffentlich) wachsen und gedeihen. Dazu lief die herrlich unaufgeregte Musik von Talk Talk, ihrem zweiten und bestverkauftesten Album, dass zugleich einen leichten Stilbruch zum Erfolgs- und Erstlingswerk bildete, aber nicht weniger gut ist (und schon erahnen lässt, wohin die musikalische Reise von Talk Talk späterer Arbeit gehen könnte). Im Gegenteil, Talk Talk ist eine der ganz wenigen Bands, die es meiner Meinung nach schafften, von Album zu Album besser zu werden. Keine Selbstkopie, kein Hinterhecheln von Trends, keine Kompromisse. Stattdessen entfalten sie, gerade mit dem Zweitling „The Colour Of Spring“, eine Kreativität, die ihresgleichen sucht. Insofern ist auch der Titel passend: Denn im Frühling ist die Welt gemacht… Talk Talk lassen neue Musik aus warmen, erdigen Tönen erwachsen, Mark Hollis haucht dem ganzen mit seiner fragilen Stimme Leben ein.

…es ist mir stets eine Freude, dieses (und die anderen) Album von Talk Talk aufzulegen…