Archiv der Kategorie: Forschung

out now! „Gelingende Schultentwicklung im System“

cover gelingende schulentwicklungAn dieser Stelle etwas Werbung in eigener Sache. Diese Woche ist das Buch „Gelingende Schulentwicklung im System. Perspektiven, Haltungen und Handlungen von Akteuren in gelingender Schulentwicklung“ beim BoD Verlag Norderstedt als Buch (Paperback) und E-Book erschienen (432 Seiten). Es kann direkt beim Verlag bestellt werden, ist aber auch über alle anderen Kanäle sowie im Buchhandel erhältlich. Die E-Book Version (z.B. als ePub,  als kindle-edition oder auch iBook)  ist bis Mitte Mai zum Aktionspreis bestellbar. Eine digitale Leseprobe findet sich auch bei google books: hier klicken

Zusammenfassung des Inhalts

Zentrale Fragestellung des Buches ist: Welche Perspektiven und Haltungen nehmen Akteure in gelingender Schulentwicklung ein und welche Handlungen resultieren daraus?

Hierzu wurden in einem ersten Schritt die Geschichte der Schulentwicklung von der Antike bis ins 20. Jahrhundert skizziert  und die sich daran anschließenden Entwicklungslinien einer Theorie der Schulentwicklung dargestellt. Diese beziehen sich auf die Felder der Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Unterrichtsentwicklung. Eine systemische Betrachtung verdeutlicht: Schulentwicklung findet nicht entkoppelt statt, sondern ist in eine Systemumwelt eingebunden. Diese strukturelle Kopplung ist interdependent.

Im zweiten Schritt wurden die zentralen Akteure im Schulentwicklungsprozess und ihre Aufgaben innerhalb eines solchen Prozesses identifiziert und vorgestellt. Dabei sind vor allem drei Akteursgruppen von Interesse, die in die Betrachtungen einflossen: die Schulleitungen, die kooperative Schulleitung und kooperierende Lehrende.

Im Rahmen einer umfangreichen empirischen Untersuchung wurden Schulen identifiziert, die sich bzgl. eines eingeführten Schulentwicklungsprozesses als gelingende Schulen auszeichneten. Die Untersuchung fokussierte dabei die Perspektiven, Haltungen und Handlungen der Akteure bzw. Akteursgruppen und zeichnet diese nach. Dabei wurde ein mixed-method Forschungsdesign entworfen und umgesetzt, dass eine rekonstruktive Sozialforschung erlaubt und einem systemisch-konstruktivistischen Forschungsparadigma folgt. So kamen qualitative Forschungsmethoden wie Delphi-Studie, Experten- und Fokusgruppen-Interviews oder die Grounded Theory zum Einsatz, deren Ergebnisse durch eine quantitative Erhebung validiert bzw. falsifiziert wurden. Darüber hinaus fanden Instrumente der systemischen Forschung, wie z.B. zirkuläres Fragen Anwendung, um die Perspektiven auf Schulentwicklungsprozesse und – darauf aufbauend – die Perspektiven, Haltungen und Handlungen der Akteure zu erweitern.

Im Ergebnisteil der Arbeit sind die Perspektiven, Haltungen und Handlungen der drei Akteursgruppen vor dem Hintergrund der Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung in einer Matrix zusammengefasst.

Das Buch richtet sich an Personen, die sich sowohl praktisch als auch theoretisch mit Schulentwicklung beschäftigen. Es möchte Hilfen und Hinweise bei der Organisation und Durchführung von realen Schulentwicklungsprozessen liefern, als auch die Diskussion und Gestaltung einer Theorie der Schulentwicklung anregen.

Bei Interesse an einem Rezensionsexemplar des Buches bitte ich um eine kurze eMail an kontakt(at)lars-kilian.de mit Angabe des Ortes, an dem die Rezension veröffentlicht werden soll. Wahlweise kann der Verlag auch direkt angeschrieben werden.

Handreichung zum Qualitätsmanagement in der wissenschaftlichen Weiterbildung

Im  Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerbs: „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen“ wurde eine weitere Handreichung zum Themenfeld: „Qualitätsmanagement in der wissenschaftlichen Weiterbildung“ veröffentlicht und steht als Download gratis zur Verfügung (Link: https://de.offene-hochschulen.de/fyls/398/download_file

Auf ca. 140 Seiten werden Qualitätsmanagementsysteme (Teil 1) Kompetenzorientierung und Qualitätssicherung (Teil 2) und Ergebnissicherung und Nachhaltigkeit von Evaluationen (Teil 3) besprochen und mit Praxisbezügen angereichert. Die Autorenschaft ist breit gefächert und arbeitet in vielfältigen Projekten, die durch den o.g. Wettbewerb gefördert werden.

„Die Eulen sind nicht, was sie scheinen“ – Systemik & Twin Peaks

Bildquelle: http://www.davidlynch.de/Owl.jpg

Ein Satz, der in der Serie Twin Peaks von David Lynch immer wieder aufblitzt, lautet „Die Eulen sind nicht, was sie scheinen.“ Das Netz ist voll von Theorien und Hypothesen zur Bildsprache und den Texten der Serie, die teilweise amüsant und/oder spannend sind. Interessant hingegen ist ein Beitrag von Christoph Lorenz, der die ästhetische Codierung autopoietischer Strukturen und Prozesse am Beispiel von Twin Peaks aufzeigt. Unter Verweisen auf einzelne Episoden, Szenen und Sequenzen der Serie arbeitet er Themenfelder wie „System/Umwelt“, „Spiegelung“ oder „Zirkularität“ ab, die nicht nur für den interessierten Systemiker spannend sind, sondern – zumindest mir – wieder verdeutlichen, welchen Wert und welche Bedeutung der systemische Ansatz in der (Sozial-)Forschung spielt. Ihre Arbeit ist vergleichbar mit dem Ansinnen von Special Agend Dale Cooper, der versucht, im System Twin Peaks den Mord an Laura Palmer (mit spannenden Methoden) zu lösen. Empfehlenswert – die Serie und der Text 😉

Zum Text geht es hier lang: http://www.davidlynch.de/tpkonstrukt.html

ICILS 2013 – Verlust der „Digital Natives“?

Bildquelle: http://www.iea.nl/uploads/pics/ICILS_2013_Logo_200.png


Am 20.11.14 wurde die ICILS 2013 veröffentlich. ICILS kann als PISA Studie mit Fokus auf auf Computer- und Informationskompetenzen (bei Achtklässlern) gefasst werden.  In der Zusammenschau der zentralen Ergebnisse für Deutschland zeigt sich, dass

  • die deutschen Schüler*innen sind bzgl. der gemessenen Kompetenzen im mittleren Bereich in der Rangreihe der beforschten Länder,
  • nur wenige Schüler*innen erreichen bei der Untersuchung das höchste Kompetenzniveau, aber ca. 30% liegen auf den unteren Kompetenzniveaus,
  • bei den mittleren Kompetenzniveaus liegen die Schülerinnen vor den Schülern,
  • Bildungsbenachteiligungen bzw. „besorgniserregend geringe computer- und informationsbezogenen Kompetenzen“ finden sich auch hier bei bei Schüler*innen mit Migrationshintergrund sowie unteren und mittleren sozialen Lagen feststellen,
  • es ein Missverhältnis zwischen Potentialen des E- bzw. blended learning und der im Klassenraum stattfindenden Realität gibt und Entwicklungspotentiale bzgl. der schulischen Ausstattung sowie Lehrendenunterstützung bestehen (vgl. https://kw.uni-paderborn.de/fileadmin/kw/institute-einrichtungen/erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/eickelmann/pdf/ICILS_2013_Presseinformation.pdf, S. 5)

Am bemerkenswertesten finde ich das Ergebnis, demnach die untersuchten Schüler*innengruppen nicht per se als Digital Natives eingestuft werden können. Ich halte die These der „Digital Natives“, also der Existenz einer heranwachsenden Generation, denen die digitalen Medien schon in die Wiege gelegt wurden und die daher souverän, selbstbestimmt und selbstverständlich  die Medien Kompetent für ihre Belange einsetzen, fragwürdig – oder besser geschrieben: schlichtweg falsch. Meine Gegenthese ist: Die ältere Generation besaß die Medienkompetenz, die für ein (Über-)Leben in der jeweiligen Mediengesellschaft notwendig war. Durch die Multi-Entwicklungen der Medien ist es zunehmend schwerer, Medienkompetenz zu erlangen, wie sie Dieter Baacke (1998) formulierte: die Mediennutzung, Medienkunde, Mediengestaltung und Medienkritik. Zu wissen, welche Medien es gibt, wie diese für meine Kommunikationszwecke genutzt werden können, welche Optionen der Gestaltung ich hab und welche ich für welches Kommunikations- oder Informationsanliegen wie auswähle – das sind Fragen, deren Beantwortung immer exemplarischer werden kann…

Wer sich fragt, wie diese Kompetenzen bei den Schülern getestet worden sind, findet ein (englischsprachiges) Beispiel Testmodul hinter folgendem Link: http://www.iea.nl/icils_2013_example_module.html

Quellen

Baacke, Dieter (1998): Zum Konzept und zur Operationalisierung von Medienkompetenz. Online verfügbar unter http://www.produktive-medienarbeit.de/ressourcen/bibliothek/fachartikel/baacke_operationalisierung.shtml, zuletzt geprüft am 30.11.2014.

Bos, Wilfried; Eickelmann, Birgit; Gerick, Julia; Goldhammer, Frank; Schaumburg, Heike; Schwippert, Knut et al. (Hg.) (2014):
ICILS 2013. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich.
Münster, Westf: Waxmann.

Wie Ältere Lernen? Mir scheint – wie Jüngere!

Zu diesem Fazit kam ich beim Lesen der Zusammenfassung einer Studie der Fraunhofer IAO. In einer Befragung von über 1000 Verwaltungsangestellten über 50 Jahren  in Stuttgart stellten die Mitarbeiter Gabriele Korge und Christian Piele u.a. fest, dass Frauen lieber austauschorientiert und Männer lieber selbstorganisiert lernen oder das selbstorganisiertes Lernen mit Integration kommunikativ-austauschorientierter Elemente erfolgreicher ist. Auch die Selbstwirksamkeit der Lernenden sollte gestärkt werden sowie einen Überblick auf den Lernprozess haben. Allesamt Faktoren, die ich in der einen oder anderen Publikation auch für andere / jüngere Lernende schon gelesen habe. So wird gerade in der Diskussion um die Gestaltung kompetenzorientierter Lernangebote Kommunikation, Selbstorganisation oder Selbstwirksamkeit betont (z.B. bei  Pätzold & Lang 2004; Reischmann 2004)

Bei einem genaueren Blick in die Studie (die ausführlich unter der Adresse: http://www.bbbank-stiftung.de/fileadmin/redaktion/Dokumente/Studie_Lernen_Aeltere.pdf hinterlegt ist) zeigen sich in der Zusammenfassung detailliertere Ergebnisse (vgl. Korge & Piele 2014, S. 216ff).

So stellten die Autoren fest, dass ältere Verwaltungsmitarbeitende eine heterogene Gruppe bzgl. der Lernerfahrungen und -vorlieben sind – was auch für andere Lerngruppen gilt. Sechs unterschiedliche Lernsettings konnten in der Untersuchung festgestellt werden: Dozentenzentrierters Lernen, erweiterters dozentenzentriertes Lernen, vielfältiges Lernen (bzgl. Lerorte und -zeiten sowie Quellen), austauschorientiertes Lernen (mit Quellen, die Austausch der Lernenden anregen), praxiserprobendes Lernen sowie selbstorganisiertes Lernen. Auch hier: meines Erachtens keine Unterschiede zu anderen Lernendengruppen.

Erfolgreiches Lernen bei älteren Verwaltungsmitarbeitenden kann durch die Unterstützung der Selbstwirksamkeit der Lernenden,  der Selbstorganisation des Lernenprozesses, Förderung des Austauschs der Lernenden, Lernortvariationen (je nach Lernanlass/-thema), Beachtung eines passenden Zeitrahmens für die Lerndauer und Berücksichtigung der Gruppenzusammensetzung erfolgen. Und wieder komme ich zu dem Schluss oder der Frage: was ist der Unterschied zu anderen Lernenden?

Als weitere Hinweise geben die Autoren mit auf den Weg, dass ungestörtes Lernen, Befürworten des Lernens am Arbeitsplatz durch Kollegen und Vorgesetzte und Lernen ohne großen Zeitaufwand ebenfalls förderlich wirken.

Irgendwie ist es beruhigend, wieder zu erfahren, dass es scheinbar keine Unterschiede bzgl. des Lernens verschiedener Menschen(gruppen) gibt. Und irgendwie auch nicht verwunderlich. Kommt damit erneut die Frage auf: wie können wir Lernanlässe gestalten, die lernförderlich und lernendenfreundlich sind? Und damit sind wie wohl auch schnell wieder bei didaktischen Fragen, sofern es um formelle Lernprozesse geht. Aber auch bei informellen Lernprozessen – so meine These – spielt die Didaktik eine wichtige Rolle (ein Thema, dass ich gern mit Marin Lindner noch ein wenig vertiefen würde :-)). Aber dazu später hoffentlich mehr….

Literatur:

  • Korge, Gabriele & Piele, Christian (2014): Studie „Lernen Ältere“. Lernsettings für ältere Verwaltungsmitarbeitende. IAO Stuttgart.  http://www.bbbank-stiftung.de/fileadmin/redaktion/Dokumente/Studie_Lernen_Aeltere.pdf
  • Pätzold, Günther; Lang, Martin (2004): Förderung des selbst gesteuerten Lernens in der beruflichen Erstausbildung. Universität Dortmund;  Universtität St. Gallen.;
  • Reischmann, Jost (2004): Kompetenz lehren? Kompetenz- und Performanz-Orientierung in der Andragogik zwischen Didaktik und Organisationsentwicklung. Universität Bamberg.

 

Kritik an der Hattie-Studie

Schon ein paar Tage alt, ging die Kritik an der Hattie Studie von Rolf Schulmeister und Jörn Loviscach etwas an mir vorbei, nur um mir jetzt umso häufiger über den Weg zu laufen. Per Mail oder im Netz stolper ich über Hinweise zu dem Text, der Kritikpunkte benennt und der bei Googledocs zweisprachig eingesehen werden kann. In der Kritik weisen Schulmeister und Loviscach darauf hin, dass die Meta-Analyse „Visible Learning“, welche eine Vielzahl von (Meta-)Analysen zur Wirkung von Unterricht untersucht und zusammenfast, beträchtliche und methodische Schwächen aufweist und kommen zum Schluss, dass das Werk einer grundlegenden Überprüfung bedarf. Auf Basis von Stichproben aus den von Hattie herangezogenen Untersuchungen finden die beiden Autoren folgende Kritikpunkte:

  • offenbar nicht wenige der von Hattie herangezogenen Studien sind methodisch zweifelhaft und nicht aussagekräftig genug,
  • die Zuordnung einiger in die Beforschung aufgenommene Untersuchungen zu entsprechenden Themen der Hattie-Studie erscheint den Kritikern fragwürdig,
  • die von Hattie genutzten Analysen sind nicht sorgfältig ausgewählt und so findet sich z.B. eine Studie zur Konzentration industrieller Macht, die nicht mit der Konzentration im Lernprozess zu verwechseln sei. Auch konnten Schulmeister und Loviscach nicht immer die in der Hattie-Studie gefundenen Zahlen in den Originalen wiederfinden,
  • Kritik an der Kompatibilität von abhängigen Variablen, die in der Hattie-Studie Anwendung fanden,
  • statistische Messfehler, wie die Mittlung von Standardfehlern aus verschiedenen statistischen Untersuchung,
  • nicht nachvollziehbares Ranking, welches in der Hattie-Studie große Aufmerksamkeit erregte. Die beiden Kritiker konnten nach einigen Korrekturen auf Basis der Nachprüfungen anderes Rangordnungen errechnen.

Das als kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und Kritikpunkte von Schulmeister und Loviscach. Eine bemerkenswerte und sicherlich nützliche Arbeit, die vielleicht dazu einlädt, vorsichtiger mit Daten und Ergebnissen umzugehen.

Nachzulesen in Schulmeister, Rolf & Loviscach, Jörn (2014). Kritische Anmerkungen zur Studie “Lernen sichtbar machen” (Visible Learning) von John Hattie. SEMINAR 2/2014, S. 121-130.

Quelle zur Hattie-Studie: Hattie, John (2014). Lernen sichtbar machen. 2. korr. Aufl. Hohengehren: Schneider. (bei Amazon)

Die Zusammenfassung der Kritik von Schulmeister& Loviscach online unter: https://docs.google.com/document/d/1hUbe8GYPFToduveTVD1laNXn-2lwlxsWRNkc62l5LYg/

 

mission possible

Quelle: http://www.hof.uni-halle.de/dateien/JPG/hof-hr6-missin-possible.jpg

Mit dem schönen Übertitel „Mission possible“ wurde das Beiheift zur Zeitschrift „die hochschule“ benannt. Der Untertitel gibt etwas mehr Auskunft: „Gesellschaftliche Verantwortung ostdeutscher Hochschulen: Entwicklungschance im demografischen Wandel“.

Das Thema, dass das Team Henke, Höhne, Pasternack und Schneider hier aufgreifen, ist hochaktuell und meines Erachtens nicht mehr nur für ostdeutsche Hochschulen von Interesse. Denn der demografische Wandel vollzieht sich in vielen Regionen Deutschlands, wenngleich eventuell schleichender, was jedoch auch gefährlicher sein kann. Und so lohnt sich sicher ein Blick auf die Strategien der Hochschulen zur Legitimation ihrer Existenz einerseits, als auch die deren Funktion für und Effekte auf die jeweiligen Regionen. Die demografischen Entwicklungen erlauben zwei Strategien: einerseits die Entkopplung von der regionalen Situation z.B. durch stärkeres Engagement im Segment des Online-/Distance-Learning oder andererseits durch eine klare Positionierung als Mitgestaltende in der Region und damit aktiver Teil der Problemlösung (vgl. Studie S. 8).  Bei zweitgenannter Strategie können Hochschulen durch ihre Expertise Innovationen in der jeweiligen Region stärken sowie Aufgaben für die Region übernehmen, für die sonst kaum noch Ressourcen bestehen (z.B. Bereitstellung von Infrastruktur, kulturelle Aufgaben…).

Durch die sich entspannende Studiensituation ab 2015 an westdeutschen Hochschulen fällt darüber hinaus eine weitere Quelle der ostdeutschen Hochschulen weg: der Zustrom an Studienanfängern aus den überfüllten Hochschulen westdeutschlands, was die Situation neben den regionalen demografischen Entwicklungen noch verschärft. Ebenso dürfte sich ein Kampf um Bildungsteilnehmende zwischen Hochschulen und Berufsbildungsanbietern entfachen. Wird dazu aufgrund ungünstiger Haushaltsfinanzen die Fächervielfalt an den Standorten eingedampft, entstehen weitere Risiken, „da ein empirisch nachgewiesener Zusammenhang besteht zwischen räumlicher Nähe zu präferierten Fächerangeboten und der  individuellen Neigung, ein Studium aufzunehmen bzw. für die Studienaufnahme im Herkunftsbundesland zu verbleiben. (Vgl. Schmid/Pasternack 2013: 436f.)“ (ebd. S. 13)

Vor dem Hintergrund, dass auch in westdeutschen Regionen zwar nicht vergleichbare, aber ähnliche demographische Entwicklungen bevor stehen, ist diese Veröffentlichung nicht ganz uninteressant (wie übrigens zahlreiche weitere Veröffentlichungen des Instituts für Hochschulforschung Halle-Wittenberg)

Für den geneigten Leser der Link zur hier nur knapp skizzierten Handreichung: http://www.hof.uni-halle.de/journal/texte/Handreichungen/HoF-Handreichungen6.pdf

Trendstudie Fernstudium 2014

Holger Sommerfeld und Philipp Höllermann von der Internationalen Hochschule Bad Honnef veröffentlichten jüngst die Trendstudie Fernstudium 2014. Die Studie gibt einen guten und kompakten Überblick über die Entwicklung des Fernstudiums in Deutschland. Sie gibt Auskunft über

  • die Teilnehmerstruktur der Fernstudierenden
  • Motive, die zur Aufnahme eines Fernstudiums führen
  • die Wege der Informationsbeschaffung der Teilnehmenden an Fernstudienangeboten sowie die Gründe, die zur Auswahl des entsprechenden Angebots geführt haben
  • die Einschätzung der Fernstudierenden bzgl. der administrativen und fachlichen Betreuung während des Studiums
  • bevorzugte und weniger bevorzugte Lehrformate und Lernmittel aus Perspektive der befragten Fernstudierenden
  • Zeitmanagement
  • Unterstützung durch Arbeitgeber sowie
  • die Rentabilität des Fernstudiums für die Studierenden.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass das Fernstudium weiter boomt. Dabei kommt vor allem neuen Lehrformaten (z.B. social learning), Lernmedien (z.B. digitale Skripte) und Organisationsstrukturen (Online Campus) eine wachsende Bedeutung zu. Interessant ist auch der Vergleich zu den Daten der Erhebung aus 2011, die einige Trends aufzeigen. So verliert z.B. in der aktuellen Erhebung das Thema Gamifikation an Bedeutung.

Link zur Studie: http://www.trendstudie-fernstudium.de/wp-content/uploads/2014/10/Trendstudie-Fernstudium-2014-LQ.pdf

Medien: Stressoren oder Unterhalter oder…

Da stolper ich jüngst über eine interessante Untersuchung von Leonard Reinecke, Tilo Hartmann & Allison Eden, die sich mit der Frage beschäftigt, ob Mediennutzung mehr stresst oder doch mehr entspannt. Sie kamen zu einem interessanten Ergebnis auf Basis der Befragungen von 471 Studienteilnehmenden.

Personen, die mit besonders hohem Erschöpfungsgrad in den Feierabend gehen, sehen die Mediennutzung zu Unterhaltungszwecken eher als Prokrastination. Dies führt in Folge zu Stress, da offenbar das Gefühl bei diesen Personen entsteht, wertvolle Zeit zu verschwenden. Dies wiederum verringert die erholende Wirkung der Nutzung entsprechender Medien. Demgegenüber konnten jedoch vorausgehende Untersuchungen zeigen, dass die Mediennutzung zu Unterhaltungszwecken nach einem kräftezehrenden Tag als Quelle der Erholung und Motivator dienen können. Untersuchungsteilnehmer zeigten hier sowohl ein höher subjektiv eingeschätztes Energielevel als auch bessere kognitive Leistungen durch den erholenden Effekt der Unterhaltungsmedien.  

Interessant ist diese Untersuchung auch vor dem Hintergrund meines hier geführten kleinen, digitalen Sammelsuriums. Die letzten Monate waren voll mit vielen anderen Dingen, die tagtäglich bearbeitet werden wollten / sollten / mussten. So blieb kaum Zeit für den Blog (und andere Hobbys.) Damit kam die Frage auf, ob ich den Blog überhaupt in dieser Form weiterführen oder besser beenden sollte, zumal viele andere Medien wie google+, xing, discogs oder flickr die schnellere Veröffentlichung von Inhalten und den Austausch selbiger am Markt sind. Dass ich mit diesen Gedanken nicht allein bin, zeigen Beispiele im Internet. So schloss jüngst Hajo Dezelski seinen Blog „Kontrapunkte“ (http://hajos-kontrapunkte.blogspot.de/2014/08/blogs-end-but-content-will-live-in.html). Das jemand seinen Blog nicht mehr pflegt, passiert sicher tagtäglich vielfach. Mir kamen aber die von Hajo Dezelski angeführten pro- und contra-Argumente zum Führen eines Blogs sehr bekannt vor und ich hätte seinen letzten Beitrag wohl fast 1:1 übernehmen können. Aber irgendwie häng ich an meiner digitale Sammelmappe, da sie mir als mobiles Nachschlagewerk schon oft gute Dienste leistete, wenn ich mich wieder mal an ein Thema nicht so recht erinnern mag…

Dank der o.g. Studie bleib ich also mal noch ein wenig in der virtuellen Welt des Blogs aktiv. Vielleicht ist das ja die kreative Verbindung zwischen Arbeit und Erholung, Erfolgsgefühl und verbesserten Energielevel 🙂

 

Gute wissenschaftliche Praxis

Quelle: http://www.dfg.de/zentralablage/bilder/foerderung/rechtliche_rahmenbedingungen/gwp/gwp_startseite_180_200.jpg

Die DFG hat ein Memorandum zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis herausgegeben, welches kostenfrei im Netz abgerufen werden kann(pdf, e-Paper). Hintergrund ist u.a. der, dass bei der Inanspruchnahme von Mitteln der DFG Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis zu berücksichtigen sind. Diese werden im benannten Heft nochmals bündig in entsprechenden Empfehlungen vorgestellt. Dazu zählen:

  • Themenfelder guter wissenschaftlicher Praxis (GWP)
  • Formulierung von Regeln für GWP
  • die Auftgaben der Hochschulleitungen zur Sicherung der GWP
  • Grundsätze für die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • die Einrichtung von unabhängigen Vertrauenspersonen / Ombudspersonen an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen
  • die Festlegung von Leistungs- und Bewertungskriterien an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen
  • die Sicherung von Primärdaten
  • Regelung der Verfahren bei wissenschaftlichem Fehlverhalten
  • Hinweise für außeruniversitäre Institute und Fachgesellschaften
  • Veranwortungen der Autoren von Publikationen
  • Empfehlungen GWP für Zeitschriften (und Gutachter*innen)
  • Hinweise für Einrichtungen der Forschungsförderung bzgl. der Antragstellung, Verwendungsrichtlinien & Gutachter*innen
  • den Umgang mit Whistleblowern in der Wissenschaft

Darüber hinaus findet sich in dem Heft auch eine Analyse der Probleme des Wissenschaftssystems sowie internationale Erfahrungen.

GWP wünsche ich!