Archiv der Kategorie: Forschung

Soft Skills entscheidend in der Personalgewinnung bei Weiterbildungsanbietern

Im wbmonitor 2014 wurde der Frage nachgegangen, wie die Personalgewinnung bei Weiterbildungsanbietern ausschaut. Hintergrund ist, so die Autoren, dass das Weiterbildungspersonal eine entscheidende Rolle zukommt, wenn es um die Weiterbildungsqualität geht. Zugleich ist der Zugang zur Lehrtätigkeit in diesem Sektor nicht reglementiert und nur wenig professionalisiert. Daher scheint es interessant, die Rekrutierungskriterien der Weiterbildungsanbieter bei der Auswahl von Lehrenden genauer zu untersuchen. Das Ergebnis in Kürze: Die Soft Skills der potentiell Lehrenden sowie ihre Passung zur Einrichtung wird ein höherer Wert zugeschrieben, als den pädagogischen Qualifikationen.

Die Personalstrukturen, so zeigt die Untersuchung, ist für Deutschland atypisch. Nur ca. 1/3 der Beschäftigten sind bei den Anbietern angestellt, während die übrigen Mitarbeitenden auf Honorarbasis (ca. 60%) oder im Ehrenamt  (ca. 6%) tätig sind. Hingegen bereitet ca 50% der Anbieter die Personalgewinnung Schwierigkeiten, die bei Privatanbietern durch bessere Bezahlung z.T. abgefedert werden soll. Dies hat insb. bei öffentlichen Trägern zur Folge, dass nicht alle gewünschten Weiterbildungsthemen angeboten werden können. Interessant ist, dass einmal gewonnenes und bewährtes Personal offenbar relativ problemlos gehalten werden kann und diese nur selten den Anbieter wechselt.

Da der Weiterbildungsbereich nur einen geringen Grad an Professionalisierung aufweist und der Zugang zu einer Lehrtätigkeit im Gegensatz zu anderen Bildungsbereichen wie z.B. allgemeinbildenden Schulen kaum reglementiert ist, ging der wbmonitor der Frage nach, welche Auswahlkritierien die Anbieter bei der Rekrutierung von Personal nutzen. Bemerkenswert: Pädagogische Kompetenzen kommen erst an achter Stelle, noch nach den Fachkompetenzen. Dagegen dominieren Sozialkompetenzen, Loyalität ggü. dem Arbeitgeber u.ä. Skills. D.h., dem  Weiterbildungsanbieter interessiert die fachliche und pädagogische Eignung der Lehrenden erst in zweiter oder dritter Linie. Vorrangig sollte eine Passung zwischen Lehrenden und der Organisation bestehen, die zu einer Einstellung führt.

Quelle: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a22_wbmonitor_ergebnisbericht_umfrage_2014.pdf, S. 15
Quelle: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a22_wbmonitor_ergebnisbericht_umfrage_2014.pdf, S. 15

Inwiefern solche Skills für die Bewältigung der Anforderungen wohl ausreichen? Oder lassen sich die Ergebnisse dadurch erklären, dass die Weiterbildungsanbieter von einer fachlichen und pädagogischen Eignung schlichtweg vorab ausgehen und damit die organisationale Passung an Bedeutung gewinnt?  Deutlich mach die Untersuchung zumindest: Soft Skills sind wichtig für einen Zugang zum Arbeitsmarkt in der Weiterbildungsbranche.Aber ob damit eine „Abwertung der Pädagogik“ einher geht…?

 

 

 

 

 

 

Link zum wbmonitor 2014: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a22_wbmonitor_ergebnisbericht_umfrage_2014.pdf

 

T-Book – Alter Wein…?

Quelle: http://www.t-book.audio/press/thumb/IMGP0430.JPG

Die TU-Chemnitz hat das „T-Book“ vorgestellt. Das T steht für Ton – also die Verbindung von Audio und Printmedium. Auf der Webseite wird es als evolutionärer Schritt dargestellt, jedoch denke ich, dass es gar nicht sooo neu ist. Ich erinnere mich an Kinderbücher, denen eine sogenannte Schallfolie beigelegt war, die auf dem Plattenspieler der Eltern wiedergegeben werden konnte. Modernere Versionen sind z.B. die tiptoi Bücher Bücher, die mittels speziellem Lesestift weitere Audioinformationen für die Lesenden bereithalten (das da mehr möglich wäre, hatte ich mal mit Ravensburger diskutiert, aber der Verlag hatte nicht so viel Interesse an einer „erweiterten Funktionalität“ der Bücher).

Neu hingegen bei T-Books ist das Produktionsverfahren, dass dann die Audiowiedergabe ermöglicht. Es wird kein weiteres Lesegerät benötigt und die Technik bindet sich smart ins Buch ein. Beim Umblättern werden die Sounds eingespielt bzw. ausgeblendet. Ein schönes Beispiel liefert die Aufbereitung des 2015er Katalogs des World Press Photo Awards, das ich an den Blogbeitrag gepackt habe.

Ob es sich jedoch durchsetzen wird? Immerhin könnte ich bei einem E-Book ebenfalls problemlos die Audiodateien einbinden und wiedergeben lassen. Das alles mit HD-Bildauflösung, Kopfhöreranschluss oder Ausgabe über die Lautsprecher des Tablets, hoher Audioqualität oder, falls nötig, austauschbaren Audiodateien uvm…

Mehr Infos unter http://www.t-book.audio/

Einen Einblick in das T-Book für die World Press Photo Veröffentlichung gibt es auf youtube

out now! „Gelingende Schultentwicklung im System“

cover gelingende schulentwicklungAn dieser Stelle etwas Werbung in eigener Sache. Diese Woche ist das Buch „Gelingende Schulentwicklung im System. Perspektiven, Haltungen und Handlungen von Akteuren in gelingender Schulentwicklung“ beim BoD Verlag Norderstedt als Buch (Paperback) und E-Book erschienen (432 Seiten). Es kann direkt beim Verlag bestellt werden, ist aber auch über alle anderen Kanäle sowie im Buchhandel erhältlich. Die E-Book Version (z.B. als ePub,  als kindle-edition oder auch iBook)  ist bis Mitte Mai zum Aktionspreis bestellbar. Eine digitale Leseprobe findet sich auch bei google books: hier klicken

Zusammenfassung des Inhalts

Zentrale Fragestellung des Buches ist: Welche Perspektiven und Haltungen nehmen Akteure in gelingender Schulentwicklung ein und welche Handlungen resultieren daraus?

Hierzu wurden in einem ersten Schritt die Geschichte der Schulentwicklung von der Antike bis ins 20. Jahrhundert skizziert  und die sich daran anschließenden Entwicklungslinien einer Theorie der Schulentwicklung dargestellt. Diese beziehen sich auf die Felder der Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Unterrichtsentwicklung. Eine systemische Betrachtung verdeutlicht: Schulentwicklung findet nicht entkoppelt statt, sondern ist in eine Systemumwelt eingebunden. Diese strukturelle Kopplung ist interdependent.

Im zweiten Schritt wurden die zentralen Akteure im Schulentwicklungsprozess und ihre Aufgaben innerhalb eines solchen Prozesses identifiziert und vorgestellt. Dabei sind vor allem drei Akteursgruppen von Interesse, die in die Betrachtungen einflossen: die Schulleitungen, die kooperative Schulleitung und kooperierende Lehrende.

Im Rahmen einer umfangreichen empirischen Untersuchung wurden Schulen identifiziert, die sich bzgl. eines eingeführten Schulentwicklungsprozesses als gelingende Schulen auszeichneten. Die Untersuchung fokussierte dabei die Perspektiven, Haltungen und Handlungen der Akteure bzw. Akteursgruppen und zeichnet diese nach. Dabei wurde ein mixed-method Forschungsdesign entworfen und umgesetzt, dass eine rekonstruktive Sozialforschung erlaubt und einem systemisch-konstruktivistischen Forschungsparadigma folgt. So kamen qualitative Forschungsmethoden wie Delphi-Studie, Experten- und Fokusgruppen-Interviews oder die Grounded Theory zum Einsatz, deren Ergebnisse durch eine quantitative Erhebung validiert bzw. falsifiziert wurden. Darüber hinaus fanden Instrumente der systemischen Forschung, wie z.B. zirkuläres Fragen Anwendung, um die Perspektiven auf Schulentwicklungsprozesse und – darauf aufbauend – die Perspektiven, Haltungen und Handlungen der Akteure zu erweitern.

Im Ergebnisteil der Arbeit sind die Perspektiven, Haltungen und Handlungen der drei Akteursgruppen vor dem Hintergrund der Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung in einer Matrix zusammengefasst.

Das Buch richtet sich an Personen, die sich sowohl praktisch als auch theoretisch mit Schulentwicklung beschäftigen. Es möchte Hilfen und Hinweise bei der Organisation und Durchführung von realen Schulentwicklungsprozessen liefern, als auch die Diskussion und Gestaltung einer Theorie der Schulentwicklung anregen.

Bei Interesse an einem Rezensionsexemplar des Buches bitte ich um eine kurze eMail an kontakt(at)lars-kilian.de mit Angabe des Ortes, an dem die Rezension veröffentlicht werden soll. Wahlweise kann der Verlag auch direkt angeschrieben werden.

Handreichung zum Qualitätsmanagement in der wissenschaftlichen Weiterbildung

Im  Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerbs: „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen“ wurde eine weitere Handreichung zum Themenfeld: „Qualitätsmanagement in der wissenschaftlichen Weiterbildung“ veröffentlicht und steht als Download gratis zur Verfügung (Link: https://de.offene-hochschulen.de/fyls/398/download_file

Auf ca. 140 Seiten werden Qualitätsmanagementsysteme (Teil 1) Kompetenzorientierung und Qualitätssicherung (Teil 2) und Ergebnissicherung und Nachhaltigkeit von Evaluationen (Teil 3) besprochen und mit Praxisbezügen angereichert. Die Autorenschaft ist breit gefächert und arbeitet in vielfältigen Projekten, die durch den o.g. Wettbewerb gefördert werden.

„Die Eulen sind nicht, was sie scheinen“ – Systemik & Twin Peaks

Bildquelle: http://www.davidlynch.de/Owl.jpg

Ein Satz, der in der Serie Twin Peaks von David Lynch immer wieder aufblitzt, lautet „Die Eulen sind nicht, was sie scheinen.“ Das Netz ist voll von Theorien und Hypothesen zur Bildsprache und den Texten der Serie, die teilweise amüsant und/oder spannend sind. Interessant hingegen ist ein Beitrag von Christoph Lorenz, der die ästhetische Codierung autopoietischer Strukturen und Prozesse am Beispiel von Twin Peaks aufzeigt. Unter Verweisen auf einzelne Episoden, Szenen und Sequenzen der Serie arbeitet er Themenfelder wie „System/Umwelt“, „Spiegelung“ oder „Zirkularität“ ab, die nicht nur für den interessierten Systemiker spannend sind, sondern – zumindest mir – wieder verdeutlichen, welchen Wert und welche Bedeutung der systemische Ansatz in der (Sozial-)Forschung spielt. Ihre Arbeit ist vergleichbar mit dem Ansinnen von Special Agend Dale Cooper, der versucht, im System Twin Peaks den Mord an Laura Palmer (mit spannenden Methoden) zu lösen. Empfehlenswert – die Serie und der Text 😉

Zum Text geht es hier lang: http://www.davidlynch.de/tpkonstrukt.html

ICILS 2013 – Verlust der „Digital Natives“?

Bildquelle: http://www.iea.nl/uploads/pics/ICILS_2013_Logo_200.png


Am 20.11.14 wurde die ICILS 2013 veröffentlich. ICILS kann als PISA Studie mit Fokus auf auf Computer- und Informationskompetenzen (bei Achtklässlern) gefasst werden.  In der Zusammenschau der zentralen Ergebnisse für Deutschland zeigt sich, dass

  • die deutschen Schüler*innen sind bzgl. der gemessenen Kompetenzen im mittleren Bereich in der Rangreihe der beforschten Länder,
  • nur wenige Schüler*innen erreichen bei der Untersuchung das höchste Kompetenzniveau, aber ca. 30% liegen auf den unteren Kompetenzniveaus,
  • bei den mittleren Kompetenzniveaus liegen die Schülerinnen vor den Schülern,
  • Bildungsbenachteiligungen bzw. „besorgniserregend geringe computer- und informationsbezogenen Kompetenzen“ finden sich auch hier bei bei Schüler*innen mit Migrationshintergrund sowie unteren und mittleren sozialen Lagen feststellen,
  • es ein Missverhältnis zwischen Potentialen des E- bzw. blended learning und der im Klassenraum stattfindenden Realität gibt und Entwicklungspotentiale bzgl. der schulischen Ausstattung sowie Lehrendenunterstützung bestehen (vgl. https://kw.uni-paderborn.de/fileadmin/kw/institute-einrichtungen/erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/eickelmann/pdf/ICILS_2013_Presseinformation.pdf, S. 5)

Am bemerkenswertesten finde ich das Ergebnis, demnach die untersuchten Schüler*innengruppen nicht per se als Digital Natives eingestuft werden können. Ich halte die These der „Digital Natives“, also der Existenz einer heranwachsenden Generation, denen die digitalen Medien schon in die Wiege gelegt wurden und die daher souverän, selbstbestimmt und selbstverständlich  die Medien Kompetent für ihre Belange einsetzen, fragwürdig – oder besser geschrieben: schlichtweg falsch. Meine Gegenthese ist: Die ältere Generation besaß die Medienkompetenz, die für ein (Über-)Leben in der jeweiligen Mediengesellschaft notwendig war. Durch die Multi-Entwicklungen der Medien ist es zunehmend schwerer, Medienkompetenz zu erlangen, wie sie Dieter Baacke (1998) formulierte: die Mediennutzung, Medienkunde, Mediengestaltung und Medienkritik. Zu wissen, welche Medien es gibt, wie diese für meine Kommunikationszwecke genutzt werden können, welche Optionen der Gestaltung ich hab und welche ich für welches Kommunikations- oder Informationsanliegen wie auswähle – das sind Fragen, deren Beantwortung immer exemplarischer werden kann…

Wer sich fragt, wie diese Kompetenzen bei den Schülern getestet worden sind, findet ein (englischsprachiges) Beispiel Testmodul hinter folgendem Link: http://www.iea.nl/icils_2013_example_module.html

Quellen

Baacke, Dieter (1998): Zum Konzept und zur Operationalisierung von Medienkompetenz. Online verfügbar unter http://www.produktive-medienarbeit.de/ressourcen/bibliothek/fachartikel/baacke_operationalisierung.shtml, zuletzt geprüft am 30.11.2014.

Bos, Wilfried; Eickelmann, Birgit; Gerick, Julia; Goldhammer, Frank; Schaumburg, Heike; Schwippert, Knut et al. (Hg.) (2014):
ICILS 2013. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich.
Münster, Westf: Waxmann.

Wie Ältere Lernen? Mir scheint – wie Jüngere!

Zu diesem Fazit kam ich beim Lesen der Zusammenfassung einer Studie der Fraunhofer IAO. In einer Befragung von über 1000 Verwaltungsangestellten über 50 Jahren  in Stuttgart stellten die Mitarbeiter Gabriele Korge und Christian Piele u.a. fest, dass Frauen lieber austauschorientiert und Männer lieber selbstorganisiert lernen oder das selbstorganisiertes Lernen mit Integration kommunikativ-austauschorientierter Elemente erfolgreicher ist. Auch die Selbstwirksamkeit der Lernenden sollte gestärkt werden sowie einen Überblick auf den Lernprozess haben. Allesamt Faktoren, die ich in der einen oder anderen Publikation auch für andere / jüngere Lernende schon gelesen habe. So wird gerade in der Diskussion um die Gestaltung kompetenzorientierter Lernangebote Kommunikation, Selbstorganisation oder Selbstwirksamkeit betont (z.B. bei  Pätzold & Lang 2004; Reischmann 2004)

Bei einem genaueren Blick in die Studie (die ausführlich unter der Adresse: http://www.bbbank-stiftung.de/fileadmin/redaktion/Dokumente/Studie_Lernen_Aeltere.pdf hinterlegt ist) zeigen sich in der Zusammenfassung detailliertere Ergebnisse (vgl. Korge & Piele 2014, S. 216ff).

So stellten die Autoren fest, dass ältere Verwaltungsmitarbeitende eine heterogene Gruppe bzgl. der Lernerfahrungen und -vorlieben sind – was auch für andere Lerngruppen gilt. Sechs unterschiedliche Lernsettings konnten in der Untersuchung festgestellt werden: Dozentenzentrierters Lernen, erweiterters dozentenzentriertes Lernen, vielfältiges Lernen (bzgl. Lerorte und -zeiten sowie Quellen), austauschorientiertes Lernen (mit Quellen, die Austausch der Lernenden anregen), praxiserprobendes Lernen sowie selbstorganisiertes Lernen. Auch hier: meines Erachtens keine Unterschiede zu anderen Lernendengruppen.

Erfolgreiches Lernen bei älteren Verwaltungsmitarbeitenden kann durch die Unterstützung der Selbstwirksamkeit der Lernenden,  der Selbstorganisation des Lernenprozesses, Förderung des Austauschs der Lernenden, Lernortvariationen (je nach Lernanlass/-thema), Beachtung eines passenden Zeitrahmens für die Lerndauer und Berücksichtigung der Gruppenzusammensetzung erfolgen. Und wieder komme ich zu dem Schluss oder der Frage: was ist der Unterschied zu anderen Lernenden?

Als weitere Hinweise geben die Autoren mit auf den Weg, dass ungestörtes Lernen, Befürworten des Lernens am Arbeitsplatz durch Kollegen und Vorgesetzte und Lernen ohne großen Zeitaufwand ebenfalls förderlich wirken.

Irgendwie ist es beruhigend, wieder zu erfahren, dass es scheinbar keine Unterschiede bzgl. des Lernens verschiedener Menschen(gruppen) gibt. Und irgendwie auch nicht verwunderlich. Kommt damit erneut die Frage auf: wie können wir Lernanlässe gestalten, die lernförderlich und lernendenfreundlich sind? Und damit sind wie wohl auch schnell wieder bei didaktischen Fragen, sofern es um formelle Lernprozesse geht. Aber auch bei informellen Lernprozessen – so meine These – spielt die Didaktik eine wichtige Rolle (ein Thema, dass ich gern mit Marin Lindner noch ein wenig vertiefen würde :-)). Aber dazu später hoffentlich mehr….

Literatur:

  • Korge, Gabriele & Piele, Christian (2014): Studie „Lernen Ältere“. Lernsettings für ältere Verwaltungsmitarbeitende. IAO Stuttgart.  http://www.bbbank-stiftung.de/fileadmin/redaktion/Dokumente/Studie_Lernen_Aeltere.pdf
  • Pätzold, Günther; Lang, Martin (2004): Förderung des selbst gesteuerten Lernens in der beruflichen Erstausbildung. Universität Dortmund;  Universtität St. Gallen.;
  • Reischmann, Jost (2004): Kompetenz lehren? Kompetenz- und Performanz-Orientierung in der Andragogik zwischen Didaktik und Organisationsentwicklung. Universität Bamberg.

 

Kritik an der Hattie-Studie

Schon ein paar Tage alt, ging die Kritik an der Hattie Studie von Rolf Schulmeister und Jörn Loviscach etwas an mir vorbei, nur um mir jetzt umso häufiger über den Weg zu laufen. Per Mail oder im Netz stolper ich über Hinweise zu dem Text, der Kritikpunkte benennt und der bei Googledocs zweisprachig eingesehen werden kann. In der Kritik weisen Schulmeister und Loviscach darauf hin, dass die Meta-Analyse „Visible Learning“, welche eine Vielzahl von (Meta-)Analysen zur Wirkung von Unterricht untersucht und zusammenfast, beträchtliche und methodische Schwächen aufweist und kommen zum Schluss, dass das Werk einer grundlegenden Überprüfung bedarf. Auf Basis von Stichproben aus den von Hattie herangezogenen Untersuchungen finden die beiden Autoren folgende Kritikpunkte:

  • offenbar nicht wenige der von Hattie herangezogenen Studien sind methodisch zweifelhaft und nicht aussagekräftig genug,
  • die Zuordnung einiger in die Beforschung aufgenommene Untersuchungen zu entsprechenden Themen der Hattie-Studie erscheint den Kritikern fragwürdig,
  • die von Hattie genutzten Analysen sind nicht sorgfältig ausgewählt und so findet sich z.B. eine Studie zur Konzentration industrieller Macht, die nicht mit der Konzentration im Lernprozess zu verwechseln sei. Auch konnten Schulmeister und Loviscach nicht immer die in der Hattie-Studie gefundenen Zahlen in den Originalen wiederfinden,
  • Kritik an der Kompatibilität von abhängigen Variablen, die in der Hattie-Studie Anwendung fanden,
  • statistische Messfehler, wie die Mittlung von Standardfehlern aus verschiedenen statistischen Untersuchung,
  • nicht nachvollziehbares Ranking, welches in der Hattie-Studie große Aufmerksamkeit erregte. Die beiden Kritiker konnten nach einigen Korrekturen auf Basis der Nachprüfungen anderes Rangordnungen errechnen.

Das als kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und Kritikpunkte von Schulmeister und Loviscach. Eine bemerkenswerte und sicherlich nützliche Arbeit, die vielleicht dazu einlädt, vorsichtiger mit Daten und Ergebnissen umzugehen.

Nachzulesen in Schulmeister, Rolf & Loviscach, Jörn (2014). Kritische Anmerkungen zur Studie “Lernen sichtbar machen” (Visible Learning) von John Hattie. SEMINAR 2/2014, S. 121-130.

Quelle zur Hattie-Studie: Hattie, John (2014). Lernen sichtbar machen. 2. korr. Aufl. Hohengehren: Schneider. (bei Amazon)

Die Zusammenfassung der Kritik von Schulmeister& Loviscach online unter: https://docs.google.com/document/d/1hUbe8GYPFToduveTVD1laNXn-2lwlxsWRNkc62l5LYg/

 

mission possible

Quelle: http://www.hof.uni-halle.de/dateien/JPG/hof-hr6-missin-possible.jpg

Mit dem schönen Übertitel „Mission possible“ wurde das Beiheift zur Zeitschrift „die hochschule“ benannt. Der Untertitel gibt etwas mehr Auskunft: „Gesellschaftliche Verantwortung ostdeutscher Hochschulen: Entwicklungschance im demografischen Wandel“.

Das Thema, dass das Team Henke, Höhne, Pasternack und Schneider hier aufgreifen, ist hochaktuell und meines Erachtens nicht mehr nur für ostdeutsche Hochschulen von Interesse. Denn der demografische Wandel vollzieht sich in vielen Regionen Deutschlands, wenngleich eventuell schleichender, was jedoch auch gefährlicher sein kann. Und so lohnt sich sicher ein Blick auf die Strategien der Hochschulen zur Legitimation ihrer Existenz einerseits, als auch die deren Funktion für und Effekte auf die jeweiligen Regionen. Die demografischen Entwicklungen erlauben zwei Strategien: einerseits die Entkopplung von der regionalen Situation z.B. durch stärkeres Engagement im Segment des Online-/Distance-Learning oder andererseits durch eine klare Positionierung als Mitgestaltende in der Region und damit aktiver Teil der Problemlösung (vgl. Studie S. 8).  Bei zweitgenannter Strategie können Hochschulen durch ihre Expertise Innovationen in der jeweiligen Region stärken sowie Aufgaben für die Region übernehmen, für die sonst kaum noch Ressourcen bestehen (z.B. Bereitstellung von Infrastruktur, kulturelle Aufgaben…).

Durch die sich entspannende Studiensituation ab 2015 an westdeutschen Hochschulen fällt darüber hinaus eine weitere Quelle der ostdeutschen Hochschulen weg: der Zustrom an Studienanfängern aus den überfüllten Hochschulen westdeutschlands, was die Situation neben den regionalen demografischen Entwicklungen noch verschärft. Ebenso dürfte sich ein Kampf um Bildungsteilnehmende zwischen Hochschulen und Berufsbildungsanbietern entfachen. Wird dazu aufgrund ungünstiger Haushaltsfinanzen die Fächervielfalt an den Standorten eingedampft, entstehen weitere Risiken, „da ein empirisch nachgewiesener Zusammenhang besteht zwischen räumlicher Nähe zu präferierten Fächerangeboten und der  individuellen Neigung, ein Studium aufzunehmen bzw. für die Studienaufnahme im Herkunftsbundesland zu verbleiben. (Vgl. Schmid/Pasternack 2013: 436f.)“ (ebd. S. 13)

Vor dem Hintergrund, dass auch in westdeutschen Regionen zwar nicht vergleichbare, aber ähnliche demographische Entwicklungen bevor stehen, ist diese Veröffentlichung nicht ganz uninteressant (wie übrigens zahlreiche weitere Veröffentlichungen des Instituts für Hochschulforschung Halle-Wittenberg)

Für den geneigten Leser der Link zur hier nur knapp skizzierten Handreichung: http://www.hof.uni-halle.de/journal/texte/Handreichungen/HoF-Handreichungen6.pdf

Trendstudie Fernstudium 2014

Holger Sommerfeld und Philipp Höllermann von der Internationalen Hochschule Bad Honnef veröffentlichten jüngst die Trendstudie Fernstudium 2014. Die Studie gibt einen guten und kompakten Überblick über die Entwicklung des Fernstudiums in Deutschland. Sie gibt Auskunft über

  • die Teilnehmerstruktur der Fernstudierenden
  • Motive, die zur Aufnahme eines Fernstudiums führen
  • die Wege der Informationsbeschaffung der Teilnehmenden an Fernstudienangeboten sowie die Gründe, die zur Auswahl des entsprechenden Angebots geführt haben
  • die Einschätzung der Fernstudierenden bzgl. der administrativen und fachlichen Betreuung während des Studiums
  • bevorzugte und weniger bevorzugte Lehrformate und Lernmittel aus Perspektive der befragten Fernstudierenden
  • Zeitmanagement
  • Unterstützung durch Arbeitgeber sowie
  • die Rentabilität des Fernstudiums für die Studierenden.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass das Fernstudium weiter boomt. Dabei kommt vor allem neuen Lehrformaten (z.B. social learning), Lernmedien (z.B. digitale Skripte) und Organisationsstrukturen (Online Campus) eine wachsende Bedeutung zu. Interessant ist auch der Vergleich zu den Daten der Erhebung aus 2011, die einige Trends aufzeigen. So verliert z.B. in der aktuellen Erhebung das Thema Gamifikation an Bedeutung.

Link zur Studie: http://www.trendstudie-fernstudium.de/wp-content/uploads/2014/10/Trendstudie-Fernstudium-2014-LQ.pdf