Björk – Selmasongs (2000)

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„Selma Songs ist nicht das vierte Björk-Soloalbum, sondern „nur“ ein von ihr konzipierter Soundtrack. Nach Homogenic (1997) hatte Björk die Musik erst einmal links liegen gelassen: Mit Haut und Haaren stürzte sich die wandlungsfähige isländische Pop-Artistin in Lars van Triers Filmprojekt Dancer In The Dark. Schlagzeilen über heftige Konflikte mit dem Regisseur machten die Runde; die Hauptrolle der amerikanischen Einwanderin Cvelda, die erblindet und mordet, um ihren Sohn vor demselben Schicksal zu bewahren, brachte Björk an ihre psychisch-physischen Grenzen — so sehr ging sie in der Rolle der in einer Traumwelt Gefangenen, jegliche Geräusche in Musik verwandelnden Protagonistin auf.

Der Film wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, Björk kassierte für ihr Leinwanddebüt die Trophäe als beste Schauspielerin. Dass van Trier die experimentierfreudige Sängerin außerdem zum Soundtrack überredete, erweist sich als kluge Wahl. Mit Weggefährte Guy Sigsworth, Arrangeur Vince Mendoza und dem schon bei Homogenic involvierten Orchester verknüpft Björk wieder einmal scheinbar Unvereinbares, würfelt Klassizismen, Samples, monumentale Filmmusik und zeitgenössische Dance-Rhythmen aus der Elektronikküche durcheinander, kontrovers, anspruchsvoll.

Selma Songs startet mit einem instrumentalen Intro von aufwühlender Cinemascope-Dimension, dann schwingt Islands Superstar das Zepter. „Smith & Wesson (Scatter Heart)“ oder „In The Musicals – 1 & 2“ hätten sich auch bruchlos in ihr jüngstes Album eingefügt — und wären positiv aufgefallen: Das erste transformiert den Spieluhr-Charakter eines kindlichen Schlaflieds in groovy Loops, die Björks durch den Raum irrlichternde Stimme unterfüttern, im zweiten ranken sich ihre Vocals um hibbelige Rhythmen und flauschige Orchester-Parts. Inniges, dramatisches Film-Sentiment verkörpert das Balladen-Duett „I’ve Seen It All“ mit Thom Yorke (Radiohead), „Cvelda2 hingegen verkuppelt industrielle Sounds zwischen Musique Concrète und Einstürzende Neubauten mit jazzigen Bigband-Turbulenzen und exaltierter Vokalartistik. Derart ambitionierte Musik geht eher selten direkt ins Ohr, belohnt indes geduldiges Einhören durch immer neue Überraschungen und kennt kein Verfallsdatum.“ (http://www.amazon.de/Selmasongs-Music-Dancer-Ost-Bj%C3%B6rk/dp/B00004Y5Y2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1201475896&sr=1-1)

Offizielle Webseite von Björk: http://bjork.com/

Ein Björk-Forum gibts unter http://www.bjork-forum.de/

Bei Wikipedia kann man einiges nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Bj%C3%B6rk

Eine Vielzahl von weiterführenden Informationen liefert wie so häufig Laut.de (http://www.laut.de/wortlaut/artists/b/bjoerk/)

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