Alle Beiträge von Lars Kilian

Nick Cave And The Bad Seeds – Murder Ballads (1996)

Die Mörder-Balladen waren für NIck Cave und seine Gruppe eins der größten Erfolgsalben. Vor allem der Song „Where the Wild Roses Grow“, ein Duett mit Kylie Minogue, begeisterte – wobei er sich musikalisch doch deutlich von den restlichen Songs unterschied. Dies bereitete wohl auch Nick Cave einige Bauchschmerzen, da das Video in den Musikkanälen hoch- und runtergespielt wurde und Cave Bedenken äußerte, dass die Leute vom Rest des Albums enttäuscht sein werden, wenn sie sich das Album kauften. Die Kritiker begeisterte das Werk jedoch ziemlich einstimmig – und das zu Recht. In diesem morbid dunkelsüßen Konzeptalbum geht es – surprise – um Balladen über das Morden. Nicht verwunderlich, dass sich hier Nick Cave mit und durch seine Art so genüsslich Breit macht. Geschichten über anonyme Mörder, Dialoge zwischen Mörder und Opfer und viele weitere Geschichten, die Cave in seinen musikalischen Psychogrammen auf- und abarbeitet. Keine Musik für das Lagerfeuer oder zum Einschlafen… Oder doch?

Get Well Soon – The Scarlet Beast O’Seven Heads – La Bestia Scarlatta Con Sette Teste (2CD) (2012)

Ich gestehe: Jan Böhmermann ist nicht mein Liebling. Nicht zuletzt aufgrund einer Sendung, bei der Konstantin Gropper zu Gast war, um seine CD zu promoten und für mein Gefühl aus der ganzen Aktion nicht gut rauskam. Zu schrill, zu schnell, zu bunt ist die Welt, die Böhmermann und Roche in ihrer Talkshow einst zauberten (oder sind die noch auf Sendung?). Wer sich die Musik von Get Well Soon anhört, wird merken, dass hier die Ruhe, Getragenheit und Schönheit zum Ausdruck kommen, wie man sie nur selten findet. Gropper schafft Welten, die mich sofort in ihren Bann ziehen und nicht mehr entlassen. Egal ob zu Hause über die Anlage, mit Kopfhörern auf dem Ku`Damm oder im Wald, bei feurigen Sonnenaufgängen und in verregneter Abenddämmerung.  Ein Kosmos voller Glanz, Hoffnung, Wärme, Utopien und Wünsche, auch wenn das vorliegende Album eine „Hommage ans italienische Horrorkino der Siebziger“ (Quelle) ist und sich der Illusion des Weltuntergangs „The whole world is going to hell“ widmet. Nicht ganz zu unrecht wurde es als das „mondänste und anspruchsvollste Pop-Album des Jahres“ (Quelle) gehandelt.

Julee Cruise – Floating Into The Night (1989)

Darf man ein solches Album, ein weiteres Fundstück in meiner Sammlung,  am 1.1.2018 noch vorstellen? Der große Hype um #TwinPeaks im letzten Jahr (2017) ist einigermaßen durch, wenngleich die sozialen Medien immer noch viel zu berichten haben. Und darüber hinaus werden die Tage nun auch definitiv wieder länger und laden dazu ein, beschwingtere Töne aus der Anlage rieseln zu lassen.

Denn mit „Floating Into The Night“ stellte Julee Cruise 1989 ihr Erstlingswerk vor, auf dem zahlreiche Stücke zu finden sind, die nicht nur bei „Twin Peaks“ zu hören (und zu sehen) waren, sondern auch im Film „Blue Velvet“. So verwundert es nicht, dass hier Angelo Badalamenti (Komposition) und David Lynch (Lyrics) selbst mitwirkten und produzierten. Wenn das nicht vielversprechend klingt…?

Damit ist die Hörrichtung klar: Mysteriös, schwebend, dunkel, zart vibrierend, verträumt und zeitlos. Und somit allemal  wert, noch 2018 daran zu erinnern.

Weitere Quellen:

Woodkid – The Golden Age (2013)

Woodkid – das Kind aus dem Wald. Passt irgendwie und doch auch gar nicht. Ein gänzlich unbekannter ist Yoann Lemoine alias Woodkid nicht. Gerade im Gengre des Bewegtbildes hat er sich einen Namen machen können, indem er sich für Videos bei Lana Del Rey oder Kate Perry aber auch Dior verantwortlich zeichnet und dafür auch Preise einheimst. Die eigene Musik ist nochmal eine andere Hausnummer, aber Woodkit zeigt, dass es in ihm Themen gibt, die er selbst thematisieren muss. Dabei weißt seine Musik die Dramatik, Opulenz oder Tiefe auf, die mich an Micheal Nyman, Björk oder Portishead erinnern. Mystisch, wie im Märchenwald. Trompeten, Schlagwerk, Streicher, Klavier… eine gute Mischung, die das Timbre von Woodkid (das mich hier und da an Anthony erinnnert) und seinen eindringlichen Gesang erinnert.

So manches Stück bildet den perfekten Soundtrack für einen Fantasy-Film und Woodkit setzt seine Musik meines Erachtens genau so in Szene. Beeindruckend!

Arcade Fire – Neon Bible (2007)

Neon Bible – passender hätte der Titel von Arcade Fires Zweitling nicht genannt werden können. Das gesamte Album wirft Bilder eines heiligen Messe vor das innere Auge.  Überall Orgeln! In schillernster Art erinnern sie mit ihrer Intensität an das „Stille Nacht – heilige Nacht“, das zum Ende des Weihnachtsgottesdienstes aus allen Kehlen schallt, bevor es nach Hause zum Essen und der Bescherung geht. Der gesamte Sound ist pompös, schillernd, bunt, eindringlich, findet aber auch seine ruhigen und meditativen Minuten. Apokalypse now! Sven Niechziol beschrieb es passend: „Arcade Fire füllen nicht nur jedes Notenblatt bis zur Schwärze“.

Beim Hören erinnerte ich mich an das Album „Black Celebration“ von Depeche Mode, nur eben  30 Jahre später. Das Witzige daran: Während Depeche Mode sich damals komplett dem Synthie-Sound verschrieb, klingen Arcade Fire wunderbar analog…

Low – Things We Lost In Fire (2001)

Gefühlt jeden Herbst drängt sich mir ein Low Album auf. Die langsamsten Rocker sind es nicht, da gibt es ja noch Bohren & der Club of Gore. Aber sie sind schon herrlich entschleunigt. Und trotz (oder wegen) dieses verschleppten Sounds schaffen Low eine Tiefe, die ihresgleichen sucht. Hier schwingt eine Melancholie mit, die zu dieser Jahreszeit so wunderbar passt. Und mit ihr bringen Low zugleich auch Hoffnung. Trotz der Low-typischen Reduktion ist das Album wieder bunt, wenngleich alles mehr angedeutet wird und damit Raum einnimmt: Vibraphon und Orgeln, Pauken und Trompeten, Streicher und Gitarren und viele andere Soundschnipsel, die wohldosiert eingestreut und von Steve Albini produziert wurde. Und wie passend, dass Low mit dem Album wiederholt bei kranky records landeten.
Ganz großes Kino.

Dillon – This Silence Kills (2011)

Ich weiß gar nicht, was mich bei diesem Album mehr begeistert. Die minimale musikalische Gestaltung, die reduzierte Form des Gesangs oder die verwaschene Stimme von Dillon, die ein wenig so klingt, als hätte sie noch was in den Wangentaschen versteckt. Bereits der Opener „This Silence Kills“ schlägt in seinen Bann und zeigt, wie leicht die Schwere klingen kann.  „Tip Tapping“ löst sich vom Opener und flattert Kate Nash-artig vor sich hin, während bei „Thirteen Thrtyfive“ auch noch Regina Spektor mit ins Boot zu kommen  scheint. Einige gute Referenzen, wie ich finde. Dillon zeigt, wie mit wenigen Mitteln und viel Kreativität Neues entstehen kann. Aufgrund der Sanftheit der Arrangements, mit denen hier gearbeitet wird, stechen einige Feinheiten heraus. Hier ein Zirpen, da eine minimale Disharmonie oder dort eine in das Kratzen getriebene Stimme. Ohne das es nervt. Vielmehr gelingt es Dillon, stets alles zusammenzuhalten, so als müssten diese Störungen sein, um die eigene Ästhetik der Sounds zu unterstreichen. Ein gelungenes Album, das Dillon auch live sehr gut zu transportieren weiß. Da steigt schon die Freude auf den jüngst angekündigten Nachfolger. 

Super DOF Rechner

DOF, die Abkürzung für Depth of Field bezieht sich auf die Schärfentiefe in der Fotografie und ist da ein wichtiges gestalterisches Mittel. Nur, was bedeutet das konkret und – noch wichtiger – wie wirkt sich diese auf die Bildgestaltung aus? Kurz: je lichtstärker ein Objektiv ist, desto besser lässt sich ein Motiv vom Bildhintergrund freistellen.  Der Effekt verstärkt sich noch durch Faktoren wie Abstand zum Motiv und Brennweite. Kann der Abstand zum Motiv jedoch gut von Fotografen_innnen selbst beeinflusst werden, hat man für Brennweiten irgendwann ein Gefühl und weiß, das z.B. 150mm für Fotos in geschlossenen Räumen etwas lang sein könnten.

Aber, zumindest mir geht es so, oft ist es schwer, sich die Auswirkung der Lichtstärke für den Bildhintergrund vorzustellen. Lohnt sich der Kauf eines Objektivs mit Lichtstärke f1.8/1.4/1.2/0.95 oder genügt auch ein 2.8 für die Ansprüche? Schließlich gilt die goldene Regel der Fotografie: Lichtstärke ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Lichtstärke. Und das lassen sich Objektivhersteller auch ordentlich bezahlen…

Hier hilft ein DOF Rechner weiter, den ich vor einiger Zeit im Netz fand und – im Gegensatz zu vielen anderen – äußerst gelungen finde. Der DOF Rechner bietet zahlreiche Einstellungen, angefangen bei der Einstellung der Einheiten (metrisch oder imperial) geht es gleich weiter bei der Wahl des Models und Bildhintergrundes sowie der der Frage nach Portrait- oder Landschaftsfoto. Spannend wird es dann bei des Wahl von Objektivs, sofern es in der Datenbank hinterlegt ist. Denn dann sieht man bereits, wie das jeweilige Glas arbeitet. Aber auch wenn die gewünschte Linse nicht in der Datenbank sein sollte, kann man einfach die entsprechenden Werte wie Brennweite, Lichtstärke sowie möglicherweise einen Konverter eintragen und die Wirkung live an einem Bild betrachten. Klasse ist weiterhin die Einstellmöglichkeit der Distanz Fotograf – Modell und Modell – Hintergrund, zwei wichtige Aspekte für die Bildgestaltung. All das auch nochmal ganz praktisch und grafisch aufbereitet im unteren Bereich der Webseite. Nicht zuletzt kann man sogar die Anzahl der Blendenlamellen angebeben, die auch eine Wirkung auf das Bokeh, also die Darstellung des Hintergrunds, haben. Hier zeigen sich also Feinheiten, die sonst kaum ein DOF-Rechner mitbringt.

Es gibt noch zahlreiche andere Funktionen, die ich nicht vorgestellt habe sowie eine Version für mobile Geräte (hab ich nicht getestet). Witzig ist, und das möchte ich noch anmerken, dass bei der (virtuellen) Bildgestaltung sogar darauf geachtet wird, dass die Perspektive für Portraits – und zwar leicht von unten nach oben – berücksichtigt wurde.

Lange Rede…: Tolles Tool, dass jedem empfohlen sei, der sich etwas mit Bildgestaltung auseinandersetzen möchte oder über den Kauf eines Objektivs nachdenkt und nicht weiß, ob die Brennweite und Lichtstärke geeignet sind für die eigenen Anforderungen.

Hier also der Link: https://dofsimulator.net/en/