Alle Beiträge von Lars Kilian

Woodkid – The Golden Age (2013)

Woodkid – das Kind aus dem Wald. Passt irgendwie und doch auch gar nicht. Ein gänzlich unbekannter ist Yoann Lemoine alias Woodkid nicht. Gerade im Gengre des Bewegtbildes hat er sich einen Namen machen können, indem er sich für Videos bei Lana Del Rey oder Kate Perry aber auch Dior verantwortlich zeichnet und dafür auch Preise einheimst. Die eigene Musik ist nochmal eine andere Hausnummer, aber Woodkit zeigt, dass es in ihm Themen gibt, die er selbst thematisieren muss. Dabei weißt seine Musik die Dramatik, Opulenz oder Tiefe auf, die mich an Micheal Nyman, Björk oder Portishead erinnern. Mystisch, wie im Märchenwald. Trompeten, Schlagwerk, Streicher, Klavier… eine gute Mischung, die das Timbre von Woodkid (das mich hier und da an Anthony erinnnert) und seinen eindringlichen Gesang erinnert.

So manches Stück bildet den perfekten Soundtrack für einen Fantasy-Film und Woodkit setzt seine Musik meines Erachtens genau so in Szene. Beeindruckend!

Arcade Fire – Neon Bible (2007)

Neon Bible – passender hätte der Titel von Arcade Fires Zweitling nicht genannt werden können. Das gesamte Album wirft Bilder eines heiligen Messe vor das innere Auge.  Überall Orgeln! In schillernster Art erinnern sie mit ihrer Intensität an das „Stille Nacht – heilige Nacht“, das zum Ende des Weihnachtsgottesdienstes aus allen Kehlen schallt, bevor es nach Hause zum Essen und der Bescherung geht. Der gesamte Sound ist pompös, schillernd, bunt, eindringlich, findet aber auch seine ruhigen und meditativen Minuten. Apokalypse now! Sven Niechziol beschrieb es passend: „Arcade Fire füllen nicht nur jedes Notenblatt bis zur Schwärze“.

Beim Hören erinnerte ich mich an das Album „Black Celebration“ von Depeche Mode, nur eben  30 Jahre später. Das Witzige daran: Während Depeche Mode sich damals komplett dem Synthie-Sound verschrieb, klingen Arcade Fire wunderbar analog…

Low – Things We Lost In Fire (2001)

Gefühlt jeden Herbst drängt sich mir ein Low Album auf. Die langsamsten Rocker sind es nicht, da gibt es ja noch Bohren & der Club of Gore. Aber sie sind schon herrlich entschleunigt. Und trotz (oder wegen) dieses verschleppten Sounds schaffen Low eine Tiefe, die ihresgleichen sucht. Hier schwingt eine Melancholie mit, die zu dieser Jahreszeit so wunderbar passt. Und mit ihr bringen Low zugleich auch Hoffnung. Trotz der Low-typischen Reduktion ist das Album wieder bunt, wenngleich alles mehr angedeutet wird und damit Raum einnimmt: Vibraphon und Orgeln, Pauken und Trompeten, Streicher und Gitarren und viele andere Soundschnipsel, die wohldosiert eingestreut und von Steve Albini produziert wurde. Und wie passend, dass Low mit dem Album wiederholt bei kranky records landeten.
Ganz großes Kino.

Dillon – This Silence Kills (2011)

Ich weiß gar nicht, was mich bei diesem Album mehr begeistert. Die minimale musikalische Gestaltung, die reduzierte Form des Gesangs oder die verwaschene Stimme von Dillon, die ein wenig so klingt, als hätte sie noch was in den Wangentaschen versteckt. Bereits der Opener „This Silence Kills“ schlägt in seinen Bann und zeigt, wie leicht die Schwere klingen kann.  „Tip Tapping“ löst sich vom Opener und flattert Kate Nash-artig vor sich hin, während bei „Thirteen Thrtyfive“ auch noch Regina Spektor mit ins Boot zu kommen  scheint. Einige gute Referenzen, wie ich finde. Dillon zeigt, wie mit wenigen Mitteln und viel Kreativität Neues entstehen kann. Aufgrund der Sanftheit der Arrangements, mit denen hier gearbeitet wird, stechen einige Feinheiten heraus. Hier ein Zirpen, da eine minimale Disharmonie oder dort eine in das Kratzen getriebene Stimme. Ohne das es nervt. Vielmehr gelingt es Dillon, stets alles zusammenzuhalten, so als müssten diese Störungen sein, um die eigene Ästhetik der Sounds zu unterstreichen. Ein gelungenes Album, das Dillon auch live sehr gut zu transportieren weiß. Da steigt schon die Freude auf den jüngst angekündigten Nachfolger. 

Super DOF Rechner

DOF, die Abkürzung für Depth of Field bezieht sich auf die Schärfentiefe in der Fotografie und ist da ein wichtiges gestalterisches Mittel. Nur, was bedeutet das konkret und – noch wichtiger – wie wirkt sich diese auf die Bildgestaltung aus? Kurz: je lichtstärker ein Objektiv ist, desto besser lässt sich ein Motiv vom Bildhintergrund freistellen.  Der Effekt verstärkt sich noch durch Faktoren wie Abstand zum Motiv und Brennweite. Kann der Abstand zum Motiv jedoch gut von Fotografen_innnen selbst beeinflusst werden, hat man für Brennweiten irgendwann ein Gefühl und weiß, das z.B. 150mm für Fotos in geschlossenen Räumen etwas lang sein könnten.

Aber, zumindest mir geht es so, oft ist es schwer, sich die Auswirkung der Lichtstärke für den Bildhintergrund vorzustellen. Lohnt sich der Kauf eines Objektivs mit Lichtstärke f1.8/1.4/1.2/0.95 oder genügt auch ein 2.8 für die Ansprüche? Schließlich gilt die goldene Regel der Fotografie: Lichtstärke ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Lichtstärke. Und das lassen sich Objektivhersteller auch ordentlich bezahlen…

Hier hilft ein DOF Rechner weiter, den ich vor einiger Zeit im Netz fand und – im Gegensatz zu vielen anderen – äußerst gelungen finde. Der DOF Rechner bietet zahlreiche Einstellungen, angefangen bei der Einstellung der Einheiten (metrisch oder imperial) geht es gleich weiter bei der Wahl des Models und Bildhintergrundes sowie der der Frage nach Portrait- oder Landschaftsfoto. Spannend wird es dann bei des Wahl von Objektivs, sofern es in der Datenbank hinterlegt ist. Denn dann sieht man bereits, wie das jeweilige Glas arbeitet. Aber auch wenn die gewünschte Linse nicht in der Datenbank sein sollte, kann man einfach die entsprechenden Werte wie Brennweite, Lichtstärke sowie möglicherweise einen Konverter eintragen und die Wirkung live an einem Bild betrachten. Klasse ist weiterhin die Einstellmöglichkeit der Distanz Fotograf – Modell und Modell – Hintergrund, zwei wichtige Aspekte für die Bildgestaltung. All das auch nochmal ganz praktisch und grafisch aufbereitet im unteren Bereich der Webseite. Nicht zuletzt kann man sogar die Anzahl der Blendenlamellen angebeben, die auch eine Wirkung auf das Bokeh, also die Darstellung des Hintergrunds, haben. Hier zeigen sich also Feinheiten, die sonst kaum ein DOF-Rechner mitbringt.

Es gibt noch zahlreiche andere Funktionen, die ich nicht vorgestellt habe sowie eine Version für mobile Geräte (hab ich nicht getestet). Witzig ist, und das möchte ich noch anmerken, dass bei der (virtuellen) Bildgestaltung sogar darauf geachtet wird, dass die Perspektive für Portraits – und zwar leicht von unten nach oben – berücksichtigt wurde.

Lange Rede…: Tolles Tool, dass jedem empfohlen sei, der sich etwas mit Bildgestaltung auseinandersetzen möchte oder über den Kauf eines Objektivs nachdenkt und nicht weiß, ob die Brennweite und Lichtstärke geeignet sind für die eigenen Anforderungen.

Hier also der Link: https://dofsimulator.net/en/

Urlaubsreflexionen, -schatten und -spiegelungen

Wieder hat es mich im Urlaub nach Italien verschlagen. Dieses mal war Venezien das Reiseziel, dem an dieser Stelle eine Empfehlung ausgesprochen werden muss! Venedig, klar. Aber (mir bislang unbekannte) Städte wie Chioggia, der kleinen Schwester Venedigs, dem herrlich an den Kanal angelegten Dolo und nicht zuletzt das lebendig Padua mit seiner fantastischen Architektur lohnen allemal eine Reise. Zumal auf dem Weg dorthin noch viele weitere Ziele wie Innsbruck (innerhalb eines Jahres nun viermal besucht!), Meran usw. liegen, für die sich ein längerer Zwischenstopp lohnt.

Fotografisch war ich eher minimal aufgestellt. Nur meine Olympus EM1 und das Voigtländer Nokton 25/0.95 waren dabei. Mit der Zeit hab ich mich wunderbar mit der Brennweite arrangieren können (wenngleich manchmal die 17mm auch schön gewesen wären). Es war auf jeden Fall eine Entdeckungsreise, da sich das Auge im Laufe der Zeit auf die Brennweite einlässt. Und da ich irgendwie keine Lust hatte, klassische Urlaubsbilder zu machen, ging ich auf die Suche nach Schatten und Licht, nach Reflexionen und Spiegelungen, in denen sich was finden lässt. Eine Auswahl an Bildern anbei…

Tricky – Maxinquaye (1995)

Warum ist Maxinquaye noch nicht in meinem Blog? Das Album befindet sich seit über 20 Jahren in meiner Sammlung und ist immer wieder erfreulich zu hören. Wenngleich es sich bei den düsteren Tracks des Erstlings-Solowerks von Tricky vielleicht nicht anschickt, von erfreulich zu sprechen. Mit Maxinquaye legte Tricky nach seinem Weggang von Portishead den Grundstein für die eigene Arbeit und einen Meilenstein in den um die Jahrtausendwende gefeierten Trip Hop. Tricky präsentiert hier seinen einmaligen lo-speed Rap auf schwerpumpenden, schwarzen Elektroniksounds. Insgesamt, so möchte ich mit Blick auf den Output der letzten 20 Jahre feststellen, hat Tricky das Niveau von Maxinquaye nie wieder in dieser Form erreicht. Maxinquaye – übrigens eine Zusammensetzung des Namens seiner Mutter – ist ein Album, dem man den Sumpf anhört, in dem Tricky sich damals befand. Wer mit ihm zusammen in den dunklen des TripHop abtauchen möchte, sei dieses Album empfohlen.

 

AG Geige – Raabe? (1991)

AG Geige wurde in den letzten Jahren wieder viel Aufmerksamkeit zuteil, auch wenn sie sich das wohl gar nicht so wünschten. Grund waren Kraftklub, die z.T. Sprösslinge der ehemaligen Elektro-Avantgarde im biologischen und auch geistigem Sinne sind und damit auch die Clubkultur in Chemnitz wieder interessant wurde.

AG Geige, mit ihren irren Kostümen, den dadaistischen Texten und den elektronischen Musikentwürfen wirkten gleichermaßen faszinierend wie auch  irritierend auf mich – aber auch auf die Kulturverantwortlichen der damaligen Zeit. So las ich in einem Interview, dass AG Geige zahlreiche Probekonzerte vor den Entscheidern des DDR-Staatsapparats hatten, bis sie eine Lizenz für den öffentlichen Auftritt erhielten – wohl, weil man sich nicht sicher war, ob diese Musik mit den Ideologien der damaligen Zeit in Einklang steht. Das stelle ich mir im Nachhinein sehr lustig vor! 

Die Mischung von Musik und Texten, gepaart mit meinen Jugenderinnerungen in den Klubs und Gesprächen mit der AG Geige macht sie für mich bis heute sehr reizvoll. 

Mehr Informationen über AG Geige: