Ammer & Console – Eigentum Am Lebenslauf. Das Gesamte Im Werk Des Alexander Kluge (2007)

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„Alexander Kluge hat in seinem Leben viel erzählt. „Lebensläufe“ hießen die Geschichten, mit denen der spätere Filmemacher und Fernsehgestalter Anfang der 60iger Jahre erstmals als Schriftsteller öffentlich auftrat. Sie seien „teils erfunden, teils nicht erfunden. Zusammen ergeben sie eine traurige Geschichte.“ Als am Ende des Jahrtausends dann Kluge sein „summum opus“, die vieltausendseitige „Chronik der Gefühle“ vorlegte, so trug deren zweite Hälfte immer noch den gleichen lakonischen Titel: „Lebensläufe“. Zusammen ergaben die Geschichten die traurige Geschichte des 20. Jahrhunderts (beginnend mit dem Urknall).Noch viel mehr hat sich Alexander Kluge in seinem Leben aber erzählen lassen:
In seinen TV-Magazinen ist er der geduldige Zuhörer, ein elektronischer Sokrates, der jeden seiner Gäste bis an die Grenze des erträglichen davon erzählen lässt, was ihr Leben und die gesamte Welt im Innersten zusammenhält.

Erzählen / lassen. Für Eigentum am Lebenslauf hat der vielfach ausgezeichnete Hörspielmacher Andreas Ammer die beiden Facetten des Alexander Kluge dialektisch zusammengefügt und daraus für den Bayerischen Rundfunk ein Hörspiel gemacht. Ammer hat Kluge mehrfach in seinem Münchner „Küchenstudio“ besucht und ihn erzählen lassen: Sein Leben, sein Werk, und die Welt. Eigentum am Lebenslauf ist halb Erzählung, halb große Oper, manchmal Lesung, immer Lebenslauf und also „eine traurige Geschichte“, die – wenn nicht von 630 Millionen Jahren – dann vielleicht an dem Tag beginnt, als Kluge sich von Ammer „Techno-Musik“ als Soundtrack für seine Worte wünschte: Console, aka Martin Gretschmann, hat diesen Wunsch grandios mit seinem Soundtrack erfüllt. Nur am Ende, nach der großen Katastrophe, quaken die Frösche.

„Was wir einen ‚Lebenslauf‘ oder ‚Wirklichkeit‘ nennen, sind Kokons der Wahrnehmung, die uns schützen. Ob sie etwas Reales sind, dürfen wir bezweifeln. So leben wir, in Lebensläufen und auf Kontinenten verteilt, kontinuierlich und erfahren in verschiedenen Wirklichkeiten.“ (Alexander Kluge)

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