Cinerama – Disco Volante (2000)

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Was tun, wenn sich eine Band wegen eines Beziehungskrachs auflöst, aber Musik das Lebenselexier der Musiker bedeutet? Nun, einfach unter neuem Namen weitermachen und davon singen, wie schlimm alles ist. Nach dem Zusammenbruch von The Wedding Present singt sich David Gedge mit Cinerama durch zahlreiche Hommagen an eine (echte?) Freundin. Zwar fehlen auch diesem – wie wohl fast allen Alben von Gedge – die Nr. 1 Hits, aber seine Songs schaffen sich auf ihre eigene Weise Zutritt.  Sie gefallen, treiben an, geben Mut, aber sie zerfallen auch mit dem Ende des Albums. Übrig bleibt ein schönes Gefühl und das Unwissen, was man da eigentlich gerade gehört an. Also: Nochmal hören. Einfach zeitloser und wunderschöner Pop. 

 

DJ Koze – Amygdala (2013)

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Die Amygdala, so belehrt mich Wikipedia,  “ spielt allgemein eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren: Sie verarbeitet externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen dazu ein“ (Quelle). Stefan Kozella ist ja immer wieder für einen Spaß zu haben aber manchmal war es mir doch auch etwas „too much“. Daher tat ich mich auch schwer, das neue Album von ihm gleich begeistert aufzunehmen. Ein Gag funktioniert ja meist nur einmal, dann ist die Luft raus (außer bei seinen Projekt „International Pony“! :-)) Wie auch immer, Amygdala ist durchaus ein „klassischer Koze“. Wieder werden Sounds von oder mit anderen verbraten, nachdem sie auf Irr- und Umwegen im immateriellen Kosmos von DJ Koze umherrirrten, um dort immer an Konzentrat zu gewinnen und sich in fast neuem Gewand zu präsentieren. Mit von der Partie (Party?) sind Caribou, Apparat, Matthew Dear, Dirk von Lowtzow, Milosh oder auch Hildegard Knef (!). Gerade bei letztgenannter ist der Song eine echt hingebungsvolle Hommage, der eigentlich das Original sein könnte. Amygdala, so merke ich, greift behutsam aber nachdrücklich mein emotionales  Ich an. Guter Titel, gute CD. Geht immer wieder und überalle: Beim Essen und Talken, beim Autofahren und Tanzen, aber auch zum Entspannen. 

Peaches – I Feel Cream (2009)

Das Cover lügt nicht: Peaches goes Disco!? Den Dancefloor hat sie ja sicher schon erobert, aber nun kommt Glitzer und Lametta ins Haus und sie läuft damit Madonna durchaus den Rang ab.  …oder macht ihn ihr zumindest streitig. Für ihr viertes Album wühlt Peaches tief in der Kiste des Electroclash und arbeitet mit einigen Größen wie Soulwax, Simian Mobil Disco, Gonzales oder Drums of Death zusammen. Und eigentlich ist dieser Griff zur Discokugel, nach einer gefühlten halben Ewigkeit als Rock-Trash-Power-Queen, eine logische Konsequenz und Fortführung des Stils. Denn der ist doch eigentlich, sich selbst treu zu sein und keinen Konventionen zu unterwerfen. Und wenn die Lust auf Disco kommt, dann darf man dieser auch ungeniert nachgehen.  Ist damit die „Rrrriot-Girl-Phase“ durch? Na, nicht ganz. Nicht nur, dass das auf „I Feel Cream“ folgende Album wieder ganz andere Töne von sich gibt, auch auf dem Discoalbum findet Peaches ihre „Feuchtgebiet“ und bekennt „I’m a stage whore / I command the floor„, was man ihr glauben darf…
In diesem Sinne: Licht aus – Spot an!

Frittenbude – Nachtigall (2008)

Ravepunk mag ich ja seit der akustischen Begegnung mit Saalschutz. 110% Energie und gute Laune vertreiben Trübsinn und Schwere an grauen Tagen. Frittenbude aus München  haben davon jede Menge im Gepäck und seit ihrem legendären Auftritt auf dem Parkplatz vor dem Melt! Festival bewiesen, dass sie es mit dem Spaß auch wirklich ernst meinen. Luftige Melodien auf schweren „Basslastern“ graben sich vor zur „Hirndisco“ von „Superschnitzelkönig und Superschnitzelqueen“, während Frittenbude ruft: „Wir suchen ein Label mit Knebelvertrag, dass uns komplett in Verruf bringt““ Derartige Wortschöpfungen zeigen, wohin die Reise bei Frittenbude geht. Bleibt nur noch die Frage für ich offen, ob sie die ersten mit den Pandabären waren und dieses Tier in die Szene einführten…? 

Spam-Spaß

Spam ist lästig – und manchmal auch lustig. Sicher hat jeder schon obskure Angebote erhalten, Geld von irgendwoher zu bekommen, weil ein die Tochter des Schwippschwagers eines nahen Verwandten des Chaffeurs eines Ölmultis… Naja, lassen wir das. Die Storys sind oft wild, die Übersetzungsmaschinen tun ihr übriges.

Jüngst erhielt ich einen wirklich überdurchschnittlichen Spam hier im Blog, den ich gern teile. Unglaublich, was sich die Leute so einfallen lassen, damit man sich Viren oder anderes auf den PC lädt. (Die URL hab ich übrigens selbst unbrauchbar gemacht, nicht dass hier jemand noch versehentlich Schadsoftware runterlädt :-).

Author: Angela Merkel Jugend Naktfotos Leak (IP: 37.58.58.7, 37.58.58.7) Email: JaqXXXXBailXXXX@gmx.net URL: https://files.XXXXbox.moe/dyn3nc.zip Comment: Ach du Scheiße, wasn hier los…? Da hat n Hacker NAKTBILDER von Kanzlerin ANGELA MERKEL in deinen Blog hochgeladen! Wie geht das denn man? Wasn FETTER Leak! Fotos guckst du hier: https://files.XXXXbox.moe/dyn3nc.zip (habe dir den Link mal geshortet, damit es nicht ganz so offensichtlich ist, dass die Fotos auf deinem WordPress gehostet werden. Einfach Runterladen und Extrahieren !!! Kannst alles sehen… ALLES ! Von UNSERER deutschen Kanzlerin ! Ist KEIN Witz ! Sogar 1 Fotos ist dabei, wo sie nur 19 Jahre alt ist (Passwort für dieses ganz spezielle Foto lautet: 123). Die war sogar sexy damals, was man heute leider ja nicht mehr sagen kann. LOOOOL…

Human Don’t Be Angry – Human Don’t Be Angry (2012)

Der Albumtitel erinnert schon ein wenig an „Don’t Panik!“ aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, oder?  Und das Cover passt so gar nicht zum Titel und beunruhigt zumindest mich dann doch ein wenig… Aber: „Keine Panik“ 😀 „Human don’t be angry“ ist eine versteckte Perle im Musikgeschäft: Wer sie beim Tauchen in den Tiefen der Musikveröffentlichungen nicht findet, ist nicht traurig. Aber der sie findet, dem könnte das Herz etwas höher schlagen.  Malcolm Middleton, der sich hinter dem Projekt verbirgt, rettet die 80er Jahre der elektronischen Musik ganz geschickt in unser Jahrzehnt herüber, ohne dabei nostalgisch zu werden oder sich über die simplen Klänge dieser Musik zu amüsieren. Eine bunte Gemengelage von Computergeblubbel, 8-bit Stimmen, Vocodergeschredder  und derlei Späßen. Middleton (sonst als andere Hälfte von Arab Strap aktiv) hat das Händchen, schöne, warme und zurückhaltende Melodien aus diesen Sounds zu basteln. Assoziationen zu AIR finde ich nicht irgendwie passend, Noah And The Whale könnten derartige Musik gemacht haben, würden sie sich dem elektronischen zuwenden (wobei dann der schöne Gesang fehlen würde – dann lieber doch nicht!) und bei Mike und Rich finden sich ebenfalls nicht nur Parallelen zum Cover.

Human Don’t Be Angry ist bereits Middletons sechstes Album unter diesem Pseudonym. Ich muss mir doch mal die anderen anhören….

Bemerkenswert ist auch das Video „1985“. Eine schöne Idee, ein Familienspiel als Grundlage für einen actiongeladenen Wettkampf zu nehmen, inklusive der „Replay“ Einblendungen aus den 80er Jahren und Stereovideobild – vorausgesetzt, man hat noch die lustigen Brillen mit roter und grüner Folie.

Dota – Die Kleingeldprinzessin Und Die Stadtpiraten (2003)

Hörprobe

Das Erstlingswerk der begnadeten und äußerst sympathischen Kleingeldprinzessin Dota Kehr und ihren Stadtpiraten.

„Schon vor den Stadtpiraten sammelt Dota musikalische Erfahrung, zunächst als Saxophonistin und Sängerin in verschiedenen Bands. Später schreibt sie eigene, deutsche oder spanische Songs auf der Gitarre. Kehr reist durch die ganze Welt, verdient ihr Geld als Straßenmusikerin, bringt viele Erfahrungen und einen Spitznamen mit nach Deutschland: die Kleingeldprinzessin.

Als sie 2003 von einer ihrer Weltreisen wieder nach Berlin zurück kommt, trifft sie auf Jan Rohrbach (E-Gitarre), Sebastian Vogel (Bass) und Janis Görlich (Schlagzeug): Die Stadtpiraten sind geboren. Noch im selben Jahr erscheint die erste CD, „Die Kleingeldprinzessin“. Dank kluger Texte und ungewöhnlicher musikalischer Untermalung erspielen sich die Stadtpiraten mit der Zeit eine kleine, aber dennoch sehr treue Fangemeinde – „upernette Leute, aufgeschlossen, politisch links, viele kreative Menschen jeden Alters„, charakterisiert Kehr ihr Publikum.“ (Quelle: http://www.laut.de/Dota-Und-Die-Stadtpiraten)

Gleich das erste Stück des Albums „Öffentlicher Nahverkehr“ hat mich mit seinem Text und der Art des abwechslungsreichen Gesangs erfreut und mir zwang sich der Wunsch auf, doch noch etwas mehr von der Gruppe zu hören. Und was ich so hörte, gefiel mir sehr gut. Sehr lebendig, nicht plakativ, authentisch, bunt und viele andere Assoziationen schwappten durch den Kopf. Daher drängen sich nun bereits einige CDs von ihr in meinem Regal und erfreuen mich. 

Zur Webseite: http://kleingeldprinzessin.de/

HGich.T – Lecko Grande (2012)

Zugegeben. Mein CD-Regal ist gefüllt mit Ohrwürmern, freundlicher Hintergrundmusik und anderen Nettigkeiten für mein Trommelfell. Aber nicht nur. Es gibt auch einiges absonderliches, dass ist mir bewusst. Denke ich z.B. an die Soundexperimente von Ryoji Ikeda, das Oszillieren von Pansonic oder die Endlosschleifen von Oval, weiß ich, dass ich das nur allein hören darf. HGich.T reiht sich in diese Gattung – ich nenne sie mal asoziale Musik, weil mein soziales Umfeld dabei weg rennt – ein. Sie haben mich irgendwann auf Youtube „gewonnen“ und ich war erschrocken fasziniert. Wie bei einem Horrorfilm, bei dem man zwischen den Fingern der Hand hindurchschaut, wenn das Böse kommt. Ist das Trash? Ist das DADA? Ist das noch Real? Oder kann das schon weg? Einen Abend hangelte ich mich von Video zu Video und war, ja, erschrocken fasziniert. So musste ich mir das nochmal als Album anhören. Vielleicht steckt da ein Konzept dahinter? Ganz sicher ist man sich da nicht. Auch bei der Kulturzeit oder beim Spiegel online war man ratlos, wie diese Form musikalischen Ausdrucks zu bewerten wäre. Naja, halten wir es wie die Großen „Kunst ist das, was ihr draus macht!“ Oder um laut.de zu zitieren: „Nur unter vorübergehender Auslöschung großer Teile der Persönlichkeit kann man den Tonträger einigermaßen überstehen.“ (http://www.laut.de/HGich.T/Alben/Lecko-Grande-87193). In diesem Sinne eine schöne Lecko Grande. 

Die große mp3-Schatzkiste von HGich.T auf deren Webseite: http://www.hgicht.de/Lieder/Liedseite.html

Bilder der Ausstellung „Krieg und Frieden“ jetzt online

„Werte über Bord!“ (Noahs Alptraum) von Lars Kilian

Für alle, die die Ausstellung „Krieg und Frieden“ der Foto- und Labor AG der TU Kaiserslautern verpasst haben, gibt es nun selbige in digitaler Version. Das Thema „Krieg und Frieden“ ist Semesterthema an der TU und CampusKultur organisiert dazu neben der Fotoausstellung verschiedene sehens- und besuchenswerte Veranstaltungen.

Hier der Link zur digitalen Galerie: 

Bilder der Ausstellung „Krieg und Frieden“

Muslimgauze – Turkish Berlina (2013)

Turkish Berlina ist ein weiteres Album aus dem in den 90er Jahren verstorbenen Bryn Jones. Die Stücke stammen wohl aus der Zeit von 1997 und sind mehr oder minder an die Originale angelehnte Remixes, die sich im Nachlass von Jones fanden und eine Mischung von Sounds aus dem Nahen Ost und deren elektronischer Verfremdung im typischen Anstrich von Muslimgauze, wobei sie nicht allzu sehr vom Industrial geprägt sind sondern eher einen sphärisch-meditativen Charakter haben.  Jedoch scheinen teilweise technoide Sequenzen durch, die beim Hören durchaus für Abwechslung und Aufmerksamkeit sorgen.  Die CD ist – wie viele andere Alben von Muslimgauze auch – auf 500 Kopien limitiert

eine digitale Sammelmappe